Die von Yein Lee kuratierte Ausstellung „In the Fold of the Sack“ widmet sich der Frage, wie Materialität als dynamischer Prozess verstanden werden kann – als eine „Falte“, in der Bedeutung, Zirkulation und Transformation sichtbar werden. Der kuratorische Ansatz schlägt einen kritischen Rahmen vor, in dem Materialien nicht nur als Träger künstlerischer Produktion, sondern als aktive Akteure innerhalb komplexer sozialer, ökonomischer und ökologischer Systeme erscheinen.
Materialien sind niemals neutral oder inaktiv. Sie tragen Spuren von Arbeit, sozialen Hierarchien, Geschlechternormativität, Umweltzerstörung und geopolitischen Ungleichheiten in sich. Diese Einschreibungen sind untrennbar mit den Prozessen verbunden, durch die Kunst entsteht. Die in der Ausstellung versammelten Künstler:innen reagieren auf diese vielschichtigen Geschichten der Materie und machen sichtbar, wie Erinnerungen und Machtverhältnisse in Materialien „eingefaltet“ sind.
Die präsentierten Werke verstehen Material sowohl als Metapher als auch als kritisches Instrument. Sie hinterfragen die Grenzen zwischen Objekt und System, Oberfläche und Substrat sowie Inhalt und Materie. Anstatt Knappheit oder Mangel zu ästhetisieren, richten sich die Arbeiten auf die Bedingungen, die Materialien und ihre Bedeutungen hervorbringen: neoliberale Produktionslogiken, globale Lieferketten und sich verändernde Wertsysteme, die sowohl Materialien als auch Leben strukturieren.
Mit Arbeiten aus den Bereichen Skulptur, Malerei, Installation, Video, Performance und Assemblage eröffnet „In the Fold of the Sack“ einen vielschichtigen Raum für materielles Geschichtenerzählen. Materialität erscheint hier nicht als passive Oberfläche, sondern als aktive Kraft, die an der Entstehung von Bedeutung beteiligt ist. Die Ausstellung geht aus Yein Lees Lehrveranstaltung „Sustainable Practices“ hervor, der Großteil der Werke stammt von teilnehmenden Studierenden.
In der Exhibit Galerie am Schillerplatz finden neben den Diplompräsentationen ausgewählte Ausstellungsprojekte der Ausstellungskommission statt. Diese rekurrieren auf an der Akademie diskutierte Themen und greifen dabei aktuelle Tendenzen der Gegenwartskunst auf. Es wird darauf geachtet, dass sich die Projekte aus dem Lehrbetrieb der Institute und Fachbereiche entwickeln oder als bewusst epochenübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Kunstsammlungen und der zeitgenössischen universitären Kunstproduktion angelegt sind.
Unter dem Überbegriff „Exhibit“ ist es dem Ausstellungsbereich der Akademie der bildenden Künste Wien ein Anliegen, Lehrenden, Studierenden und Alumni diverse Praktiken des Ausstellens zu ermöglichen und über das Ausstellen als Medium zu reflektieren. Mit dem Programm seiner drei Ausstellungsräume positioniert sich der Ausstellungsbereich der Akademie bewusst an der Schnittstelle von universitärer Lehre und Ausstellungspraxis. Gleichzeitig erschließt er die zeitgenössische Wissens- und Kunstproduktion der Akademie für eine breite Öffentlichkeit.
Zu sehen sind Werke von Christoph Conrad, Astrid Didion, Luiza Furtado, JH Gim, Julia S Goodman, Birke Gorm, Abigail Simone Hauwede, Theresa Katharina Horlacher, Yixuan Hu, Hwajung Kim, Julia Kronberger, Alexander Krisa, Irina Lotarevich, Minh Phuong Nguyen, Ebba Sofie Olsson, Anna Pöll, Mara Printz, Michael Reindel, Sanne Luna Scheepmaker, Leon Can Scheiblich, JeeHyun-Elizabeth Son, Younès Ben Slimane, Neda Tabrizi, Lucía Ugena, Zoe Jackson, Cornelis Wuisman Jorgensen, Duannaiyu Wang, Rita Barbro Wilke und Jiaxi Yang.
In the Fold of the Sack
Ausstellung über die politische und soziale Dimension von Materialität
bis 24.05.2026
Exhibit Galerie / Exhibit Studio
Öffnungszeiten: täglich außer Mo, 10–18 Uhr, Eintritt frei