29. Oktober 2010 - 2:27 / Ausstellung / Sonstige 
22. Juli 2010 31. Oktober 2010

Über das Thema Rekonstruktion wird seit Jahren eine heftige Debatte geführt. Rekonstruiert wird jedoch seit der Antike, da zu allen Zeiten Bauten zerstört und bei Bedarf wieder errichtet wurden. Die Gründe für einen Wiederaufbau sind dabei sehr verschieden und das Verständnis sowie die Definition von "Wiederherstellung" wechselten. Ein Blick in die Geschichte und eine differenzierte Betrachtung der Begriffe könnten helfen, die Probleme und Argumente in einen größeren historischen Zusammenhang einzuordnen und so die gegenwärtige Diskussion etwas zu "ent-emotionalisieren".

Zur Ausbildung und Prägung eines "kulturellen Gedächtnisses" (Jan Assmann) spielen Bauten, als exponierte und jedem direkt vor Augen stehende Zeugnisse der Vergangenheit, von jeher eine besondere Rolle. Mit einer Rekonstruktion wird im bewussten Rückgriff der verlorene "Erinnerungsort" als wichtiger Träger unterschiedlichster Bedeutungen wiederhergestellt. Viele Rekonstruktionen waren nie umstritten – wie beispielsweise der Wiederaufbau des 1902 eingestürzten Campanile am Markusplatz in Venedig – andere wurden in die Geschichte des jeweiligen Gebäudes integriert und sind heute längst selbst wieder historische Dokumente.

In der Ausstellung werden anhand von 85 repräsentativen Fallbeispielen sowie weiteren 200 Rekonstruktionen – von Japan bis Kanada und von der griechischen Antike bis heute – verschiedene Beweggründe für die Wiedergewinnung verlorener Bauten dargestellt und analysiert. Der Bogen spannt sich von Rekonstruktionen aus Gründen einer religiösen Kontinuität über nationale Motive bis hin zu Wiederaufbauten zur Erfüllung ästhetischer Vorstellungen oder kommerzieller Wünsche.

Die zeichnerischen Rekonstruktionen antiker Bauten von der Renaissance bis zur Gegenwart werden ebenso behandelt wie der von unseren westlichen Gewohnheiten völlig verschiedene Umgang mit historischer Bausubstanz im mittleren und fernen Osten. Modelle, Gemälde, Pläne, Fotos und Animationen geben einen umfassenden Einblick in ein spannendes Thema. Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation mit 16 Aufsätzen und einem Katalogteil von renommierten Wissenschaftlern.

Geschichte der Rekonstruktion - Konstruktion der Geschichte
22. Juli bis 31. Oktober 2010
Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne

Pinakothek der Moderne
Kunstareal, Barer Str. 40
D - 80799 München

T: 0049 (0)89 23805-360
F: 0049 (0)89 23805-125
E: info@pinakothek.de
W: http://www.pinakothek.de/

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Campanile von San Marco in Venedig nach dem Einsturz 1902. © Aus: L'illustrazione Italiana vom 20.7.1902
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Campanile von San Marco in Venedig nach der Wiederherstellung 1912. © Foto: Carola Jäggi, 2006
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Marktplatz von Warschau, Ansicht nach der Zerstörung 1944. © Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek; Foto: 1945
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Marktplatz von Warschau, Ansicht nach der Wiederherstellung 1953. © Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek; Foto: 1958
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San Paolo fuori le mura in Rom, Innenraum gegen den Chor nach der Zerstörung, Kupferstich von Luigi Rossini, 1823. © Architekturmuseum der TU München
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San Paolo fuori le mura in Rom, Innenraum gegen den Chor nach der Wiederherstellung, nach 1854. © Architekturmuseum der TU München