Friedensreich Hundertwasser gilt als einer der maßgeblichen Künstler unserer Zeit. Das neue Kunstforum Hundertwasser auf der Lindauer Insel ermöglicht eine Neuentdeckung des Künstlers, Umweltschützers und Visionärs.
In den kommenden fünf Jahren gewährt das Forum in enger Kooperation mit der Hundertwasser-Privatstiftung Wien Einblick in das Werk und Wirken des Künstlers. Dabei zeichnen vier aufeinanderfolgende Ausstellungen ein Bild von einem Künstler, dessen leidenschaftliche Erfindungskraft, Liebe zur Natur und Suche nach Wahrheiten über das Leben und das menschliche Verhalten faszinieren.
Friedensreich Hundertwasser (1928–2000) war eine vielseitige und oft kontrovers diskutierte Persönlichkeit. Als romantischer Utopist, eigenwilliger Außenseiter, ökologischer Aktivist und Schöpfer einer „grünen” Architektur vereint er in seinem Werk zahlreiche Facetten, die sowohl Anerkennung als auch kritische Betrachtung erfahren. Seine Popularität ist unbestreitbar. Sie speist sich aus seinem unermüdlichen Einsatz für eine Architektur, die Natur und Mensch verbindet – eine Bauweise, die Romantik, Vielfalt und Umweltbewusstsein vereint und bis heute fasziniert. Er war ein Mahner gegen Umweltverschmutzung und Naturzerstörung, gegen die Zersiedelung der Landschaft und die Zerstörung des kulturellen Erbes.
In seinem Werk und in seinen Schriften manifestiert sich Hundertwasser als sensible Persönlichkeit, die davon überzeugt ist, allen Menschen das Gute und Schöne sowie ein Leben im Einklang mit der Natur nahezubringen. Seine Reden, Manifeste und Aktionen reflektieren den Wunsch, der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen und den Menschen eine freie, schöpferische und wahrhaft menschenwürdige Existenz vor Augen zu führen. Seine von einem Ideal der Genügsamkeit und Unabhängigkeit geprägte Lebensweise ermöglichte ihm die künstlerische Freiheit, in seinen Bildern das zu erträumen, was ihm als Realität wünschenswert erschien.
Die Eröffnungsausstellung im Kunstforum trägt den Titel „Das Recht auf Träume“. Träume und Visionen waren für Hundertwasser die Vorbedingung menschlichen Schöpfertums, das Fundament des wahren Menschseins und eine Zuflucht vor einer rationalistischen Welt. Die Ausstellung zeigt frühe, der Öffentlichkeit kaum bekannte Aquarelle sowie bedeutende Gemälde und druckgrafische Werke, in denen sich Hundertwassers einzigartiges Gespür für Farben und Formen und seine unvergleichliche Erfindungskraft offenbaren. Er wurde 1928 als Sohn einer jüdischen Mutter geboren und überlebte das nationalsozialistische Regime in Wien. Seine Jugendjahre waren geprägt von der Ambivalenz, einerseits als Einzelgänger und Außenseiter zu leben und andererseits in der Hitlerjugend zu sein, was für ihn eine Überlebensnotwendigkeit war und ihm half, seine Mutter zu schützen. Im Malen in der Natur fand er Zuflucht. In den ausgestellten Werken seiner Jugendzeit entfaltet sich eine friedliche, harmonische Welt, wie er sie auch in seinem späteren malerischen Werk erträumte.
„Hundertwasser – Das Recht auf Träume“
Bis 11. Jänner 2026