Bis zum 25. Oktober zeigt das Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt Arbeiten von Fritz Scholder. Grün, dann Grau, dann Pink, dann Grün, dann Violett, dann wieder Blau schichten sich horizontal die Farben der Landschaften des heutigen New Mexico. Im grellen Kontrast zu den vom Licht vibrierenden Pastellfarben dieser Landschaften strahlen die Figuren Scholders (1937–2005) vor klaren, einfarbigen und satten Hintergründen.
Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren thematisierte Scholder, wie indigene Körper, Lebensrealitäten und Geschichte(n) vor allem als Projektionsflächen einer weißen Mehrheitsgesellschaft in Erscheinung traten. Indem er historische Fotografien übernahm, überzeichnete und ins Groteske kippte, legte er Machtverhältnisse offen, die bis heute die Produktion und Zirkulation von Bildern prägen. Seine Arbeiten verhandeln Fragen visueller Souveränität, also das Recht, die eigene Darstellung zu bestimmen, und machen sichtbar, wie sehr die Repräsentation der Native Americans von kolonialen Perspektiven geprägt ist. Mit Komik, aber auch mit realistischer, klarer Härte befreite sich Scholder sowohl von diesen Bildregimen als auch von den damals vorherrschenden indigenen Bildtraditionen und schuf somit eigene, zeitgenössische Bilder.
In seinen Arbeiten konfrontiert er sich selbst und die Betrachter:innen mit prägenden historischen Ereignissen der indigenen Geschichte: Er thematisiert die Schlacht am Little Bighorn, das Massaker von Wounded Knee, den Indian Removal Act sowie den darauffolgenden Trail of Tears. Schonungslos zeigt er die tiefen Traumatisierungen vieler Native Americans auf und veranschaulicht die Brutalität zahlreicher, permanent reproduzierter Stereotype.
Die umfassende Ausstellung „Fritz Scholder” präsentiert erstmals außerhalb Nordamerikas zahlreiche Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Lithografien des Künstlers und erweitert so den Horizont dessen, was bisher unter US-amerikanischer Pop-Art verstanden wird.
Fritz Scholder
bis 25. Oktober 2026