10. Juli 2019 - 7:55 / Ausstellung / Malerei  / Reminder
5. April 2019 29. Juli 2019

Mit ihren Porträts und Selbstbildnissen verlieh Lotte Laserstein dem modernen Leben der Weimarer Republik ein Gesicht. Parallel zu ihrer Ausstellung in der Berlinischen Galerie zeigen wir aus unserer Sammlung rund dreißig weitere Porträts und Selbst­ bildnisse von Künstlerinnen, die in den zwanziger und dreißiger Jahren wie Laserstein in Berlin lebten und arbeiteten. Neben bekannten Namen wie Otto Dix, George Grosz, Conrad Felixmüller oder Jeanne Mammen sind Künstlerinnen zu entdecken, die heute weitgehend vergessen sind. Einige waren in ihrer Zeit sehr bekannt, beeinflussten die Berliner Kunstszene und verkauften gut. Die Sammlung der Berlinischen Galerie bewahrt eine große Zahl an Werken aus den Goldenen Zwanziger Jahren. Den Werken von Laserstein entsprechend, liegt der Fokus auf realistischen, naturalistischen, neusachlichen, in Ausnahmen auch expressiven Porträts.

In den 1920er Jahren lebte das Genre Porträt in der Bildenden Kunst noch einmal auf. Viele der hier ausgestellten Malerinnen porträtierten ihre Kinder, Künstlerkolleginnen, ihre Geliebten oder sich selbst in Situationen privater Vertrautheit. Sie legten das Gewicht auf ihre persönliche Wahr­nehmung. Die Bilder verraten daher nicht nur etwas über die dargestellten Personen. Auch die Art der Beziehung zwischen Maler*in und Modell ist in vielen Fällen ablesbar oder sogar Thema. Nicht zuletzt kann sich auch das jeweilige malerische Interesse in privaten Bildnissen oder Selbstporträts freier entfalten als in Auftragswerken.

Einige der Arbeiten, die hier zu sehen sind, waren noch nie ausgestellt. In der Gesamt­ schau werfen sie ein Schlaglicht auf die lebendige Kunstszene der Weimarer Republik. Mit der Macht­ übernahme der Nationalsozialisten 1933 und ihren brutalen Repressionen, unter anderem gegen Menschen jüdischer Herkunft, politisch Andersdenk­ ende und die Avantgarde, fand diese kulturelle Viel­ falt ein Ende. Zahllose Künstlerinnen wurden verfolgt, ihre Werke für entartet erklärt. Sie sahen sich gezwungen, sich in die Isolation zurückzu­ ziehen oder, wie Lotte Laserstein, Deutschland zu ver­lassen. Vielversprechende Karrieren fanden so ein jähes Ende. Nur wenigen Künstlerinnen gelang es nach dem Krieg, an die früheren Erfolge anzuknüpfen.

Gesichter der Zwanziger Jahre
5. April bis 29. Juli 2019

Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128
D - 10969 Berlin-Kreuzberg

W: http://www.berlinischegalerie.de

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  5. April 2019 29. Juli 2019 /
Emil Orlik, Bildnis des Malers Joachim Rágóczy, um 1926, Repro: Kai-Annett Becker
Emil Orlik, Bildnis des Malers Joachim Rágóczy, um 1926, Repro: Kai-Annett Becker
Manfred Hirzel, Portrait Rosi Mein II, 1929, Repro: Kai-Annett Becker
Manfred Hirzel, Portrait Rosi Mein II, 1929, Repro: Kai-Annett Becker
Otto Herbig, Mädchen vor Vase mit Blumenzweigen, 1946, © Fridolin Frenzel Repro: Kai-Annett Becker
Otto Herbig, Mädchen vor Vase mit Blumenzweigen, 1946, © Fridolin Frenzel Repro: Kai-Annett Becker
Richard Ziegler, Knabe im Sandkasten, 1926, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Repro: Kai-Annett Becker
Richard Ziegler, Knabe im Sandkasten, 1926, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Repro: Kai-Annett Becker