15. April 2008 - 4:35 / Walter Gasperi / Filmriss
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Zuerst fällt Neale Walsh tief, doch dann spricht Gott zu ihm. Als er aus diesen tröstenden Worten des Allerhöchsten ein Buch macht, steigt Walsh zum gefeierten Bestseller-Autor auf. – Unglaublich flach und plakativ inszeniert und platteste Phrasen in Hülle und Fülle dreschend dürfte Stephen Simons Bestseller-Verfilmung nichtsdestotrotz durch seinen tröstenden Charakter seine Anhänger finden.

Auf die Lesung aus seinem Bestseller "Gespräche mit Gott" folgt das obligate Publikumsgespräch, in dem die Zuhörer dem Autor für sein Buch, das sie gelehrt hat wirklich zu leben, danken. In billigstem Schuss-Gegenschussverfahren ist das inszeniert und die Zuhörer bleiben gesichtslos, dienen einzig als Funktionsträger, um das Interesse des Zuschauers an Walsch und seinem Buch zu wecken.

Dass eine Rückblende, die über den Lebensweg des gefeierten Autors informiert, folgen muss, ergibt sich aus diesem Einstieg von selbst. Ganz unten sind wir da im Jahr 1990 auch gleich, denn nach einem Autounfall verliert Walsh nicht nur seinen Job, sondern findet, da er stets eine Halskrause tragen muss, auch keinen neuen. Bald landet er so als Obdachloser auf einem Campingplatz, lebt vom Sammeln von Plastikdosen, durchwühlt die Mülleimer nach Essbarem, findet in ein paar Leidensgenossen aber auch neue Freunde. – Dass sich der Zuschauer freilich um Walsch letztlich nicht sorgen muss, vermittelt mehrere Zwischenschnitte zu Lesungen, die ihn wieder als erfolgreichen Autor zeigen, und auch das Dasein als Penner an sich wird in warmem Licht und Farben ausgesprochen weichgespült geschildert. – Kein harter Blick auf eine traurige Realität, sondern ein zutiefst verlogener, da man dem Publikum ja nichts wirklich Negatives zumuten will.

Die Wende in Walshs Leben bringt ein Job bei einem lokalen Radiosender als DJ. Der Sender geht zwar bald pleite, aber Walsch landet dennoch nicht wieder bei den Obdachlosen, sondern bezieht ein ordentliches Haus und beginnt, nachdem eines Nachts Gott zu ihm gesprochen hat, diese Eingebungen zu einem Buch zusammenzufassen. – Wie sich Walsch seine Unterkunft leisten kann, bleibt ebenso unklar, wie die Frage, wieso er nun plötzlich keine Halskrause mehr braucht.

Zwar gibt "Gespräche mit Gott" vor ein spiritueller Film zu sein und wurde auch von "The Spiritual Cinema Circle" produziert, doch im Grunde wird nur eine typische amerikanische Erfolgsstory – hier freilich mit plattesten Mitteln - erzählt: Aus dem Dreck steigt hier einer auf zu materiellem Erfolg – wobei der Film andererseits ja interessanterweise wieder die Bedeutung des Materiellen und des Ruhms negiert und den Wert von Liebe und Überwindung von Angst und Zweifel herausstreicht.

Erzählt wird freilich nicht von dieser Selbstfindung, sie wird einzig in den eingeschnittenen Vorträgen von Walsch deklamiert. Die Bilder und die erzählte Geschichte sind hier nur der Vorwand, um die Botschaft an die Frau und den Mann zu bringen. Viel zu eben verläuft nämlich die Entwicklungsgeschichte, alle Ecken und Kanten werden vermieden, sodass auch der von Henry Czerny farblos gespielte Neale Walsch nie zu einem faszinierenden Charakter wird. Ganz zu schweigen von den Nebenfiguren, die auf bloße Stichwortgeber reduziert bleiben.

Ein Volkshochschulkurs auf dem geistigen Niveau eines Vortrags für Kindergärtner ist dieser Film, denn eine so platte Antwort auf die Frage, warum Gott Leid zulässt, oder ein so billiges Versprechen von Heil, Erlösung und Zufriedenheit wurde im Kino schon lange nicht mehr verkündet. – Und dennoch dürfte der Film gerade wegen dieser mit sentimentaler Musik und kitschigen 08/15 Plotpoints vorgetragenen Botschaft nicht eben ein geringes Publikum finden. – "Gespräche mit Gott" ist Kino als Religionsersatz, nur viel verlogener, viel vereinfachender als jede Religion.

Läuft derzeit im Metrokino Bregenz, morgen (Mittwoch, 16.4.) im Kino Madlen in Heerbrugg und demnächst in der Kinothek Lustenau

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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