Glanzstücke – MAK-Sammlung im Dialog mit der Juwelierkunst von Van Cleef & Arpels

Die Ausstellung „Glanzstücke. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection“ präsentiert herausragende und selten gezeigte Objekte aus allen Bereichen der bedeutenden MAK-Sammlung im Dialog mit Juwelierkunst aus der 120-jährigen Geschichte des Pariser Traditionsunternehmens für Haute Joaillerie Van Cleef & Arpels.

Das Projekt ist das Resultat einer intensiven Zusammenarbeit und eines inspirierenden Austauschs der beiden Institutionen, die ihre gemeinsame Begeisterung für herausragendes Design, außergewöhnliche Handwerkskunst und visionäre Ideen zusammengeführt hat. Der Leitgedanke der Exzellenz wird in dieser einzigartigen Ausstellungskooperation durch etwa 500 Exponate in sechs Kapiteln veranschaulicht.

Das Unternehmen Van Cleef & Arpels wurde 1906 am Pariser Place Vendôme von Alfred Van Cleef und Esther (bekannt als Estelle) Arpels gegründet. Die Geburtsstunde des MAK fällt in das Jahr 1863, als es als zweitältestes Museum für angewandte Kunst der Welt gegründet wurde. Es spannt den Bogen von Design, Architektur und Mode bis hin zur zeitgenössischen Kunst und steht für eine produktive Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

In der Ausstellung „Glanzstücke” treffen berühmte Sammlungsobjekte des MAK – von mittelalterlichen Textilien bis hin zu den genialen Entwürfen der Wiener Werkstätte – auf Meisterwerke der Patrimonial Collection von Van Cleef & Arpels. Diese umfasst mehr als 3.000 Haute-Joaillerie- und Schmuckkreationen sowie Uhren und Preziosen. Die in den 1970er Jahren initiierte Sammlung dokumentiert die stilistische und handwerkliche Entwicklung des Hauses von der Gründung bis heute. Jacques Arpels begann mit dem Rückkauf historischer Schmuckstücke, die exemplarisch für den Stil von Van Cleef & Arpels stehen, und sicherte sie so für zukünftige Generationen.

Bei der Auswahl der Exponate – ca. 300 aus der Sammlung Van Cleef & Arpels und ca. 200 aus der Sammlung des MAK – haben sich sechs Themenkreise herauskristallisiert: Fernweh, Architektur, Rhythmus, Bühne frei!, Metamorphose und Natur & Kosmos.

Die vom Atelier Tsuyoshi Tane (ATTA) konzipierte Szenografie erschließt diese Themen in Form eines Labyrinths und führt eindrücklich durch den Dialog, der überraschende Parallelen offenbart.

Der Parcours startet mit Objekten, die von Reisen inspiriert sind. So entwarf Van Cleef & Arpels im Jahr 1906 ein maßstabsgetreues Modell der Segelyacht Varuna. Diese aus Gold, Silber und Jaspis gefertigte Kreation vermittelt mit ihren kostbaren Materialien einen Eindruck von Bewegung und birgt eine besondere Funktion: Im Schornstein ist eine elektrische Dienstbotenklingel integriert.

Der Yacht Varuna wird der sogenannte Portugiesen-Teppich (frühes 17. Jahrhundert) aus dem MAK gegenübergestellt. Die weltberühmte Teppichsammlung des Museums enthält seltene Knüpfteppiche aus dem Besitz des österreichischen Kaiserhauses. Der sehr gut erhaltene „Portugiesen-Teppich” aus Zentralasien zeigt Schiffe mit europäisch gekleideten Passagieren, die von Seeungeheuern umgeben auf rauer See fahren. Vermutlich wurde er für eine Klientel in Portugal oder für portugiesische Kolonien in Indien produziert.

Die nächste Etappe lenkt den Blick auf die Schönheit architektonischer Formen und skulpturaler Elemente. Ein neuer Fokus auf Funktionalität zeigt sich an der 1933 von Van Cleef & Arpels patentierten Minaudière. Die Besonderheit dieses verfeinerten Necessaires liegt in seiner raffinierten Innenaufteilung: Es enthält einzelne Fächer zur Aufbewahrung persönlicher Gegenstände wie Puder, Uhr, Feuerzeug oder Lippenstift. Das zurückhaltende und zugleich raffinierte Design ähnelt einem Briefumschlag und steht sinnbildlich für die modernistische Bewegung der 1930er Jahre.

Beeindruckende Details finden sich auch bei einem klassizistischen Spieltisch (1775) des berühmten Ebenisten David Roentgen aus der MAK-Sammlung. Er ist mehrfach aufklappbar und enthält Spielfelder für Kartenspiele, Schach und Backgammon. Die oberste Tischplatte mit Chinoiserie aus exotischen Holzsorten ist ein besonders eindrückliches Beispiel dafür, wie Roentgen mit Holz zu „malen“ wusste.

Das Kapitel „Rhythmus” legt den Fokus auf geometrische Stoffmuster aus der MAK-Sammlung und dynamisch-strukturelle Kreationen von Van Cleef & Arpels. Zu den hier gezeigten Exponaten zählen die Ende der 1930er Jahre kreierten Silhouette Flower Clips. Sie demonstrieren die formale Stilisierung des späten Art Déco und interpretieren das Blumenmotiv im Einklang mit den modernistischen Prinzipien neu. Als Vorreiterin des Art Déco kann die Wiener Werkstätte (WW) gelten, die bereits um 1900 eine radikal reduzierte Formensprache entwickelt hat. Das MAK verwahrt das Archiv der WW mit Tausenden von Entwürfen und Stoffmustern, die das Thema Rhythmus meisterhaft veranschaulichen können.

Die vierte Station ist der Bühne gewidmet und erzählt von klassischen Wiener Themen wie Oper, Tanz und Musik. Wien entwickelte sich im 19. Jahrhundert, insbesondere durch den Wiener Kongress 1815, zum Zentrum der Ballkultur. Aus dieser Zeit ist im MAK ein Ballkleid aus weißer Seide mit aufwändiger plastischer Silberstickerei erhalten.

Über ein Jahrhundert später, im Kontext des Zweiten Weltkriegs, traten weibliche Figuren – Feen und Tänzerinnen – ins Repertoire von Van Cleef & Arpels ein. Sie verbreiteten eine Atmosphäre von Poesie und Hoffnung. Exemplarisch für das zauberhafte Universum des Hauses stehen Feenwesen wie im Clip „Little Winged Fairy”.

In der Ausstellung „Metamorphose“ geht es um Neuinterpretation und Wandelbarkeit als Qualitäten von Design. Ein Paravent von Koloman Moser aus dem Jahr 1906 und das Collier Zip, das sich in ein Armband verwandeln lässt und 1938 als innovative Kreation von Van Cleef & Arpels patentiert wurde, sind zwei Höhepunkte der Ausstellung.

„Zip” ist von den Reißverschlüssen von Fliegeranzügen inspiriert. Diese wurden bereits in den 1920er Jahren von Modeschöpfer:innen aufgegriffen, bevor sie in den 1930er Jahren durch Kreationen von Elsa Schiaparelli Furore machten. Die Ikonografie des Colliers Zip, das erstmals in den 1950er Jahren gefertigt wurde, ist der Welt der Mode entlehnt, die eine bedeutende Inspirationsquelle für Van Cleef & Arpels darstellt. Koloman Mosers effektvoll mit Blattgold und Collagen ornamentierter Paravent erzählt wiederum viel von den japanischen Einflüssen und deren Transformation zur Zeit der Wiener Moderne.

Die Ausstellung schließt mit einer Hommage an die Schönheit der Natur und des Universums und verdeutlicht Flora, Fauna und Kosmos als kontinuierliche Themen beider Sammlungen. Der Clip „Chrysanthemum” (1937) präsentiert das „Mystery Set”, eine 1933 von Van Cleef & Arpels patentierte Technik, bei der Edelsteine so in eine Goldfassung eingesetzt werden, dass diese unsichtbar bleibt. Das 1936 weiterentwickelte Patent ermöglicht komplexere Designs, was in dieser Kreation gut zum Ausdruck kommt: Sie fängt das Aufblühen der Blume ein und lässt deren Textur und Nuancen lebendig werden.

Auch eine Armillarsphäre aus dem Jahr 1553 in der MAK-Sammlung vereint Ästhetik und Technik auf bemerkenswerte Weise. Ihre drehbaren Metallringe veranschaulichen die Bewegungen der Himmelskörper und dienen der Messung von Himmelskoordinaten. In das äußere Band sind kunstvolle Tierkreisbilder eingraviert.

Glanzstücke
Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection
bis 27.09.2026