10. Juni 2017 - 4:03 / Bernhard Sandbichler / Oktopus

... sind keine fliegenden Zeilen. In unserem Fall kommen sie ganz ohne Worte aus. Nicht, dass dies zum ersten Mal der Fall wäre: Matteo Civaschis H-57-Creative Station hat schon einmal Shortologies vorgelegt. Diesmal ist es eine veritable Proverbiology geworden.

  1. Die Story: Sie belehren uns, trösten uns, rügen uns. Sie nerven ob ihrer Klugheit, Schadenfreude, Evidenz oder Banalität. Und dennoch erzählen wir sie weiter und fühlen uns beinah so klug wie ihre AutorInnen.

  2. Die HeldInnen: Die kennt man, oder kennt sie auch nicht. Die weisen Worte gehen einem schnell und gewandt über die Lippen und sind dann auch schon verflogen. Kann man das "sich mit fremden Federn schmücken" nennen?

  3. Der Sound: "Ein Herz und eine Seele", "die Kröte schlucken", "Aus einer Mücke einen Elefanten machen" - schon mal gehört? Schon mal gesagt? Na eben!

  4. Coole Bilder: Der Punkt, der in diesem Buch bei jedem geflügelten Wort fehlt, ist hier nicht das Interpunktionszeichen. Der Punkt sind die Illustrationen, die einen rasch wie angekündigt zur Lebensklugheit führen. Hier wird das, wie schon in den vorangehenden Büchern, grafisch klar, logisch und witzig gemacht.

  5. Coole Wörter: Reden ist Silber, Schweigen Gold - und also gibt’s hier keine Wörter! Nur in der Auflösung ganz hinten liest man: Schweigen wie ein Grab - und: Morgenstund’ hat Gold im Mund - sowas!

  6. Zum Nachdenken: Ja natürlich muss man nachdenken! Kann schon einmal länger als fünf Sekunden dauern.

  7. Die Autoren: Dieser Creative Pool ist beachtlich: Was die für schöne Sachen machen. Und bedingt ansehen!

  8. Das Buch: Matteo Civaschi: Geflügelte Worte in 5 Sekunden. 144 wortlose Bildrrätsel. Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2017, 170 Seiten, EUR 12,40



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