3. Juni 2021 - 8:41 / Ausstellung / Fotografie 
21. Mai 2021 15. August 2021

Friedrich Seidenstücker (1882–1966) zählt zu den bedeutenden Chronisten des Alltagslebens im Berlin der Weimarer Republik. Seine atmosphärischen Fotografien, meist entstanden auf seinen Streifzügen durch die Stadt, erzählen von scheinbar beiläufigen Ereignissen und Begebenheiten: vom Sonntagsvergnügen und vom Arbeitsalltag, von Kinderspielen auf der Straße und vom Treiben auf Bahnhöfen und im Zoo.

Seidenstücker zeigt, häufig mit humoristischem Blick, die Menschen und das Leben in der Metropole. Seine Aufnahmen machen zugleich die Härten der Großstadtexistenz sichtbar und lassen im Hintergrund immer wieder auch die Gegensätze der sozialen Realität in den Zwischenkriegsjahren durchscheinen.

Das Käthe Kollwitz Museum Köln präsentiert 100 Werke des Fotografen aus der Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, und lädt seine Besucher_innen dazu ein, Friedrich Seidenstücker auf seinen Spaziergängen durch das Berlin vor 100 Jahren zu folgen.

Bis auf wenige Ausnahmen findet der "Momentknipser", wie er sich selbst bezeichnete, seine Motive draußen auf der Straße. Seine berühmt gewordenen Aufnahmen der "Pfützenspringerinnen" repräsentieren als Bildmetaphern die großstädtische Moderne und urbanes Leben. Mit handlicher Kamera und lichtempfindlichem Objektiv dokumentiert er instinktsicher noch viele weitere Szenen und Gestalten – darunter Kleingewerbler wie Kofferträger, Kutscher und fliegende Händler, Kindermädchen, Müllarbeiter oder Zeitungsverkäuferinnen – bei ihrem täglichen Tun und Handeln, aber auch beim Warten oder Ausruhen.

So charakterisiert sich Seidenstücker selbst und macht sich auf, seine Bildmodelle an den Wannseestrand oder zur Kirschblüte nach Werder zu begleiten. Sein Lieblingsort ist jedoch der Berliner Zoologische Garten. In seinen hier entstandenen Aufnahmen wird nicht nur die Begeisterung der Tiergartenbesucher sichtbar – manchmal scheinen Betrachter und Betrachtete ihre Rollen zu vertauschen: Ob die Tiere sich wohl auch für die Menschen interessieren?

Seidenstückers Fotografien aus den 1920er bis 1940er Jahren sind Bilder des Alltags, frühe "street photography", die mit zugewandtem Blick und feinem Gespür die Menschen im sozialen Gefüge der modernen Großstadt dokumentiert. Mit einem Augenzwinkern vermitteln sie uns heute eine Vorstellung von den Härten und der Mühsal, aber auch von den Sehnsüchten, den kleinen Ablenkungen und den Vergnügungen des Lebens in der Stadt.

Friedrich Seidenstücker – Leben in der Stadt
21. Mai bis 15. August 2021

Käthe Kollwitz Museum Köln
Neumarkt 18-24
D - 50667 Köln

W: http://www.kollwitz.de/

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  •  21. Mai 2021 15. August 2021 /
Friedrich Seidenstücker, Stettiner Bhf., 1930, Silbergelatine-Abzug, Vintage © Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Friedrich Seidenstücker, Stettiner Bhf., 1930, Silbergelatine-Abzug, Vintage © Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Friedrich Seidenstücker, Kinder in der Stadt, 1928, Silbergelatine-Abzug, Vintage © Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Friedrich Seidenstücker, Kinder in der Stadt, 1928, Silbergelatine-Abzug, Vintage © Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Friedrich Seidenstücker, Selbstporträt mit Kamera, ca. 1925 © Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich 2021
Friedrich Seidenstücker, Selbstporträt mit Kamera, ca. 1925 © Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich 2021