3. Oktober 2020 - 8:45 / Bühne / Theater 

Die Bearbeitung des Parzival-Stoffes, die der Dramatiker Joël László als Auftragswerk für das Vorarlberger Landestheater und Theater Marie entwickelt, blickt tief in das Herz unseres besitzgetriebenen Systems.

Mit Parzival reisen wir durch eine Welt der Finanzen: dahin, wo das Geld regiert und die Verhaltenskodizes bestimmt. Parzival muss die Sitten der Geldvermehrung und des Umgangs unter Reichen lernen. Wir sind alle Parzival. Haben wir die nötige Empathie für die Leiden unserer Welt und unserer globalisierten Gesellschaft, um gemeinsam eine Veränderung weg von einer weltweiten Eskalation zu bewirken? Der Autor Joël László überschreibt in seinem neuen Stück für das Theater Marie und das Vorarlberger Landestheater den mittelalterlichen Parzival-Mythos.

Das Vakuum, in dem Parzival von seiner Mutter Herzeloyde großgezogen wird, erweist sich als fataler Bumerang. Der Reiz des Kapitalismus und der freiheitlichen Ideologie, des survival of the fittest, vor dem die Mutter ihren Sohn bewahren wollte, entwickelt auf den heranwachsenden Parzival einen umso gewaltigeren Sog. Mit unstillbarer Neugierde nach Die Bearbeitung des Parzival-Stoffes, die der Dramatiker Joël László als Auftragswerk für das Vorarlberger Landestheater und Theater Marie entwickelt, blickt tief in das Herz unseres besitzgetriebenen Systems, untersucht seine mannigfaltige Wirkung auf die menschliche Seele des Einzelnen ebenso wie auf unser Sozialgefüge in seiner Gänze, erforscht den Einfluss einer hochliberalen Wirtschaftsordnung auf tradierte Werte wie Solidarität, Empathie und Gerechtigkeitsempfinden. Und nähert sich dabei der Vorlage ganz eigensinnig:allem, was mit Geld und Reichtum zu tun hat, macht sich Parzival auf seinen Weg. Nun muss er viele Abenteuer bestehen und sich die von der Sucht nach Geld und Reichtum zivilisierte Welt erobern. Dabei ist ihm seine Naivität und Direktheit manchmal Hilfe, mehrheitlich aber ein Hindernis. Unverhofft trifft er auf Anfortas, der in der Gemeinschaft lebt, die den heiligen Gral, aus dem der Reichtum fließt, bewacht.

Die Produktion stellt die Frage, welche Parallelen sich für diese abenteuerlichen Erlebnisse in unserer von Geld, Kapitalismus und erbarmungslosem Wirtschaftsliberalismus geprägten westlichen Gesellschaft finden lassen.

Geld, Parzival
Joël László - Uraufführung
Koproduktion mit dem Theater Marie
Inszenierung: Olivier Keller
Premiere: Sonntag, 4. Oktober 2020, 19.30 Uhr, Großes Haus
Vorstellungen: Di 13.10. / Mi 14.10. / Do 22.10. / Fr 23.10. / Sa 14.11. / So 15.11. jeweils 19.30 Uhr, Großes Haus

Vorarlberger Landestheater
Seestraße 2
A - 6900 Bregenz

W: http://www.landestheater.org/

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  •  4. Oktober 2020 15. November 2020 /
Lina Hoppe, Ingo Ospelt, Grégoire Gros (c) Anja Köhler
Lina Hoppe, Ingo Ospelt, Grégoire Gros (c) Anja Köhler
Ensemble (c) Anja Köhler
Ensemble (c) Anja Köhler
Ensemble (c) Anja Köhler
Ensemble (c) Anja Köhler