18. November 2007 - 2:03 / Ausstellung / Archiv 
27. September 2007 25. November 2007

Zum 100. Geburtstag des österreichischen Bildhauers Fritz Wotruba zeigt die Staatliche Graphische Sammlung in der Pinakothek der Moderne eine umfangreiche Überblicksschau. Rund 120 Zeichnungen und 7 bedeutende Steinskulpturen aus den Jahren 1925-1975 geben einen eindrucksvollen Einblick in sein Schaffen.

Die Ausstellung konzentriert sich erstmalig und mit Bedacht auf die "nacktesten" Medien, derer sich Wotruba bedient hat: die Zeichnung und die Steinskulptur. Ausgehend von dem frühesten Stein, dem "Torso" von 1928/29 und Zeichnungen von 1925 wird die Spannung dieses Lebenswerks exemplarisch spürbar. Die Versammlung von weiteren bedeutenden Steinen und von rund 120 Zeichnungen bietet die Gelegenheit, Wotrubas jahrzehntelangen, in der Geschichte der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts beispiellosen Weg von der menschlichen Figur hin zur Architektur als sinnliche Metamorphose nachzuvollziehen.

Die Ausstellung beabsichtigt nicht die Skulpturen mit eventuell vorhandenen Vorzeichnungen zu konfrontieren. Vielmehr soll gezeigt werden, in welchem Maß Wotruba in seinen Zeichnungen von Anbeginn an den elementaren "Bausteinen" des menschlichen Körpers jenen Prozess der Reduktion vorbereitete, welcher sich in den Skulpturen oft erst viel später auswirkte. Die Zeichnungen haben in vielen Fällen als autonome Werke zu gelten, die in ihrer nicht selten ungeschönten Rücksichtslosigkeit den Künstler auf der Höhe seiner schöpferischen Möglichkeiten zeigen. Vor allem in den umfangreichen Folgen der Vierzigerjahre umkreisen und verdichten die Zeichnungen in oft nur minimalen Abweichungen Wotrubas Vorstellung von einer Figur. Sie bilden für den Künstler eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration, aus der es ihm gelingt, die Spontaneität und Ungezügeltheit der Idee in die vollendete Skulptur einfließen zu lassen.

Der 1907 geborene Fritz Wotruba zählte bis zu seinem Tod 1975 zu den prominentesten Bildhauern Europas. Die Reihe seiner bedeutenden Ausstellungen seit 1930, seine Wertschätzung durch Museen und Sammler in Europa aber auch in Amerika sowie die unvergleichliche Aufmerksamkeit, die sein Œuvre zu Lebzeiten bei einer Elite von Autoren, Dichtern, Musikern und Philosophen, engen Weggefährten und Freunden erfahren hat, bezeugen das Ansehen des Künstlers. Wotruba wurde neben Henry Moore, Marino Marini, Alberto Giacometti und Germaine Richier der Rang eines der wesentlichen Exponenten der modernen Skulptur zuerkannt, auch wenn seine isolierte Situation in Österreich seinen Bekanntheitsgrad nicht gerade förderte.

Der Künstler galt schon seit den späten Fünfzigerjahren als ein eher spröder, hermetischer "Klassiker" der figürlichen Plastik und war doch gleichzeitig in hohem Maße auch der zeitgenössischen künstlerischen und intellektuellen Diskussion verhaftet. Nicht zuletzt trugen hierzu seine Bühnenausstattungen antiker Theaterstücke sowie von Opern Richard Wagners unter der Regie Gustav Rudolf Sellners bei, die in Wien, Berlin, Salzburg und Athen ein internationales Publikum fanden. In jüngerer Zeit wurde es stiller um den Künstler Fritz Wotruba, diese vitale und durchaus auch streitbare Persönlichkeit, deren öffentliche Präsenz und weitreichende Ausstrahlung als Lehrer von Generationen von Bildhauern den Ruf der Wiener Akademie über Jahrzehnte bestimmt hatte.

1967 wurde Fritz Wotruba anlässlich seines 60. Geburtstages mit einer Retrospektive im Münchner Haus der Kunst geehrt, die in der Verantwortung des Kunsthistorikers Werner Hofmann lag, der schon seit den Fünfzigerjahren zu den wesentlichen Interpreten des Bildhauers zählt. Vierzig Jahre nach dieser Schau – nun mehr aus Anlass seines 100. Geburtstags - wird das Werk Fritz Wotrubas wieder repräsentativ in München zu sehen sein. Auch dieses Mal hat der Wotruba-Kenner Werner Hofmann für die begleitende Publikation zur Ausstellung einen bedeutenden Beitrag geleistet und einen "Rückblick auf Wotruba" beigesteuert.


Es erscheint ein Katalog (ca. 220 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Texten von Werner Hofmann und Michael Semff, sowie mit Künstlertexten von Fritz Wotruba und Toni Stadler) im Hatje Cantz Verlag. Der Preis beträgt ca. 35 Euro

Fritz Wotruba - Zeichnungen und Steine
27. September bis 25. November 2007

Pinakothek der Moderne
Kunstareal, Barer Str. 40
D - 80799 München

T: 0049 (0)89 23805-360
F: 0049 (0)89 23805-125
E: info@pinakothek.de
W: http://www.pinakothek.de/

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Hommage à Michelangelo, 1975; Zyklus 'Hommage à Michelangelo', 1975. (26 Zeichnungen, je im Format 29,6 x 42 cm), Bleistift. Fritz Wotruba Privatstiftung, Wien; Foto: Martina Bienenstein
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Sitzende, 1944. Feder in Schwarz; 20,8 x 29,6 cm. Fritz Wotruba Privatstiftung, Wien; Foto: Stefan Zeisler
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Kopf, 1965. Carrara-Marmor; H 41 x B 14,5 x T 25 cm. Fritz Wotruba Privatstiftung, Wien
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Skizze zu einer Architektur, 1966. Feder in Schwarz; 34,5 x 49,1 cm. Fritz Wotruba Privatstiftung, Wien; Foto: Stefan Zeisler
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Zurückgelehnte weibliche Figur, 1947. Feder in Schwarz, Kugelschreiber; 21 x 30 cm. Fritz Wotruba Privatstiftung, Wien; Foto: Stefan Zeisler
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Hommage à Michelangelo, 1975; Zyklus 'Hommage à Michelangelo', 1975. (26 Zeichnungen, je im Format 29,6 x 42 cm), Bleistift. Fritz Wotruba Privatstiftung, Wien; Foto: Martina Bienenstein