„Glumpert“ – Mode als Haltung

Mit „Glumpert“ präsentiert der Designer Peter Fellner im OK Linz eine Ausstellung, die Mode nicht als Produkt, sondern als Haltung versteht. Die gleichnamige Kollektion begreift Kleidung als Schutzraum für Körper, Identitäten und Materialien, die in normierten Systemen häufig ausgeschlossen oder marginalisiert werden.

„Glumpert“ schafft einen Raum, in dem Diversität nicht erklärt werden muss, sondern selbstverständlich existiert. Mode wird hier zur Infrastruktur von Sicherheit, Sichtbarkeit und Veränderung. In der zeitgenössischen Modepraxis wird selten so konsequent sichtbar, wie eng Kleidung, Raum, Material und Identität miteinander verwoben sein können, wie in der Arbeit von Peter Fellner. Seine Entwürfe verstehen Mode als etwas, das sich erst im Tragen, Bewegen und Erleben vollzieht.

Dabei werden klassische Modeformate überschritten und Kleidung, Raum, Bewegung, Film und Skulptur zu einer begehbaren Installation verbunden. Der Ausstellungsraum wird zur Bühne, auf der textile Objekte, Film und Figuren miteinander in den Dialog treten. Die Kollektion ist nicht als Aneinanderreihung einzelner Kleidungsstücke zu verstehen, sondern als geschlossenes, räumliches Konzept, in dem Materialität, Ästhetik und performative Handlung ineinandergreifen. Dabei erscheint Queerness nicht als Thema, sondern als Prinzip. Geschlecht und Identität werden nicht als fixe Kategorien verhandelt, sondern als fluide Prozesse. Kleidung produziert Sichtbarkeit, ohne festzuschreiben, und ermöglicht Selbstinszenierung, ohne zu normieren. „Glumpert” eröffnet einen Safe Space, in dem Körper nicht bewertet oder erklärt werden müssen, sondern sich entfalten dürfen.

Zentrales Motiv der Kollektion ist die Schnecke – formal wie konzeptuell. Sie steht für Schutz, Langsamkeit und zyklisches Wachstum und verweist auf eine queere Zeitlichkeit jenseits von Leistungsdruck und linearer Optimierung. Ihre Spiralform, die auf dem Goldenen Schnitt basiert, bildet die Grundlage für das eigens entwickelte Zero-Waste-Draping-System. Dieses ermöglicht rekursive Größenerweiterungen ohne klassisches Maßnehmen.
Über ihre formale Qualität hinaus fungiert die Schnecke als Sinnbild für Fluidität, Entschleunigung und nicht-normative Lebensweisen. Identität erscheint hier als Prozess, der durch Bewegung und Haltung hervorgebracht wird.

Der Schutzraum von „Glumpert” ist untrennbar mit einem radikal nachhaltigen Materialverständnis verbunden. Peter Fellner arbeitet ausschließlich mit vorhandenen und oft übersehenen Textilien und Objekten, wie beispielsweise Stickbildern, Häkeldeckchen, Vorhängen oder Regenschirmen. Durch Upcycling und ein konsequentes Zero-Waste-System werden Ressourcen geschont, Abfall vermieden und Materialien in ihrem ursprünglichen und emotionalen Wert ernst genommen.

Die Ausstellung entfaltet sich als begehbare Installation jenseits des klassischen Laufstegs. Kleidung, Schnecken-Skulpturen, Film und Raum agieren gleichberechtigt miteinander. Die hybriden Figuren, die aus überformten Schaufensterpuppen gefertigt wurden, oszillieren zwischen Mensch und Schnecke und stellen normierte Schönheitsbilder zur Diskussion.
Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Modefilm, der in Zusammenarbeit mit der Künstlerin und Fotografin Anna Breit realisiert wurde. Ihre Bildwelten verschmelzen darin mit KI-basiertem Morphing, illustrativen Elementen und einem Sounddesign, das industrielle und organische Klänge vereint.

Die Schau ist mehr als eine Modeausstellung. Die Arbeit versteht sich als Gegenentwurf zu einer Industrie, die auf Tempo, Normierung und Ausschluss setzt. Peter Fellner schafft Räume, in denen marginalisierte Materialien und Identitäten sichtbar werden. Kleidung wird so zum Medium der Selbstermächtigung und Mode zum politischen und poetischen Statement.

Peter Fellner, 1997 in Linz geboren, sammelte Ausbildung und Erfahrung in internationalen Ateliers, unter anderem bei Vivienne Westwood und Andreas Kronthaler in London sowie bei Melitta Baumeister in New York. Sein Studium „Fashion & Technology” an der Kunstuniversität Linz legte den Grundstein für eine Arbeitsweise, in der Design, Theorie und Materialethik untrennbar verbunden sind.

Peter Fellner
„Glumpert”
Mode als Safe Space, nachhaltige Praxis und queere Haltung
Bis zum 13.09.26