Georg Baselitz – Neupräsentation der Werke aus den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen

Mehr als fünf Jahrzehnte lang haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen das Werk von Georg Baselitz (1938–2026) eng begleitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart erneuerte Baselitz die figurative Malerei nach 1945 maßgeblich.
Der Bestand der Sammlung Moderne Kunst umfasst 31 Werke – von frühen Arbeiten der 1960er Jahre über die „Remix“-Serie bis zum Spätwerk. Die aktuelle Präsentation umfasst eine Auswahl von elf Arbeiten und macht die komplexe Entwicklung seines Schaffens nachvollziehbar.

Der erste Ankauf eines Werkes von Georg Baselitz erfolgte bereits 1972, nur vier Jahre später widmete die damalige Staatsgalerie Moderner Kunst im Haus der Kunst dem damals 38-jährigen Künstler eine Einzelausstellung. Diese Schau markierte einen Wendepunkt: Zeitgenössische Kunst rückte in den Fokus des Museums und es wurde eine gegenwartsorientierte Ankaufspolitik etabliert. Dank der Unterstützung von Herzog Franz von Bayern, langjähriger Wegbegleiter und früher Sammler des Künstlers, konnte die Ausstellung verwirklicht und bedeutende Werke für die Sammlung gesichert werden. Hervorzuheben ist „Der Mann am Baum” (1969), eines der ersten Gemälde, in denen Baselitz die Figur auf den Kopf stellte. Diese Umkehrung wurde zu einem zentralen Merkmal seines Schaffens und kann zugleich als kritische Reflexion deutscher Geschichte verstanden werden.

Einen weiteren Höhepunkt bildete die Schenkung von sechs Gemälden und einer Skulptur aus den Jahren 2008 bis 2017 zu Ehren von Herzog Franz von Bayern im Jahr 2019. Zu den herausragenden Werken des Spätwerks und dieser Schenkung zählen das Gemälde „Avignon ade“, dessen Figur in einem zeit- und grenzenlosen Raum zu schweben scheint, sowie die Skulptur „Zero Ende“, die als eindringliches Sinnbild der Vergänglichkeit dient.

Über Generationen von Sammlungsleiter:innen und Direktoren hinweg hat die Sammlung Moderne Kunst diesen Werkbestand kontinuierlich erweitert und die künstlerische Entwicklung Baselitz’ über Jahrzehnte begleitet. Durch das großzügige Engagement des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e. V., der Theo Wormland-Stiftung, der Michael & Eleonore Stoffel-Stiftung sowie durch Georg Baselitz selbst konnten wichtige Werke in den Bestand aufgenommen werden.

Seit 2009 bereichern zudem neun Baselitz-Werke aus der Sammlung von Udo und Anette Brandhorst den Münchner Bestand. Das Sammlerehepaar verband eine tiefe Freundschaft mit dem Künstler. Die Werke im Museum Brandhorst spannen einen Bogen von frühen Werken wie „Birke” (1970) bis zum jüngsten Ankauf im Jahr 2023 mit „Manopola – Fausthandschuh” (2019).

Carla Schulz-Hoffmann, verantwortliche Referentin der Pinakothek der Moderne und bis 2011 stellvertretende Generaldirektorin, prägte diesen Sammlungsbereich über 30 Jahre hinweg. Sie hat die erste Ausstellung verantwortet – wie auch die aktuelle Präsentation co-kuratiert.

Die Werkauswahl zeigt Baselitz’ intensive Auseinandersetzung mit der Malerei: Er experimentierte mit Farbtönen, fragmentierte die Figur, trug die Farbe mit den Fingern auf, bezog sich auf kunsthistorische Vorbilder und nahm eigene Motive in der „Remix“-Serie wieder auf. Er hinterfragte die Malerei schonungslos, wodurch auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene Verdrängtes zutage gefördert wurde. Georg Baselitz’ Werk bleibt auch heute noch herausfordernd, kraftvoll und kompromisslos.

Parallel zur Baselitz-Neupräsentation in der Pinakothek der Moderne wird im Museum Brandhorst ein eindrucksvolles Werk in Gedenken an Georg Baselitz im Treppenhaus gezeigt: „Manopola – Fausthandschuh“ (2019).

Neupräsentation | Saal 28
Georg Baselitz (1938–2026)
Werke der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen
bis 8. November 2026