Georg Loewit - „Protagonisten” im Blumenegger Skulpturenpark

Wenn Figuren den Rücken kehren und das Verborgene zur Bildsprache wird, dann ist Georg Loewit am Werk. Im Sommer 2026 bringt der Innsbrucker Bildhauer seine Werkreihe Protagonisten in den Blumenegger Skulpturenpark der Villa Falkenhorst in Thüringen.

„Protagonisten” ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Menschen in seiner alltäglichen Umgebung, mit Passant:innen, Reisenden und Betrachtenden. Es sind keine Helden und auch keine Porträts im klassischen Sinne: Loewits Skulpturen zeigen Menschen im Fluss ihrer Bewegungen, die aus fotografischen Momentaufnahmen zu zeitlosen Typen verdichtet wurden.
Das markanteste Merkmal ist die Rückenansicht. Was sich dem direkten Blick entzieht, rückt ins Zentrum. Der realistisch modellierte Rücken geht in eine abstrahierte Seitenlinie über, bis die Vorderseite schließlich zu einer vollkommen glatten Schnittfläche wird – ohne Gesichtszüge, ohne physiognomische Identität. Diese Leerstelle ist kein Fehlen, sondern eine Einladung: Sie wird zur Projektionsfläche für die Wahrnehmung des Publikums, zum Raum der Reflexion über den Einzelnen in der Masse, über Anonymität und gesellschaftliche Rollenbilder.
Ergänzt werden die plastischen Arbeiten durch Malereien, in denen extremes Licht, scharfe Schatten und klare Kompositionen alltägliche Szenen zu visuellen Protokollen gesellschaftlicher Dynamik verdichten. Die Architektur tritt zurück, monochrome Flächen lenken den Blick auf Bewegung, Haltung und Zwischenräume.
Wie der Kunst- und Kulturphilosoph Bernhard Braun schreibt, fügt sich Loewit mit seiner Werkreihe in eine lange Tradition der Porträtkunst ein – von der idealisierten Typendarstellung der Antike bis zur physiognomischen Individualität der Renaissance. Doch Loewit kehrt die Sehgewohnheiten um. Er zeigt die Rückseite, das Verborgene, und stellt die Frage, ob ein Porträt auch ohne Gesicht auskommen kann. Seine Arbeiten sind soziologische Studien und ästhetische Experimente zugleich: Sie sind fein beobachtet, verzichten auf eine moralische Geste und verfügen über eine präzise Sensibilität für die Fragilität unserer Gegenwart.

Georg Loewit wurde 1959 in Innsbruck geboren und wuchs in Innsbruck, Wien und New York auf. Nach der HTL für Holz- und Steinbildhauerei in Innsbruck und einer Ausbildung zum Gürtler und Goldschmied studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München (Bildhauermeister) sowie Kunstpädagogik am Mozarteum Salzburg.
Als langjähriges Mitglied der Tiroler Künstlerschaft prägte er das kulturelle Profil Tirols wesentlich mit – als Mitbegründer des Künstlerhauses Büchsenhausen und als Gründungskurator der RLB-Kunstbrücke Innsbruck (1998–2002). Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen. Mehr als 150 Ausstellungen im In- und Ausland dokumentieren seine künstlerische Präsenz. Georg Loewit lebt und arbeitet in Innsbruck.

Seit vielen Jahren verwandelt der Blumenegger Skulpturenpark die Villa Falkenhorst und ihren weitläufigen Park jedes Jahr neu. Namhafte Bildhauer:innen wie Josef Lang, Tone Fink, Herbert Albrecht, Uta Belina Wäger, Mario Dalpra oder Josef Pillhofer haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die Sommerausstellung hat sich zu einem kulturellen Fixpunkt und gesellschaftlichen Treffpunkt in der Region entwickelt. 2026 wird dieses Erbe mit der Ausstellung „Protagonisten” um ein außergewöhnliches Kapitel bereichert. Die Ausstellung wird von Edgar Leissing dokumentiert und von einem Ausstellungskatalog begleitet.

Georg Loewit – Protagonisten
Veranstaltungsreihe: Blumenegger Skulpturenpark 2026
21. Juni bis 30. August 2026

Vernissage: Sonntag, 21. Juni 2026, 11:00 Uhr
Einführung: Mag. Thomas Schiretz
Matinee: Caminos Nuevos
Künstlergespräch: 21. Juni 2026, 14:00 Uhr