19. Januar 2020 - 5:05 / Film / Retrospektive 
22. Januar 2020 13. Februar 2020

Mit seinen klugen und eigensinnigen Filmen ist der Autor und Regisseur Gerd Kroske eine zentrale Stimme des deutschen Dokumentarfilms der Gegenwart. In konsequenter künstlerischer Unabhängigkeit hat Kroske in den letzten 30 Jahren ein Werk realisiert, das sich in beziehungsreicher Weise sowohl mit dem Erbe der DDR als auch dem der BRD auseinandersetzt.

Kroskes Œuvre kann wie eine Chronik der jüngeren ost- und westdeutschen Geschichte gelesen werden, die beharrlich von den Geschichten der Marginalisierten ausgeht und diese als symptomatisch für größere Zusammenhänge versteht.

Kroske, 1958 in Dessau geboren, lernt sein filmisches Handwerk noch in der DDR: er studiert an der Humboldt Universität zu Berlin und der HFF in Potsdam-Babelsberg und arbeitet von 1987 bis 1991 als Dramaturg im DEFA-Dokumentarfilmstudio. Kroskes erste Filme entstehen in den Wendejahren 1989/90: sowohl der Kollektivfilm "Leipzig im Herbst" (1989) als auch sein Kurzfilm "Kehraus" (1990) zählen bis heute zu den besten Zeugnissen aus der Zeit der untergehenden DDR. In der Folge entwickelt Kroske aus "Kehraus" eine exemplarische Langzeitbeobachtung: in "Kehrein, Kehraus" (1997) und "Kehraus", wieder (2006) zeigt er präzise, wie sich der Alltag für jene gestaltet, die nach der „Wiedervereinigung“ keinen sinnvollen Platz mehr in der Gesellschaft finden.

Auch zu sehen ist u.a. Kroskes Hamburg-Trilogie, in der er der verdrängten NaziVergangenheit nachspürt: "Der Boxprinz" (2000) porträtiert den legendären Boxer, Kleinkriminellen und Selbstdarsteller Norbert Grupe; daraus entsteht "Wollis Paradies" (2007), ein rauer filmischer Hausbesuch beim einstigen Bordelier, Dichter und Maler Wolli Köhler; und führt zu "Heino Jäger – Look Before You Kuck" (2012), Kroskes wunderbarer Wiederentdeckung des völlig zu Unrecht vergessenen Universal-Künstlers Heino Jäger, der in der BRD als Satiriker und Radio-Star Kultstatus besaß. (Constantin Wulff, Navigaotr Film)

Filme

SPK Komplex R: Gerd Kroske, Deutschland, 2018, DCP, Farbe und sw, 116 min. Deutsch mit engl. UT
Grenzpunkt Beton R: Gerd Kroske, Deutschland, 2015, DCP, Farbe, 20 min. Deutsch
Striche ziehen R: Gerd Kroske, Deutschland, 2014, 35mm, Farbe, 96 min. Deutsch
Heino Jaeger – Look Before You Kuck R: Gerd, Deutschland, 2012, DCP, Farbe, 120 min. Deutsch
Wollis Paradies R: Gerd Kroske, Deutschland, 2008, DCP, Farbe, 60 min. Deutsch
Kehraus, wieder R: Gerd Kroske, Deutschland, 2006, 35mm, Farbe, 100 min. Deutsch
Der Boxprinz R: Gerd Kroske, Deutschland, 2000, 35mm, Farbe, 100 min. Deutsch
Kehrein, Kehraus R: Gerd Kroske, Deutschland, 1997, 35mm, sw, 70 min. Deutsch
Galera R: Gerd Kroske, Deutschland, 1997, 35mm, Farbe, 101 min. Deutsch
Vokzal – Bahnhof Brest R: Gerd Kroske, Deutschland, 1994, 35mm, sw, 91 min. Russ. mit engl. UT
Kurt – Oder Du sollst lachen R: Gerd Kroske, D, 1992, 16mm, Farbe und sw, 29 min. Deutsch
Kehraus R: Gerd Kroske, Deutschland, 1990, 35mm, sw, 30 min. Deutsch
Leipzig im Herbst R: Gerd Kroske und Andreas Voigt, DDR, 1989, 35mm, sw, 54 min. Deutsch

Gerd Kroske. Deutschlandbilder
22. Jänner bis 13. Februar 2020

Österreichisches Filmmuseum
Augustinerstrasse 1
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 533 7054
F: 0043 (0)1 533 7054-25
E: office@filmmuseum.at
W: http://www.filmmuseum.at/

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  •  22. Januar 2020 13. Februar 2020 /
Der Boxprinz, 2000 © Gerd Kroske
Der Boxprinz, 2000 © Gerd Kroske
Galera, 1997 © Gerd Kroske
Galera, 1997 © Gerd Kroske
Grenzpunkt Beton, 2015 © Gerd Kroske
Grenzpunkt Beton, 2015 © Gerd Kroske
Heino Jaeger – Look Before You Kuck, 2012 © Gerd Kroske
Heino Jaeger – Look Before You Kuck, 2012 © Gerd Kroske
Kehraus, 1990, © Gerd Kroske
Kehraus, 1990, © Gerd Kroske
Kehrein, Kehraus, 1997 © Gerd Kroske
Kehrein, Kehraus, 1997 © Gerd Kroske
Striche ziehen, 2014 © Gerd Kroske
Striche ziehen, 2014 © Gerd Kroske
Vokzal – Bahnhof Brest, 1994 © Gerd Kroske
Vokzal – Bahnhof Brest, 1994 © Gerd Kroske
Leipzig im Herbst, 1989 © Gerd Kroske und Andreas Voigt
Leipzig im Herbst, 1989 © Gerd Kroske und Andreas Voigt
© Gerd Kroske
© Gerd Kroske