18. Mai 2020 - 13:51 / Aktuell / Film 

Die französische Filmlegende Michel Piccoli ist heute im Alter von 94 Jahre gestorben, wie seine Familie bekannt gegeben hat. Piccoli galt als einer der grössten Charakterdarsteller Frankreichs und wurde an der Seite von Filmgrößen wie Romy Schneider und Marcello Mastroianni weltweit bekannt. Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit in Film und Theater war er auch als Drehbuchautor, Regisseur und Filmproduzent tätig.

In seiner ersten Hauptrolle spielte er den in Annie Cordy verliebte Music-Hall-Direktor Jacques Forestier in der Romanze "Tabarin" (1958). Nach einer weiteren Rolle bei Buñuel in "Tagebuch einer Kammerzofe" ist es die Figur des Schriftstellers Paul Javal in "Die Verachtung" (1963) von Jean-Luc Godard, die ihn berühmt macht. Piccoli gehört nun zu den führenden Stars. Ob als skrupelloser Erpresser neben Catherine Deneuve in Buñuels "Belle de Jour – Schöne des Tages", oder als romantischer Musikladenbesitzer Simon Dame, den Danielle Darrieux in Jacques Demys "Die Mädchen von Rochefort" wegen seines Namens nicht heiraten will ("Madame Dame") oder als ein als Spitzel verdächtigter Mann in "Ein Mann zuviel" von Costa-Gavras, das Repertoire von Michel Picoli ist enorm groß.

Mit "Die Dinge des Lebens" startet er seine Arbeit mit dem Regisseur Claude Sautet. Er spielt bei ihm, manchmal gemeinsam mit Romy Schneider, Hauptrollen in Filmen wie etwas "Das Mädchen und der Kommissar". Mit Schneider bildete er auch bei anderen Regisseuren ein Filmpaar, so etwa in deren letztem Film "Die Spaziergängerin von Sans-Souci". Piccoli spielte ab Anfang der 1970er oft abgründige Vertreter der bürgerlichen Gesellschaft im Grenzbereich zum Anarchismus. Als eindrucksvolle Darbietung gilt seine Rolle als anarchistischer grunzender Proletarier im wortlosen "Themroc" von Claude Faraldo.

Wie viele andere Film- und Theater-Kollegen engagierte sich auch Michel Piccoli in der politischen Linken Frankreichs. So setzte er sich etwa für den kommunistischen und pazifistischen Mouvement de la paix ein und für Amnesty International.



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Michel Piccoli 2011 beim Filmfestival in Cannes (Bild: Georges Biard/CCO)
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