8. Mai 2009 - 3:36 / Ausstellung / Ethno 
25. Januar 2009 10. Mai 2009

Wer an afrikanische Kunst denkt, dem werden die reichen Kulturen West -und Zentralafrikas zuerst ins Gedächtnis kommen. Viel weniger bekannt sind die Kultobjekte Ostafrikas, die wegen ihrer Schlichtheit oft unterschätzt werden. Tansania, dieser junge Staat, der erst 1964 durch die Zusammenlegung Tanganjikas und Sansibars entstanden war, ist die Heimat von mehr als 20 Volksgruppen, deren religiöses Weltbild sich in unterschiedlichster Weise manifestiert.

Diesen Ethnien ist eines gemeinsam: Ihre materielle Kultur, die aus Ahnenfiguren, Götterdarstellungen und einer Vielzahl von Fetisch- und Zauberfiguren besteht, ist im Vergleich zur westafrikanischen sehr reduziert und schmucklos. Es mag wohl sein, dass diese archaischen Formen den europäischen Sammlerwünschen in der Vergangenheit nicht immer gerecht wurden. Erst der ethnographische Zugang, der ohne eine europäisch verstandene Ästhetik auskommt, hat diese Objekte erschlossen. Wer sich frei machen kann von der Schönheit vertrauter Formen, wer auch in der derben, aus einer Astgabel geformten Figur etwas Spannendes entdecken kann, der wird in dieser Schau auf seine Rechnung kommen. Dabei gilt es zu betonen, dass Ritualkunst zweckgebunden ist, sie folgt den Gesetzen der Religionen und den Erfordernissen der Kulte. Das Bedürfnis nach Schönheit ist im diesem Rahmen sekundär, allenfalls ist es eine Schönheit, die dem Zweck dient und sich den kulturellen Notwendigkeiten unterordnet.

Ralf Schulte-Bahrenberg, der Sammler dessen Exponate Anlass zu dieser Ausstellung waren, ist in Europa kein unbekannter. Er war, lange bevor ihn die Sammelleidenschaft vereinnahmte, im Musikbusiness tätig. Er veranstaltete die Berliner Jazztage und produzierte mit Joachim Ernst Berendt Tonaufnahmen von historischer Tragweite. Er gehört zu diesen immer seltener werden Privatgelehrten, die über ihre Domäne hinaus auch andere Kulturformen entdecken und fördern. So entstand eine Afrikasammlung von hoher Qualität, auf einem Gebiet auf das sich bisher nur wenige vorwagten. Die überwiegend kleinen Exponate wurden mit Kultobjekten großer Dimensionen ergänzt. Diese stammen von dem deutschen Sammler und Schlossbesitzer Joe Späth, der sie aus berühmten Sammlungen erworben hat. Resümierend wird der Betrachter erkennen, dass sich auch die sperrigsten Exponate dem Suchenden erschließen, wenn dieser seiner Neugierde Platz gibt und alte Sehgewohnheiten für kurze Zeit vergisst.


Tansania im Haus der Völker
25. Januar bis 10. Mai 2009

Museum der Völker
St. Martin 16
A - 6130 Schwaz

T: 0043 (0)5242 6609-0
F: 0043 (0)5242 6609-1
E: info@museumdervoelker.at
W: http://www.museumdervoelker.com/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  25. Januar 2009 10. Mai 2009 /
6934-6934makondeteufelsmaskeoderhasenmaske.jpg
Teufels- oder Hasenmaske, Makonde
6934-6934oestlichestansaniaechse.jpg
Echse, östliches Tansania
6934-6934rungustoffmaskeperlenbestickt.jpg
Perlenbestickte Stoffmaske, Rungu