Nach vier prägenden Jahren verabschiedet sich Direktorin Letizia Ragaglia Ende 2025, ab dem 1. Januar 2026 übernimmt Christiane Meyer-Stoll die Direktion. Im Fokus des Ausstellungsprogramms 2026 stehen grundlegende gesellschaftliche Fragen, insbesondere solche, die sich mit Geschichte, Erinnerung und den Bedingungen unseres Handelns auseinandersetzen. Zugleich durchzieht das Programm ein feiner, meist selbstreflexiver Humor, der komplexe Themen auf zugängliche Weise präsentiert und dazu einlädt, neue Formen des Erzählerischen und des Performativen zu entdecken.
Den Auftakt des Ausstellungsprogramms 2026 bildet ab dem 6. Februar das Schweizer Künstlerkollektiv „Relax“ (Chiarenza & Hauser & Co.): Ihre Frage „What do we want to keep?“ regt dazu an, über den verantwortungsvollen Umgang mit unserer Vergangenheit angesichts tiefgreifender Umbrüche und die gemeinsame Gestaltung der Zukunft nachzudenken. Mit ihren Werken formulieren „Relax” elementare gesellschaftliche Fragen, die programmatisch als „What is wealth?”, „Who pays?” und „Is justice justice?” betitelt sind.
Eleanor Antin (Eine Retrospektive, 27. März bis 27. September 2026) schlüpft in verschiedene Rollen – den König, die Ballerina, die Krankenschwester – und thematisiert bereits früh das fluide Selbst. Sie versteht Geschichte nicht als abgeschlossenes Narrativ, sondern als etwas, das aus der Gegenwart heraus stets neu gelesen wird. Mit subtilem Humor beleuchtet sie Identität, Geschichte, soziale Strukturen und existenzielle Fragen. Ihre Figuren, die oft vom Scheitern gezeichnet sind, wirken zutiefst menschlich, kraftvoll und entlarven vertraute Klischees.
Das „kollabor” für Kinder im Seitenlichtsaal wird auf die Altersgruppe 0–12 Jahre erweitert. In der Installation „CacchHo CucchhA” von Mercedes Azpilicueta (3. Mai – 22. November 2026) stehen Bewegung und Klang im Zentrum. Kostüme, Klangobjekte und textile Elemente, die von Elementen der Natur, Tierfabeln, Migrationsnarrativen und Körperwissen inspiriert sind, können gespielt, getragen oder verändert werden.
Die Künstlerin, Schriftstellerin und zentrale Stimme bei der Aufarbeitung des künstlerischen Erbes des Landes, Evi Kliemand, wird 80 Jahre alt. Ihrem Werk ist eine Einzelausstellung in der Reihe „Im Kontext der Sammlung” gewidmet: „Übers Wasser gehen” ist vom 4. September 2026 bis zum 10. Januar 2027 zu sehen und beleuchtet die unterschiedlichen Facetten ihres breitgefächerten Schaffens.
Anna Jermolaewa, Mitbegründerin der ersten Oppositionspartei in der Sowjetunion, wurde wegen antisowjetischer Agitation und Propaganda verfolgt und floh 1989 nach Österreich, wo sie politisches Asyl erhielt. Das Kunstmuseum widmet ihr die Einzelausstellung „Radical Hope” (23. Oktober 2026 – 29. März 2027). In ihren Werken reflektiert sie soziale und politische Realitäten und untersucht, wie Erinnerung und gesellschaftliche Bedingungen das Handeln des Einzelnen in repressiven Systemen beeinflussen. Dabei ist ihr Blick auch von einem liebevollen Humor geprägt.
Direktorin Christiane Meyer-Stoll möchte Kunst als Resonanzraum gesellschaftlicher Selbstbefragung sichtbar machen: als Ort, an dem wir Komplexität nicht reduzieren, sondern gemeinsam aushalten, verhandeln und neu denken können. Ein Ort, der unsere Sinne öffnet, der Freude zulässt und in dem auch Humor seinen Platz hat. Das Programm 2026 wird durch die bereichernde Partnerschaft mit der Hilti Art Foundation erweitert.