10. Februar 2010 - 2:52 / Archiv / Architektur 

Die Ausstellung "Wohnwelten. Gewebte Gärten und gemalte Blumen – paradiesische Innenansichten syrischer Hofhäuser" im Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum geht zwei Fragen nach: wie lassen sich Objekte der Islamischen Kunst im lebensweltlichen Kontext verstehen und bieten dem Forscher oder dem Besucher einen Zugang zur Sammlung? Und in welchem Spannungsverhältnis stehen unterschiedliche Lebenswelten städtischer und ländlicher Bevölkerung heutiger und damaliger Wohnarchitektur?

Die Kluft zwischen Land und Stadt ist auch hinsichtlich der verschiedenen Geschwindigkeiten kultureller Entwicklungen interessant. Aleppiner oder Damaszener Eliten zeigen sich im 19. und 20. Jahrhundert in ihren Wohnhäusern modern und nach Europa gewandt. Die ländliche Bevölkerung in Nordostsyrien, die erst seit ungefähr 100 Jahren sesshaft geworden ist, hingegen versucht ihre nomadische Traditionen und die Einflüsse der städtischen Wohnkultur aufzunehmen und den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Exemplarische und Experiment sollen Objekte aus der Sammlung des Museums, die aus Wohnhäusern stammen, mit Bildern dieser Wohnhäuser konfrontiert werden.

Selten nur zeigt sich dem fremden Besucher das Innere der syrischen Wohnhäuser, die baumbestandenen Höfe mit ihren dekorierten Fassaden, in denen sich die Bewohner Oasen der Ruhe geschaffen haben. Formenreichtum und ausgefeilte Ästhetik prägen die hohe Qualität syrischer Wohnwelten. Anhand ausgewählter Luxusobjekte – von der osmanischen Zeit bis heute –, wie Teppichen, Fayencen, einem Marmorspringbrunnen, aber auch einem Bettzeugstapel, lässt sich dies erspüren. Diese Einrichtungsgegenstände werden durch eine Fotodokumentation traditioneller Wohnhäuser in ihrem alltäglichen Lebenszusammenhang gezeigt. Dabei wird historische Kontinuität sichtbar: Häufig gehen die Stadtgrundrisse wie auch die Wasserversorgung auf antike Wurzeln zurück. Die bauliche Anlage des Hofhauses findet man seit altorientalischer Zeit, der Iwan – jener große überdachte, zum Hof hin offene Raum – stammt aus dem vorislamischen Persien.

Doch wie wurden diese Räume genutzt, wie waren sie "bespielt"? Dieser Frage widmet sich die Ausstellung mit einem Konzert verschiedener, aufeinander abgestimmter Elemente wie Wasser (Geräusch), Garten (Fülle) aber auch von Objekten wie Teppichen, Fayencen und Luxusgegenständen, die wir aus den Depots des Museums und aus der Nachlassforschung zu Häusern kennen. Objekte in der Dauerausstellung werden dabei mit einbezogen: Etwa drei Viertel des Sammlungsbestandes des Museums für Islamische Kunst - seien es Stuckdekor, Keramikgefäße oder das berühmte Aleppozimmer - stammen aus Wohnhäusern.

Die reiche Architekturtradition orientalischer Wohnhäuser mit ihren Innenhöfen und oft prachtvoll gestalteten Empfangsräumen ist das Thema der 16 Fototafeln, die sich zum einen auf die Weltkulturerbe-Städte Damaskus und Aleppo, zum anderen auf die bislang weitgehend unbekannte Architektur der ländlichen Regionen im Nordosten und im Mittelwesten Syriens konzentriert.

Wohnwelten. Gewebte Gärten und gemalte Blumen –
paradiesische Innenansichten syrischer Hofhäuser

18. Dezember 2009 bis 14. Februar 2010

Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum
Eingang: Am Kupfergraben, D 10117 Berlin-Mitte

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mo, Di + Mi 10 Uhr – 18 Uhr
Donnerstag 10 Uhr – 22 Uhr
Fr, Sa + So 10 Uhr – 18 Uhr



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Damaskus; Haus Marie al-?Ajami, heute Haus Chatta, Empfangsraum. © Foto: Ikhlas Abbis, 2008
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Damaskus; Haus Marie al-?Ajami, heute Haus Chatta, Innenhof. © Foto: Ikhlas Abbis, 2008
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Damaskus; Haus / Palast As?ad Pascha al-?Azm, 1830/40, Empfangsraum. © Foto: Stefan Weber, 1998
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Damaskus; Haus Mardam Bey, Innenhof und Iwan. © Foto: Karin Pütt, 2008