31. Oktober 2019 - 4:11 / Ausstellung / Fotografie / Grafik 
1. November 2019 9. Februar 2020

Anhand selten gezeigter Werke von William Klein, Gérard Ifert und Wojciech Zamecznik erhellt die vom Centre Pompidou in Paris konzipierte und vom Museum für Gestaltung Zürich adaptierte Schau Fotografik: Klein, Ifert, Zamecznik den intensiven Dialog zwischen abstrakter Fotografie und grafischer Gestaltung in den 1950er- und 60er-Jahren. Inspiriert durch die fotografischen Experimente der modernen Avantgarde erfanden die drei Gestalter neue abstrakte Ausdrucksformen, die sie auch in der Alltagsgrafik einsetzten.

Die Suche nach einer zeitgemässen visuellen Sprache für die Nachkriegszeit beflügelte Künstler und Gestalter in Europa und Amerika zum fotografischen Experiment. Dieses erachteten sie – im Gegensatz zur Malerei oder Illustration – als ein fortschrittliches Instrument der künstlerischen Exploration. In Anlehnung an die moderne europäische Avantgarde und deren am New Bauhaus in Chicago und andernorts weiterentwickelten Gedankengut, erprobten sie die Möglichkeiten des Fotogramms, der Lichtmalerei und der Kameraeinstellung. Mit ihren Versuchen schufen sie dynamische Bilder, die sie mittels Fotomontage in die Werbegrafik integrierten und in denen sie ihr Empfinden von Geschwindigkeit, Mobilität und Massenbewegung zum Ausdruck brachten.

Der kurz nach dem Krieg von New York nach Paris gezogene William Klein (1928) begann hier seine Karriere als Maler, nahm jedoch auch Werbe- und Innendekorationsaufträge an, in deren Kontext er 1952 seine ersten ungegenständlichen Fotogramme schuf. Die Malerei gab er etwas später zugunsten der Fotografie und des Films auf. Der gleichzeitig in Paris tätige Basler Gestalter Gérard Ifert (1929) hingegen verband in seiner Werbegrafik und Ausstellungsgestaltung von Beginn an die Disziplinen Grafik, Fotografie und Film. Seine abstrakten Architektur- und Bewegungsaufnahmen der 1950er-Jahre stehen in enger Beziehung zur konkreten Kunst. In einem völlig anderen Umfeld bewegte sich der gelernte Warschauer Architekt Wojciech Zamecznik (1923–1967): Er war sozusagen der einzige, der innerhalb der malerisch-expressiv orientierten polnischen Plakat-Schule die abstrakte Fotografie in der grafischen Gestaltung verwendete. Seine ersten Lichtzeichnungen von 1956 gelten als symbolische Geste der Befreiung vom sozialistischen Realismus.

Gemeinsam war den drei Persönlichkeiten, trotz unterschiedlicher Herkunft, Ausbildung und Berufstätigkeit, ihre zukunftsorientierte und offene Haltung gegenüber neuen Technologien und den damit verbundenen Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks. Ihre Lichtexperimente und Bewegungsdarstellungen – mit und ohne Kamera – wie auch ihre Beschäftigung mit dem Medium Film sind vom Bauhaus-Erbe, insbesondere von Laszlo Moholy-Nagy und György Kepes, geprägt. Wichtige zeitgenössische Inspirationsquellen waren damals auch die konkrete Kunst, die gestische Abstraktion und kinetische Kunst, die Subjektive Fotografie sowie lichtkinetische Experimente aus der Wissenschaft.

Diese ästhetisch ansprechenden Fotoexperimente der 1950er- und 60er-Jahre sind bisher noch wenig bekannt und wurden erst selten präsentiert. Die vom Centre Pompidou konzipierte Ausstellung versammelt die Originale aus den Archiven der Gestalter, die sich heute im Besitz des Centre Pompidou und des Studio William Klein in Paris sowie in der Archeology of Photography Foundation in Warschau befinden. Das Museum für Gestaltung Zürich mit seinen reichen Beständen an Fotografik steuert eigene Exponate von Laszlo Moholy-Nagy bei und zeigt parallel zur Ausstellung aus Paris die Präsentation Josef Müller-Brockmann – Fotografische Experimente (1.11.2019 – 9.2.2020) in der Eingangshalle im Toni-Areal.

Fotografik: Klein, Ifert, Zamecznik
1. November 2019 bis 9. Februar 2020
Vernissage: Do 31. Oktober 2019, 19 Uhr

Museum für Gestaltung – Schaudepot
Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96
CH - 8005 Zürich

T: 0041 (0)43 446 67 67
E: welcome@museum-gestaltung.ch
W: http://www.museum-gestaltung.ch

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  •  1. November 2019 9. Februar 2020 /
William Klein, Sans titre (Ohne Titel), 1952–1953, Silbergelatine-Abzug, Donation Gérard Ifert 2018, Centre Pompidou, Paris, Musée national d’art moderne – Centre de création indus- trielle, © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Philippe Migeat/Dist. RMN-GP, © SAIF
William Klein, Sans titre (Ohne Titel), 1952–1953, Silbergelatine-Abzug, Donation Gérard Ifert 2018, Centre Pompidou, Paris, Musée national d’art moderne – Centre de création indus- trielle, © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Philippe Migeat/Dist. RMN-GP, © SAIF
William Klein, Sans titre (Ohne Titel), 1952–1953, Silbergelatine-Abzug, gelbe Kunststofffolie, © William Klein
William Klein, Sans titre (Ohne Titel), 1952–1953, Silbergelatine-Abzug, gelbe Kunststofffolie, © William Klein
Gérard Ifert, Pendule, 1952, Silbergelatine-Abzug, Donation Gérard Ifert 2018, Centre Pompi- dou, Paris, Musée national d’art moderne – Centre de création industrielle, © Centre Pompi- dou, MNAM-CCI, Audrey Lauranst, Dist. RMN-GP
Gérard Ifert, Pendule, 1952, Silbergelatine-Abzug, Donation Gérard Ifert 2018, Centre Pompi- dou, Paris, Musée national d’art moderne – Centre de création industrielle, © Centre Pompi- dou, MNAM-CCI, Audrey Lauranst, Dist. RMN-GP
Gérard Ifert, Fotovorlage für Werbung Goodyear, 1961, Donation Gérard Ifert 2018, Centre Pompidou, Paris, Musée national d’art moderne – Centre de création industrielle, © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Audrey Lauranst, Dist. RMN-GP
Gérard Ifert, Fotovorlage für Werbung Goodyear, 1961, Donation Gérard Ifert 2018, Centre Pompidou, Paris, Musée national d’art moderne – Centre de création industrielle, © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Audrey Lauranst, Dist. RMN-GP