13. November 2009 - 2:09 / Ausstellung / Museum 
11. Juni 2009 22. November 2009

Als sich die mondäne Wiener Gesellschaft in der Ringstraßenzeit neu ausstaffierte, standen Eleganz und Opulenz auf der Tagesordnung. Die wichtigsten Modetrends haben im Wien Museum ihren großen Auftritt: Extravagante Ballkleider und exaltierte Hüte, Brautkleider und Trauerroben, Korsett und Stiefelette, Trotteurkostüm und Stadtpelz. Aber auch Skihose, Reitkostüm oder Tennisdress sind vertreten. Denn modernes Freizeitverhalten lockerte die strenge Etikette und brachte den Frauen ein gewisses Maß an Bewegungsfreiheit. Auch das Schönheitsideal veränderte sich – von der Wespentaille hin zum "gesunden" Reformkleid, auch wenn die Widerstände dagegen enorm waren.

Auf der Mariahilfer Straße entstanden im späten 19. Jahrhundert große Kaufhäuser, die Konfektionsware anboten und zu Freizeiteinrichtungen für Frauen wurden, zum Beispiel die Kaufhäuser Zwieback oder Esders. Adelige und neureiche Bürger ließen ihre Maßkleidung bei Couturiers anfertigen. Was trage ich wann? Diese Frage beschäftigte gutsituierte Damen und Herren permanent: Das Wissen um die "feinen Unterschiede" in Geschmack und Auftreten hatte großen Einfluss auf den gesellschaftlichen Erfolg, ob beim Ringstraßen-Korso oder am Hofball. Allzu grelle Farben galt es tunlichst zu vermeiden, waren diese doch den Damen der "Halbwelt" vorbehalten.

Der Wiener Stil orientierte sich an der Modemetropole Paris, war allerdings von deren Extravaganz weit entfernt. Im Unterschied zur aufwändigen und durchwegs unbequemen Damenmode kleideten sich die Herren konservativ und funktional, entsprechend den bürgerlichen Tugenden Fleiß, Verzicht und Sparsamkeit. Um 1900 trug man einheitlich dunklen Anzug und weißes Hemd mit gestreifter Krawatte, einzig die Uhrketten ließen ein wenig Spielraum für Individualismus zu. Auch die Ringstraßenzeit hatte ihre Mode-Ikonen: Kaiserin Elisabeth war nicht nur bei ihren sportlichen Aktivitäten stets top gekleidet, der Wiener Bürgermeister Karl Lueger – wegen seines eleganten Auftretens auch "der schöne Karl" genannt – wurde ebenfalls vielfach kopiert. Die Toilette von berühmten Schauspielerinnen oder Künstlern wie Peter Altenberg und Alexander Girardi wurde zum Stadtgespräch. Doch nicht nur die elegante Society-Welt ist in der Ausstellung ein Thema, sondern auch der Alltag der einfachen Leute abseits der noblen Salons.

Die Modesammlung des Wien Museums ist der "größte Kleiderschrank" der Stadt und hat internationale Bedeutung. Die Ausstellung präsentiert rund 300 Highlights aus diesem prächtigen Fundus: Neben Kleidern und Ensembles (unter anderem auch Kleidung für Kinder) sind Accessoires wie Fächer, Sonnenschirme, Spazierstöcke oder Hüte zu sehen. Begleitet wird die Mode-Schau von prachtvollen Gemälden der Wiener Belle Epoque – u. a. von Hans Makart, Anton Romako und Wilhelm Gause.


Katalog: Großer Auftritt. Mode der Ringstraßenzeit. Hg. von Regina Karner und Michaela Lindinger. Brandstätter-Verlag, 184 Seiten.

Großer Auftritt. Mode der Ringstraßenzeit
11. Juni bis 22. November 2009

Wien Museum
Felderstraße 6-8
A - 1010 Wien

W: http://www.wienmuseum.at/

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Sommerstiefeletten, um 1870. Foto: Christa Losta; Copyright: Wien Museum
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Korsett, um 1880/1885; Taillenumfang: 49 cm! Foto: Christa Losta; Copyright: Wien Museum
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Radfahrkostüm, um 1900 (Hose ergänzt). Foto: Christa Losta; Copyright: Wien Museum
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Sommeranzug, um 1890. Foto: Christa Losta; Copyright: Wien Museum