7. Oktober 2020 - 8:47 / Ausstellung / Geschichte / Theater 
8. Oktober 2020 12. April 2021

Lodovico Ottavio Burnacini (1636–1707) begeisterte im Wien des 17. Jahrhunderts den Kaiserhof und die Theaterwelt. Die farbenprächtigen "Grotesken" und Commedia dell’arte-Entwürfe gehören zu den interessantesten Zeichnungen dieses aus Italien stammenden Theateringenieurs.

Als Theateringenieur steht Lodovico Ottavio Burnacini 55 Jahre im Dienste von drei Habsburger Kaisern. Für sie plant er neben Komödien- und Opernhäusern auch Denkmäler, wie die Pestsäule am Graben in Wien. Zu Aufführungen, Festen und Umzügen entwirft er tausende Kostüme, Bühnenbilder sowie -maschinen, die ihn bereits zu Lebzeiten zu einem gefeierten Künstler machen. Nachdem Kaiser Leopold I. 1674 ein von Burnacini ausgestattetes Zauberspiel im Theater der Jesuiten sieht, schreibt er enthusiastisch an seinen Freund, Ferdinand I. Bonaventura von Harrach: "[...] In summa ich habe nitt baldt was bössers gesehen". Während Burnacinis bühnenbildnerisches Werk dank der Stiche in den Libretti der von ihm ausgestatteten Opern weltweite Verbreitung erfuhr, blieben die meisten Originale lange Zeit in der Sammlung des Theatermuseums verborgen. Seine 400 Handzeichnungen sind faszinierend detailreich ausgeführt und haben erstaunlicherweise bis heute nichts an ihrer Farbintensität eingebüßt. Sie legen ein eindrucksvolles Zeugnis von Burnacinis Genie ab.

Die Ausstellung präsentiert 125 kostbare Blätter, die sich der Groteske und Komödie widmen. In diesen Entwürfen vermischen sich fantasievoll Visionen der Hölle mit den bunten Farben der Straßen zur Faschingszeit. Burnacini lässt Männer als Frauen, Kinder als Erwachsene und Kleinwüchsige als Riesen auftreten; Gesichtszüge und Körperposen studiert er minutiös, um sie zu karikieren. Sein Augenmerk gilt dabei ganz und gar der Narrheit und einem Auf­den­Kopf-Stellen der Wirklichkeit. Bei Burnacinis Geschöpfen verschwimmen die Grenzen zwischen Menschlichem, Tierischem, Mechanischem und Humanem. Zur Steigerung der grotesken Effekte verfremdet er seine Figuren mit ausgefallenen Kostümen, aufgemalter Schminke und Masken, in deren überzeichneter Welt die Ironie der Komödie am stärksten zur Geltung kommt. Die Zeichnungen Burnacinis besitzen eine so moderne Anmutung, dass sie teilweise den Experimenten der Avantgarde mindestens 250 Jahre vorauszugehen scheinen.

Groteske Komödie
Lodovico Ottavio Burnacini
8. Oktober 2020 bis 12. April 2021

Theatermuseum
Lobkowitzplatz 2
A - 1010 Wien

W: https://www.theatermuseum.at

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  •  8. Oktober 2020 12. April 2021 /
Burnacini, Das Trio des Freudenhauses, Wien, 17. Jhdt, Theatermuseum © KHM-Museumsverband
Burnacini, Das Trio des Freudenhauses, Wien, 17. Jhdt, Theatermuseum © KHM-Museumsverband
Burnacini, Tierballett, Wien, 17. Jhdt, Theatermuseum © KHM-Museumsverband
Burnacini, Tierballett, Wien, 17. Jhdt, Theatermuseum © KHM-Museumsverband
Burnacini, Springender Capitano, Wien, 17. Jhdt,  Theatermuseum © KHM-Museumsverband
Burnacini, Springender Capitano, Wien, 17. Jhdt, Theatermuseum © KHM-Museumsverband