6. August 2008 - 3:52 / Ausstellung / Archiv 
1. Juni 2008 10. August 2008

Die Arbeit des dänischen Künstlers FOS (geb. 1971) bewegt sich auf der Grenze zwischen autonomem Kunstwerk und anwendbarem Design. Er sagt von sich, dass er "soziale Interaktion als Material" benutze "wie Farbe oder einen Brocken Ton". Seit 1999 fasst er seinen künstlerischen Ansatz unter der Bezeichnung "social design" zusammen. Social design bezeichnet dabei ein Vorgehen, das in den physisch fassbaren, vorgefundenen Raum, dessen architektonische Umgebung und Ausgestaltung eingreift, um die scheinbar festgelegten Bedeutungen wieder zu öffnen, die wir ihm über derartige Komponenten zuschreiben.

Mittels Objekten, groß angelegten Installationen, Mode-, Grafik- und Interior-Design, Performances, Musik und Vorträgen kreiert FOS Settings, so genannte "platforms", in denen Menschen in soziale Beziehungen zueinander treten. Mit anderen Worten: FOS nutzt den Kunstraum eher als Transformationsmedium für (soziale) Situationen denn als Ausstellungsraum von Kunstwerken im herkömmlichen Sinn. Gleichzeitig geht es ihm aber nicht darum, die Gesellschaft im Beuysschen Sinn als Kunstraum auszurufen, sondern er sucht vielmehr, gesellschaftliche Muster in den Ausstellungszusammenhang hineinzutragen. Nicht: "Jeder Mensch ein Künstler", sondern: "Alles potentiell Kunst".

Das meint im Umkehrschluss jedoch nicht, dass künstlerisches Objekt oder Ästhetik des Designs bei FOS eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr sieht er jedes Element als Kommunikator und Mitspieler innerhalb eines Prozesses. In FOS’ social design übernimmt jeder Part Verantwortung in einem Zusammenspiel der einzelnen Teile, das als Endziel Vielfalt und Enthierarchisierung proklamiert. Konkret kann das bedeuten, dass er Abfall der Frieze Kunstmesse in London – Papier, Lupo-Folie, Klebeband, Bestandteile von Kojenwänden, Plastikfolie, Holzlatten etc. – in den kommerziellen Kunstraum zurückführt, indem er ihn in einen funktionierenden Eisverkaufsstand innerhalb des Messezusammenhangs transformiert (The Storage of Frieze Art Fair Made into an Ice Cream Stand, 2004).

Oder die Uniformen für das Führungspersonal der Busan Biennale entwirft (The System Is Loose I Think I Love You, 2006). Oder kurz vor dem Eintritt Lettlands in die EU als Beitrag der Skulpturen-Biennale in Riga einen Obst- und Gemüsestand für den örtlichen Wochenmarkt in Europa-Blau beisteuert (Fruit Stand for Two Vendors, 2004). Oder auch in Kooperation mit dem Künstler Kenneth Balfelt Schlafsäle und Aufenthaltsräume für ein Obdachlosenheim in Kopenhagen entwickelt (Radical Horizontality, 2003-2007).

In seiner ersten institutionellen Einzelausstellung überhaupt wird FOS in der GAK ein groß angelegtes, überaus facettenreiches Projekt realisieren: Ein Kuriositätenkabinett. Dieses Thema versinnbildlicht den künstlerischen Ansatz von FOS dahingegen, als das Kuriositätenkabinett (dessen große europäische Blütezeit zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert lag) immer auch Prestigeobjekt von Monarchen und Gelehrten und damit Ausdruck gesellschaftlicher Befindlichkeiten war. Auf diese Weise werden zwei Aspekte angedeutet, die FOS in ihrer Wechselwirkung in seinen Arbeiten immer wieder untersucht: Macht und visuelle Gestaltung.

Außerdem stehen das Kuriositätenkabinett und der künstlerische Ansatz von FOS gleichermaßen für ein Verweilen der Dinge zwischen allen festlegenden Kategorien. Für Kuriositätenkabinett verteilt er fünf seiner platforms über den gesamten Ausstellungsraum und verwandelt die GAK in ein Raumlabyrinth aus halbtransparenten, farbigen Zelten, puzzleartigen Bühnen, einer sich in den Außenraum verzweigenden Rohrkonstruktion, Objekten und Wandmalereien, das sich allen einordnenden Kategorien entzieht. Die so entstandene Situation ist atmosphärischer Rahmen für Veranstaltungen unterschiedlicher Formate als auch autonome und somit außerhalb einer Funktionsbestimmung stehende Kunstsprache in einem. Als weiteren Bestandteil der Ausstellung wird FOS darüber hinaus den Eingangsbereich der GAK als permanente Installation zu einem Raum des Verweilens, der Information und der Kommunikation umgestalten.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einer ausführlichen Bilddokumentation der Ausstellung in der GAK sowie einem Gespräch zwischen FOS und Janneke de Vries.

FOS. Kuriositätenkabinett
1. Juni bis 10. August 2008

Gesellschaft für Aktuelle Kunst
Teerhof 21
D - 28199 Bremen

T: 0049 (0)421 50 08 97
F: 0049 (0)421 59 33 37
E: office@gak-bremen.de
W: http://www.gak-bremen.de/

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