Gegenüberstellung von Bianca Phos und Markus Proschek

Im Kunstforum Montafon haben Gegenüberstellungen eine lange Tradition. Sie bieten den Künstler:innen eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich neu zu definieren und zu positionieren.

Es ist spannend, zu erleben, wie die beiden Künstler als Persönlichkeiten aufeinander und auf den Ausstellungsraum reagieren. So erzeugen sie ein Spannungsfeld, in dem sich die Qualität ihrer Kunst entfalten kann.

Bianca Phos (* 1985 in Wien) verfolgt eine interdisziplinäre und medienübergreifende Praxis, die sich insbesondere mit Skulptur und Zeichnung befasst. In ihrer Arbeit untersucht sie soziosomatische Beziehungen und gegenseitige Abhängigkeiten, die Menschen mit materiellen Formen, Maschinen oder anderen organischen Körpern verbinden.
In ihrer aktuellen Arbeit beschäftigt sie sich mit Industriesilikaten natürlichen Ursprungs, also Materialien, die sich im geologischen wie technischen Zwischenzustand befinden. Dieser Sand, zerriebenes Gestein und sedimentierte Zeit, verweist auf vergangene Prozesse ebenso wie auf künftige Transformationen. In seiner Verwendung als Ausgangsmaterial für Glas oder Silicium wird er zum Speicher – nicht nur für Daten, sondern auch für Energie, Hitze, Berührung und Verschleiß. Er bildet eine Brücke zwischen Geologie und Technologie, zwischen Materie und Information.
Die neuen Arbeiten für das Kunstforum Montafon entstehen in Fortsetzung der bestehenden Arbeit „Within Constellations“:

„Within Constellations“ ist eine begehbare, schwebende Raum-Assemblage: Eine Metallkonstruktion trägt mundgeblasene Borosilikatglas-Röhren, die mit verschiedenen industriellen Silikaten gefüllt sind, wie sie in der Sandstrahltechnik zur abrasiven Bearbeitung von Oberflächen eingesetzt werden. Die Installation inszeniert ein aufgebrochenes System, das zwischen technischer Funktion, geologischer Materialität und archäologischer Spur oszilliert. Diese Prozesse verknüpfen sich mit übergeordneten Fragestellungen zum Umgang mit und der Bewertung von Materie, Energie, Transformation, Kategorisierung und Umordnung, aber auch mit Zyklen von Zerfall und Erneuerung. In diesen Materialien verdichtet sich für mich auch ein Archiv traumatischer Prozesse – nicht im Sinne dokumentierter Fakten, sondern als verletzungsoffene Oberflächen, auf denen sich Kontakt, Energie, Spannung und Abwesenheit niederschlagen.

Markus Proscheks (* 1981 in St. Johann im Pongau) Installationen und Bilder, die oft in aufwändiger Trompe-l’œil-Technik (= äußerst realistische optische Täuschung) gemalt sind, verhandeln Themen rund um die Beziehungen zwischen Ästhetik, Geschichte und Ideologie. Die Gemälde sind in gewisser Weise Geschichtsbilder, jedoch nicht im Sinne der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts: Keine „Große Erzählung“ wird hier in den Dienst einer ideologischen Agenda gestellt; die Referenzen brechen ab, widersprechen und verselbstständigen sich in fragmentarischen Assoziationsketten.
Narrative beziehen ihre Wirkmacht aus dem Versprechen von Vollständigkeit, dass sich auch das letzte fehlende Bruchstück noch einfügen werde. Dieses Konzept steht jedoch im Widerspruch zu unserer Erfahrung inkonsistenter Realitäten.

Durch die Betonung des Fragmentarischen werden die Dispositive von (Zeit-)Geschichte infrage gestellt und durch ein instabiles Sediment aus Schichtungen, Ebenen und Referenzen ersetzt. Die zeitintensive, gewissenhafte Maltechnik kontrastiert mitunter mit dem Gegenstand der Darstellung. Wir sehen auch Artefakte, in die sich die brutalen Spuren einer versuchten Auslöschung eingeschrieben haben: gemalte Konfliktflächen, die für die Betrachter:innen in eine Ästhetik der Zerstörung sublimiert wurden. Das Ergebnis ist ein Entwurf von Geschichte als kontinuierlich nichtlinearer Prozess, ein permanent umgestaltetes Palimpsest einer „langen Gegenwart“.

Bianca Phos – Markus Proschek
Discard a Shape at Last
7. Dezember 2025 bis 8. Februar 2026 (verlängert)

Mittwoch, 28. Jänner 2026, 14:00 –16:30: kunstKINDERkunst – Workshop mit Helene und Franz Rüdisser