Geld. Macht. Raum – Über die Ökonomie des Wohnens

Anlässlich von 50 Jahre „Dowas” (Durchgangsort für Wohnungs- und Arbeitssuchende) widmet sich die Ausstellung „Geld . Macht . Raum – über die Ökonomie des Wohnens” in Innsbruck auf informativer und künstlerischer Ebene dem komplexen Themenfeld des Wohnens.

Jede Theorie der Ökonomie beeinflusst gesellschaftliche Beziehungen, unsere Lebensverhältnisse und letztlich politische Entscheidungen. Diese Theorien folgen nicht naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern basieren auf gesellschaftspolitischen Vereinbarungen. Sie sind nicht neutral, sondern verfolgen immer auch bestimmte Interessen und erzeugen damit Realitäten, die unser Zusammenleben und unsere liberale Demokratie mitgestalten.

Die letzten hundert Jahre waren geprägt durch den Widerstreit der ökonomischen Theorien von Friedrich Hayek (1899–1992) und John Maynard Keynes (1883–1946), die sich in wesentlichen Punkten unterscheiden. Friedrich Hayek betonte die Bedeutung des freien Marktes als System, das dezentral Wissen effektiv verarbeitet. Er war der Ansicht, dass der Staat nicht in den Markt eingreifen sollte, da ihm das nötige Wissen fehlt, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, und nur der Markt in der Lage ist, die optimale Verteilung von Ressourcen zu ermöglichen. John Maynard Keynes hingegen sah den freien Markt als instabil an und war der Meinung, dass er auf Dauer nicht in der Lage ist, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Ausgleich zu gewährleisten. Er glaubte, dass der Staat vor allem in Krisenzeiten eine wichtige Rolle spielen müsse, um die Wirtschaft und damit die Gesellschaft zu stabilisieren. Denn Keynes vertraute nicht darauf, dass der Markt selbstregulierend ist. Diese unterschiedlichen Perspektiven prägten die Wirtschaftstheorien des 20. Jahrhunderts und führten zu zwei politischen Ansätzen. Während die Soziale Marktwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte, marktwirtschaftliche Prinzipien mit sozialpolitischen Maßnahmen zu kombinieren, um Wettbewerb zu fördern und gleichzeitig sozialen Ausgleich zu schaffen, setzte der Neoliberalismus ab den späten 1970er-Jahren auf die Rolle des freien Marktes, die Eigenverantwortung und forderte den Rückzug des Staates aus vielen Bereichen. Als Antipode dieser bürgerlichen Theorien ist Karl Marx (1818–1883) zu nennen, der insbesondere mit seiner erweiterten Gesellschaftskritik großen Einfluss ausübte.

Vor dem Hintergrund des Widerstreits ökonomischer und gesellschaftspolitischer Ideologien hat sich in den letzten Jahren bei den Themen Wohnen sowie Grund und Boden weitgehend die sogenannte „Logik“ des freien Markts durchgesetzt. Dies führt mittlerweile zu großen sozialen Problemen und gesellschaftlichen Verwerfungen. Kein Wahlkampf auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene vergeht, ohne dass unterschiedliche Lösungsansätze für das Konfliktfeld „Leistbares Wohnen“ präsentiert werden. Auch in Tirol wird zunehmend wahrnehmbar, dass es für breite Schichten immer schwieriger wird, sich mit ihrem Einkommen eine Mietwohnung zu leisten, geschweige denn, Eigentum zu finanzieren. Vor allem im Großraum Innsbruck und in touristisch stark frequentierten Gemeinden wird es für die dort lebende Bevölkerung immer schwieriger, Wohnraum zu bezahlen. Ein Beispiel ist Reith bei Kitzbühel, das vor kurzem in einer Studie des Marktforschungsinstituts OGM zur teuersten Gemeinde Österreichs gekürt wurde. Dort muss man mit einem durchschnittlichen Gehalt insgesamt über 29 Jahre arbeiten, um sich ein 500 m² großes Baugrundstück leisten zu können. In einem TT-Artikel formulierte der Reither Bürgermeister Stefan Jöchl die Konsequenzen für seine Gemeinde: „Die Preisniveaus im ganzen Land entfernen sich zunehmend von jeder realen Einkommensbasis und der Markt hat sich von den Bedürfnissen der regionalen Bevölkerung entkoppelt. Diese Dynamik gefährdet die Durchmischung, das soziale Gefüge und letztlich die wirtschaftliche Tragfähigkeit unserer Gemeinde.“ Der ehemalige Bürgermeister von München, Hans-Jochen Vogel, beschrieb in seinem Buch „Mehr Gerechtigkeit. Wir brauchen eine neue Bodenordnung – nur dann wird auch Wohnen wieder bezahlbar“ die Preisentwicklung des Baulands in München: Seit den 1960er-Jahren sind die Preise um bis zu 39.000 % gestiegen.

Diese globale Entwicklung stellt insbesondere für Tirol eine große sozialpolitische Herausforderung dar, zumal nur 12,4 % des Landes als Dauersiedlungsraum ausgewiesen sind, in dem alle wesentlichen Lebensbereiche stattfinden – von der Landwirtschaft und den Arbeitsplätzen über den Tourismus und die Mobilität bis hin zur Erholung und dem Wohnen. Trotzdem entstehen vielerorts Wohnungen als reine Kapitalanlage, die auch ungenutzt ihren Wert steigern. Dieser kapitalgetriebene Umgang mit der Ressource Boden und Wohnraum hat in den vergangenen Jahrzehnten die Gestalt und Funktion unserer Städte und Dörfer massiv verändert. Instrumente der Raumplanung werden nicht konsequent angewandt, Gesetze sind fehlgeleitet, der Ausverkauf der BUWOG-Wohnungen oder die frühere Regelung mit den Agrargemeinschaften schreiben den Status quo fort, anstatt eine gemeinwohlorientierte Vision für die Zukunft zu entwickeln. Wohnen ist ein zentrales Grundbedürfnis. Grund und Boden sind jedoch keine klassische Ware, da sie nicht produzier- und vermehrbar sind. Wohnungsmärkte sind „unvollkommene Märkte“, die sich in wesentlichen Punkten von anderen unterscheiden. Insofern stellt sich mehr denn je die Frage, ob der bisherige Weg gesellschaftlich und demokratiepolitisch noch tragfähig ist.

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens von „Dowas“ (Durchgangsort für Wohnungs- und Arbeitssuchende) widmet sich die Ausstellung „geld.macht.raum“ dem komplexen Themenfeld der Ökonomie des Wohnens und erläutert rechtliche und wirtschaftliche Hintergründe. Anhand von Infografiken, Statistiken, Zeitungsausschnitten und Videos werden Daten, Fakten und Studien zur Situation in Österreich und Tirol sichtbar gemacht. Ein von „Dowas“ gestalteter Zeitstrahl gibt einen Überblick über die vergangenen 50 Jahre des Engagements von „Dowas“.

Darüber hinaus wirft die Ausstellung die Frage auf, wie sich die Nutzung des urbanen Raums verändert und wie ein Verlust öffentlicher Macht zugunsten privatwirtschaftlicher Akteure zu beobachten ist. Unter dem Paradigma des freien Marktes befeuern zunehmender Verwertungs-, Wachstums- und Optimierungsdruck diese Entwicklung. Durch die Kommodifizierung des öffentlichen Raums wird dieser selbst zur Ware, was sich in eingeschränkter Zugänglichkeit und Kommerzialisierung ausdrückt. Angesichts dieser Realität benötigen wir neue Werkzeuge, Regeln und Gesetze, um derartige Entwicklungen zu verstehen und zu steuern. In der Ausstellung geben vom "subArchiv Innsbruck" gestaltete Litfaßsäulen einen historischen Einblick in den politischen Aktivismus zur Nutzung des öffentlichen Raums und kultureller Orte. Außerdem ergänzen künstlerische Arbeiten von Anita Witek, Julius Schreiner und Roland Maurmair die Themen der Ausstellung in Form einer Videoarbeit, einer Fotostrecke und eines installativen Objekts.

„Geld.Macht.Raum“ bietet keine einfachen Antworten auf die komplexen Problemstellungen, denn es gibt keine Patentlösung. Die Ausstellung möchte vielmehr ein Bewusstsein schaffen, die Auseinandersetzung anregen und alternative Strategien vorstellen, denn die Gesetze der Ökonomie sind keine Naturgesetze, sondern gesellschaftliche Vereinbarungen, die verändert werden können.

Geld . Macht . Raum
Über die Ökonomie des Wohnens
Bis 21. Februar 2026