9. September 2011 - 1:50 / Archiv / Skulptur 

Die Galerie der Stadt Tuttlingen zeigt Frank Stella im Jahr seines 75. Geburtstags mit einer repräsentativen Auswahl seiner Werke seit der Jahrtausendwende. Zu sehen sind plastische Wandarbeiten, die Leichtigkeit, Eleganz und ein raffiniertes Licht-Schatten-Spiel auszeichnen. Voller Energie und Dynamik entfalten sich die Reliefs in Schwüngen, Biegungen und Kurven von der Wand weg zum Betrachter hin. Die Werke vermitteln einen lebhaften Einblick in die ganze Vielgestaltigkeit der technisch stets innovativen Werke Stellas.

Die gezeigten Arbeiten bestehen zum einen aus Materialien, die man von Stella seit den achtziger Jahren kennt, als er den Sprung von der Leinwand in die Dreidimensionalität wagte: aus rostfreiem Stahl, Drähten, Autolack. Neu ist dagegen das formbare Kunstharz ProtoGen sowie das vor allem in der Industrie angewandte Verfahren des "rapid prototyping". Die Ausstellung in Tuttlingen dokumentiert somit nicht nur die ungebrochene Experimentierfreude des Künstlers sondern auch seinen abermaligen Aufbruch in neue Gefilde.

Präsentiert werden Werkbeispiele unterschiedlichen Formats aus der "Heinrich von Kleist Serie", ein dem Konstruktivisten Kasimir Malewitsch gewidmeter Zyklus ("Circus of Pure Feelings for Malevitch"), Arbeiten der "Bali-Serie" und vor allem Reliefs der "K-Serie". Letztere ist inspiriert durch die Cembalo-Musik des italienischen Komponisten Domenico Scarlatti (1685-1757). Die Titel sind die K-Nummern, mit denen der Cembalist und Musikwissenschaftler Ralph Kirkpatrick (1911-1984) die mehr als fünfhundert Sonaten versehen hat. Wenngleich es Frank Stella bei der Musik – genauso wie bei der Literatur (Stella schuf ganze Werkserien zu Hermann Melville´s "Moby Dick" und zum Gesamtwerk von Heinrich von Kleist) – nur um strukturelle Affinitäten geht, reflektieren seine Reliefarbeiten in tänzerisch kreiselnden und explosiv ausgreifenden Bewegungen das Ausstrahlen des Klanges.

Frank Stella (geb. 1936 in Malden/ Massachusetts), der 2009 durch den US-Präsidenten mit der National Medal of Arts ausgezeichnet wurde, gehört zu den bedeutenden Künstlern der Gegenwart. In seiner mehr als 50-jährigen Laufbahn hat er mehrfach maßgeblich neue Richtungen der Kunst geprägt, vom Minimalismus seiner bereits im Jahr 1959 im Museum of Modern Art New York ausgestellten "Black Paintings", über die "Hard Edge"-Malerei, die Farbfeldmalerei und seine berühmten "Shaped Canvases" bis hin zur völligen Dreidimensionalität ab den 1980er Jahren. Die Eroberung des Raumes aus der malerischen Fläche bis hin zur vollplastischen frei stehenden Skulptur erlebt mit der Einweihung der Skulpturengruppe "Hudson River Valley Series" 1996 in Jena und der Aufstellung der monumentalen Skulptur "Prinz Friedrich von Homburg" 2001 in Washington D.C. Höhepunkte.

Die Wertschätzung des Künstlers in Deutschland fand unter anderem 1996 in der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Friedrich Schiller Universität in Jena ihren Ausdruck. So widmet der Künstler die Ausstellung dem Andenken an den im vorletzten Jahr verstorbenen deutschen Kunsthistoriker Franz-Joachim Verspohl (1946-2009). Im Katalog zur Ausstellung berichten die Sammlerinnen Gabriele Henkel und Erika Hoffmann, die Kunstwissenschaftler Hubertus Gaßner und Franz Nagel, der Galerist Hans Strelow und der Kunstförderer Lothar Späth über Begegnungen und Ereignisse mit Frank Stella. Damit wird anhand lebendiger Zeugnisse die Rezeptionsgeschichte Frank Stellas in Deutschland von den 70er Jahren bis heute beleuchtet.

Frank Stella – Neue Arbeiten
16. Juli bis 11. September 2011

Galerie der Statt Tuttlingen
Rathausstrasse 7
D 78532 Tuttlingen
T 0049 (0)7461 15551

Öffnungszeiten:
Di bis So 11-18 Uhr



  •  16. Juli 2011 11. September 2011 /
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Porträt Frank Stella. Foto: Erik Hesmerg