Die Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich ist eine bildgewaltige Hommage an die Pflanzenwelt. Pflanzen sind die Grundlage unseres Lebens. Sie versorgen uns mit Sauerstoff und Nahrung und sind die Basis für Heilmittel. Sie kleiden und schützen uns, strukturieren Landschaften und beeinflussen unser Klima. Doch sie sind weit mehr als bloße Ressourcen: Seit Jahrtausenden inspirieren sie die bildende Kunst, die Literatur, die Religionen und unsere kollektive Vorstellungswelt. „Flower Power“ widmet sich dieser tiefen kulturellen Verflechtung von Natur und Mensch und stellt die Pflanzen selbst in den Mittelpunkt – als Symbole, Akteurinnen, Handelsware, Projektionsfläche und Hoffnungsträgerinnen. Die Ausstellung wirft Fragen auf wie: Was haben Tulpen mit Börsenspekulation, Rosen mit Revolution, Äpfel mit religiösen Mythen oder Baumwolle mit kolonialer Ausbeutung zu tun?
Mit mehr als 400 Exponaten, darunter Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Installationen, kulturhistorische Objekte und naturwissenschaftliche Präparate, zeichnet die Ausstellung eine facettenreiche Kulturgeschichte von 18 ausgewählten Nutz- und Zierpflanzen nach. Von der Alge bis zum Wein werden deren Bedeutung, Verwendung und Repräsentation von der Gotik bis in die Gegenwart beleuchtet. Mit Carl von Linné (1707–1778) wird zudem der Begründer der noch heute in Botanik und Zoologie verwendeten Namensgebungsverfahren vorgestellt.
„Die Geschichte der Kunst ist seit jeher eng mit der Natur verbunden, und Pflanzen sind bis heute Gegenstand ästhetischer, wissenschaftlicher und künstlerisch-kritischer Betrachtungen. Mit Flower Power geben wir Einblick in die faszinierende Kulturgeschichte der Pflanzen“, hebt Gerda Ridler, künstlerische Direktorin der Landesgalerie Niederösterreich und Kuratorin der Ausstellung, hervor. „Mit der Ausstellung unterstreichen wir die Bedeutung der Pflanzen für das Leben der Menschen und wollen auf Themen wie den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt aufmerksam machen“, betont Martin Pfosser, Kurator der Ausstellung.
Tulpenmanie
In der osmanischen Kultur hatte die Tulpe eine große Bedeutung. Die türkische Bezeichnung „lale“ wird mit den gleichen arabischen Zeichen wie „Allah“ geschrieben, weshalb sie oft auch als religiöses Symbol verwendet wurde. Die Ausstellung zeigt ein Giebelfeld aus dem 16. Jahrhundert, das aus dem Palast des Großwesirs Piyale Pascha stammt und aus 16 Fliesen zusammengesetzt ist. In der äußeren Umrandung sind auf kobaltblauem Grund die spitz zulaufenden Blüten der klassischen osmanischen Tulpenart Tulipa acuminata sowie stilisierte radiärsymmetrische Rosenblüten zu sehen. In Europa war die Tulpe im 16. Jahrhundert praktisch unbekannt. Sie gelangte erst um 1555/1560 aus dem Osmanischen Reich nach Wien und von dort durch Carolus Clusius (1526–1609) nach Holland.
Im 17. Jahrhundert wurde die Tulpe schließlich zum Mittelpunkt der sogenannten „Tulpenmanie“, des ersten dokumentierten Börsencrashs der Geschichte. Diese Episode findet in Franziska Maderthaners (* 1962) Gemälde „Der Spekulant“ (2024) eine künstlerisch-zeitgenössische Verarbeitung: Ein Affe in barockem Gewand wiegt eine Tulpenzwiebel mit Gold auf. Im oberen Bildteil wird er von der im 17. Jahrhundert teuersten Tulpe, der „Semper Augustus“, umrahmt. Maderthaner bezieht sich dabei auf das historische Gemälde „Eine Satire auf die Tulpenmanie“ von Jan Brueghel dem Jüngeren aus dem Jahr 1640.
„Der Spekulant“ ist eigens für die Ausstellung entstanden. Das Werk ist eine subtile Anspielung auf menschliche Gier, Eitelkeit und Geschäftemacherei.
Die Symbolkraft von Pflanzen
Kaum eine Pflanze ist so stark mit kultureller Bedeutung aufgeladen wie die Rose. Sie gilt als Symbol für Liebe, Begehren und Vergänglichkeit. Ihre Stacheln verleihen ihr eine ambivalente Natur: Sie verbinden Anmut mit Verletzlichkeit und Schönheit mit Gefahr. Diese Dualität greift Renate Bertlmann (* 1943), die für ihre feministischen Arbeiten bekannt ist, in ihrer Skulptur „Venice Rose“ auf. Aus der Blütenmitte ragt eine scharfe Messerklinge heraus. Bertlmanns „Venice Rose“ ist somit gleichermaßen zerbrechlich wie tödlich und lässt sich als Kommentar zu Machtstrukturen, Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Widersprüchen lesen.
In der christlichen Kunst ist die Rose eines der bedeutendsten marianischen Symbole. Ihre Schönheit, ihr Duft und ihre Form machen sie seit Jahrhunderten zu einem Sinnbild für Maria. Ein prägnantes Beispiel in der Ausstellung ist „Maria mit Kind in einer Landschaft“ (1626) von Jan Brueghel dem Jüngeren, eine Leihgabe des Kunsthistorischen Museums Wien.
Die Rose ist auch ein zentrales Motiv in Blumenstillleben, die zumeist einen enzyklopädischen Ausdruck floraler Fülle darstellen. Das barocke Meisterwerk Blumen in Vase mit zwei Putten (1748) von Ignaz Stern zeigt eine prächtige Vase, die mit mehr als zwanzig Blumen in leuchtenden Farben gefüllt ist. Rosen, Lilien, Dahlien, Jasmin, Rittersporn, Zinnien, Sonnenblumen und Kaiserkronen symbolisieren die florale Fülle eines Jahres und zugleich die Vergänglichkeit des Lebens.
Ein besonderes Objekt aus dem Porzellanmuseum im Augarten in Wien ist das Bourdalou (1744/1749). Ein Kanarienvogel, Korbgeflecht- und Blütendekor zieren das Porzellan. Es handelt sich um eine originelle Erfindung des 18. Jahrhunderts, die speziell für die Bedürfnisse von Frauen entwickelt wurde.
Das Motiv der Sonnenblume hat in der Kunstgeschichte eine lange Tradition und ist vor allem durch Gemälde von Vincent van Gogh ikonisch geworden. Auf diese Werke spielen die Porträtaufnahmen von Andy Warhol an, die der britische Fotograf Steve Wood im Jahr 1981 aufgenommen hat. Sie zeigen den Pop-Art-Künstler mit Sonnenblumen, deren Farbigkeit mit Warhols blasser Erscheinung kontrastiert. Die Fotografien erinnern an Warhols eigene Kunstproduktion, in der Blumen eine wichtige Rolle spielen.
Anna Jermolaewa (* 1970) präsentiert in ihrem Werk „The Penultimate“ aus dem Jahr 2017 neun unterschiedliche Blumenarrangements, die jeweils für eine Farbrevolution und einen meist friedlich verlaufenden Regimewechsel stehen. Beispiele hierfür sind die Nelkenrevolution in Portugal (1974), die Orangene Revolution in der Ukraine (2004) oder die Zedernrevolution im Libanon (2005).
Projektionsflächen religiöser und gesellschaftlicher Vorstellungen
Während der Apfel bei Darstellungen von Adam und Eva im Paradies als verbotene Frucht und somit als Symbol für Schuld und Strafe steht, wird er bei Darstellungen von Maria mit dem Jesuskind zum Zeichen für Hoffnung und Erlösung. Die spätgotische Madonna aus dem Umkreis des bedeutenden Künstlers Michael Pacher aus dem 15. Jahrhundert zeigt Maria mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß. Der Apfel in der Hand des Jesuskindes wird hier zum Zeichen der Erlösung. In der Skulptur „Maria mit Kind“ aus dem Umkreis von Lienhart Astl (um 1520) hält das Jesuskind einen Apfel, gekrönt von einem Kreuz, in der Hand. Er verweist auf die zentrale Botschaft des Christentums, nämlich die Überwindung von Sünde und Tod durch den Kreuzestod Jesu. Im weltlichen Bereich wird der Apfel zum Sinnbild für Macht, Herrschaft und Kontrolle. Ein Beispiel hierfür ist das „Porträt Josephs II. mit der Kaiserkrone und Justitia im Hintergrund“ (1781) von Johann Martin Schmidt.
In Darstellungen von Adam und Eva im Paradies steht der Apfel als verbotene Frucht für Schuld und Strafe. Für zeitgenössische Künstler:innen ist die biblische Geschichte eine reiche Inspirationsquelle. Margit Palme (*1939), Bernhard Tragut (*1957) und Astrid Esslinger (*1958) nutzen die Erzählung als vielseitige Metapher für aktuelle Themen wie Fragen der Identität, traditionelle Geschlechterrollen oder feministische Interpretationen.
Brigitte Corell (* 1948) greift schließlich den Apfel als Symbol für New York auf. In ihrer Arbeit „Big Apple (SKeiline)” von 2017 bezieht sie sich auf den sogenannten „Big Apple”, indem sie das Markenzeichen der Stadt, ihre ikonische Skyline, aus gefundenen Holzstücken neu entstehen lässt.
Die Lilie ist in der christlichen Ikonografie das Attribut der Jungfrau Maria und dient als visuelles Zeichen für Tugendhaftigkeit, göttliche Auserwählung und die Reinheit des Herzens. In dem Werk „Maria Verkündigung“ von Peter Candid aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind die Jungfrau Maria und der Erzengel Gabriel mit der Lilie dargestellt. Bei Lisa Huber (* 1959) steht die Lilie als Attribut des bekannten Franziskanerpredigers Hl. Antonius für Reinheit und sein mönchisches Leben.
Elfriede Mejchar (1924–2013), die Grande Dame der Fotografie, begann in ihrem Spätwerk, Blumen in leuchtenden Farben zu fotografieren. Sie dokumentierte die Blühstadien von Lilien, Tulpen und Amaryllis, die sie in ihrem eigenen Garten züchtete.
Konsumkritik und Ökologie
Zahlreiche zeitgenössische Künstler:innen greifen auf florale oder pflanzliche Motive zurück, um Fragen von Konsum, Globalisierung und Ökologie zu verhandeln. Klaus Pichler (* 1977) zeigt in seiner Fotoserie „One Third“ (2011–2023) prachtvoll inszenierte Stillleben aus weggeworfenen Lebensmitteln und macht auf die Absurditäten der westlichen Überflussgesellschaft aufmerksam. Unter den zwölf verdorbenen Lebensmitteln finden sich Tomaten, Kartoffeln und Bananen. Der Titel der Serie bezieht sich auf eine UN-Studie, der zufolge ein Drittel aller global produzierten Nahrungsmittel verschwendet wird.
Andreas Gursky (* 1955) thematisiert in seinem Werk „Ohne Titel XXI” von 2016 die industrielle Produktion von Schnittblumen in den Niederlanden. Das Foto zeigt die makellose Monotonie eines Tulpenfeldes aus der Vogelperspektive und macht auf den immensen Flächen-, Wasser- und Pestizidverbrauch beim Anbau der Blumen aufmerksam.
Markus Huemer (* 1968) thematisiert in seinem Schnittblumen-Zyklus das Paradoxon, dass der Markt für Schnittblumen drastisch gewachsen ist, obwohl der Klimawandel und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit allgegenwärtige Themen sind. Während wir unsere private Lebensumgebung kurzfristig verschönern und uns an der Natur erfreuen, wächst unser ökologischer Fußabdruck. Die meisten im deutschsprachigen Raum erhältlichen Schnittblumen stammen aus Kenia oder Äthiopien und haben einen langen Weg hinter sich, bevor sie uns in der häuslichen Vase erfreuen.
Pflanzen im Zusammenhang mit Kolonialisierung und Globalisierung
Kulturpflanzen können als Symbole für internationale Handelsnetzwerke und die damit verbundenen Machtstrukturen gelesen werden. Seit 2015 thematisiert Maja Vukoje (* 1969) in ihrer Malerei die Geschichte kolonialer Produkte wie Kaffee, Kakao und Zucker. Das 2017 entstandene Gemälde „Bohne” zeigt eine überdimensionale Kaffeebohne auf einem bedruckten Jutesack, der ursprünglich zum Transport von Kaffee diente. Als Pigment und Malmittel verwendet die Künstlerin oft Kaffeepulver. Mit dem Werk „McPop“ aus dem Jahr 2023, das eine unreife Mohnkapsel zeigt, übt sie subtile postkoloniale Kritik an den Handels- und Ausbeutungsbeziehungen.
Kaffee wurde ab dem 17. Jahrhundert nach Europa importiert. Die Beliebtheit des Heißgetränks zeigen verschiedene Exponate. So feiert das Porträt des Gründers des legendären Café Tomaselli in Salzburg aus dem Jahr 1771 die im 18. Jahrhundert aufkommende Kaffeekultur und betont zugleich die Rolle des Dargestellten als deren Pionier. Eine kunstvoll gestaltete Kaffeetasse mit Untertasse verbindet luxuriöses Design mit einer charmanten Botschaft. Die Tasse ist außen mit einer Kaffeepflanze verziert, während die Untertasse die Inschrift „Ohne Dich kann ich nicht leben“ trägt. Ob damit eine geliebte Person oder der Kaffee selbst gemeint ist, bleibt offen.
Mit ihrer vielschichtigen Installation „Magellan und Semiramis“ aus dem Jahr 2024 hat Frenzi Rigling (*1958) eine poetische Reflexion über Handel, Kultur und Natur geschaffen. Die aus Filz geschnittenen Wörter Zimt, Pfeffer, Nelken und Muskat hängen in Strängen von der Decke. Mit ihrem Duft symbolisieren sie die Sehnsucht nach fernen Ländern. Auf einer blauen Leinwand, die Assoziationen an das Meer weckt, wirken die Filzreste aus den Wortzwischenräumen, die im Sud der jeweiligen Gewürze getränkt wurden, wie Treibgut, das von weit entfernten Handelsrouten an die Küste gespült wurde.
Genuss- und Giftpflanzen
Neben Kaffee und Gewürzen ist auch Tabak ein Produkt aus Übersee. Mit der industriellen Zigarettenproduktion ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann der weltweite Siegeszug des Tabakkonsums, der zunächst lange eine männliche Domäne war. Die deutsche Frauenrechtlerin Louise Franziska Aston (1814–1871) fiel durch öffentliches Zigarrenrauchen und das Tragen von Männerkleidung auf. Damit setzte sie ein starkes und mutiges Zeichen für die Emanzipationsbestrebungen im 19. Jahrhundert. Johann Baptist Reiter (1813–1890), einer der wichtigsten oberösterreichischen Maler des 19. Jahrhunderts, porträtierte sie 1847 als „Die Emanzipierte“: Selbstbewusst bläst sie mit erhobenem Haupt den Rauch einer Zigarre durch die fast geschlossenen Lippen. Als Symbol für Unabhängigkeit und gesellschaftliche Gleichstellung lassen sich auch die Zigaretten in den Händen der „Rauchenden Damen I und II” von Margit Palme (* 1939) aus dem Jahr 1970 deuten.
In der Ausstellung dokumentieren eine Tabakpfeife aus dem Nagaland, eine historische Wasserpfeife, ein Tabakbeutel der österreichischen Schauspielerin Katharina Schratt aus dem frühen 20. Jahrhundert und verschiedene Tabakproben aus Brasilien den Tabakkonsum. Der Film „Die Kremser Tabakfabrik“ erzählt die Geschichte der Virginier-Zigarre aus Krems-Stein.
Aus kunsthistorischer Sicht ist Wein aufgrund seiner vielschichtigen Symbolik ein beliebtes Motiv. In der christlichen Kunst ist der Wein eng mit der Leidensgeschichte Christi verbunden, wie etwa in dem Werk „Christus unter Weinranken (Allegorie der Eucharistie)” von Joseph Winterthaler dem Jüngeren (1852–1901).
Im katholischen Gottesdienst wird die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi als Geheimnis des Glaubens gefeiert. Als zentrales liturgisches Gefäß fungiert dabei der Kelch. In der Ausstellung ist ein besonders reich geschmückter barocker Kelch aus dem Stiftsmuseum Klosterneuburg zu sehen.
Bei Jan van Dalen (1632–1670) verkörpert „Bacchus” (1648) die Sinnlichkeit und die Exzesse des Wein- und Lebensgenusses. Sein verschmitztes Lächeln und die geröteten Wangen deuten auf seine Weinlaune hin. Das Gemälde aus dem Kunsthistorischen Museum Wien ist ein eindrucksvolles Beispiel barocker Genremalerei.
Giftpflanzen symbolisieren die Ambivalenz der Natur, die gleichermaßen Leben und Zerstörung hervorbringt. Michaela Brückmüller (* 1971) fotografiert einheimische Giftpflanzen – darunter Gemeiner Stechapfel, Maiglöckchen, Herbstzeitlose und Schwarze Tollkirsche – vor schwarzem Hintergrund. Dadurch werden feine Details herausgehoben und die Ambivalenz von Schönheit und Gefahr betont.
Mit dem Gift eng verbunden ist der Tod. Paul Kranzler (* 1979) hat mit seiner seit 2010 entstandenen Serie „Vademecum“ vielen Toten eine letzte fotografische Ehre erwiesen. Das Bild mit der Aufschrift „Chatarina” zeigt den kunstvoll mit Blumenmotiven bemalten Totenschädel einer Frau aus dem weltberühmten Beinhaus in Hallstatt. Vor tiefschwarzem Hintergrund tritt er uns entgegen und erinnert uns als Vanitasmotiv an unsere eigene Vergänglichkeit.
Pflanzen als Lebensgrundlage
Als Grundlage des marinen Lebens produziert die Alge Sauerstoff und gilt als vielseitig einsetzbarer Rohstoff der Zukunft. Thomas Feuerstein (* 1968) nutzt Algen in interdisziplinären Projekten, um die Verbindung von Kunst und Wissenschaft sichtbar zu machen. Sein Bioreaktor „TRIFFID” aus dem Jahr 2016 erzeugt Biomasse aus CO₂, Wasser und Licht. Diese verarbeitet der Künstler zu Pigmenten für seine Gemälde. Während Feuerstein mithilfe von Algen biologische Prozesse veranschaulicht, stehen bei Monika Pichler (* 1961) die ästhetischen und formalen Qualitäten ihres „Algenteppich I“ aus dem Jahr 2024 im Mittelpunkt.
Getreide ist eine grundlegende Nahrungsquelle der Menschheit. In der christlichen Kunst hat die Darstellung von Getreide eine lange Tradition. Die Kornähren und Weintrauben auf der Monstranz aus dem Stiftsmuseum Klosterneuburg (Mitte des 18. Jahrhunderts) stehen für Brot und Wein (Leib und Blut Christi). Die von einem Strahlenkranz umgebene Mitte ist der Hostie vorbehalten. Diese ist das zentrale Element in dem Gemälde „Sanctissimum im Blumenkranz“ von Abraham Mignon (1640–1679). Um sie herum entfaltet sich ein prachtvoller Kranz aus Blumen, die das Göttliche auf symbolische Weise ehren.
In diesem Ausstellungsbereich treffen Ährenpräparate verschiedener Getreidesorten aus dem Herbarium der Universität Wien auf Werke von Carl Spitzweg (1808–1885) und Bruno Gironcoli (1936–2010).
Faszinierende Einblicke in die Pflanzenwissenschaft
Zahlreiche naturwissenschaftliche Objekte, die zum Teil noch nie in diesem Umfang gezeigt wurden, runden die Präsentation ab. Der Bogen spannt sich von Exponaten, die während der ersten österreichischen Weltumseglung mit der Fregatte SMS Novara (1857–1859) gesammelt wurden, bis hin zu hochaufgelösten, rasterelektronenmikroskopischen Aufnahmen von Pollenkörnern. Ein besonderes Highlight sind die filigranen und äußerst seltenen Blütenmodelle aus Papiermaché, Holz, Kork und Gelatine der ersten Serie aus der Breslauer Zeit (19. Jahrhundert) von Robert Brendel. Aus dem ehemaligen Botanischen Museum der k.k. Universität Wien haben sich Feuchtpräparate vom Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten. In der Ausstellung werden mehr als 60 Glasgefäße mit in Alkohol konservierten Pflanzen und Pflanzenteilen präsentiert. Wertvolle Bücher mit Pflanzendarstellungen, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, sowie Naturselbstdrucke und das fotografische Verfahren der Cyanotypie spiegeln die Veränderungen in der naturwissenschaftlichen Forschung der vergangenen Jahrhunderte wider.
Pflanzen im Rampenlicht
„Flower Power” ist ein vielschichtiger Streifzug durch Wissenschaft und Kunst, durch Geschichte und Gegenwart, bei dem die Pflanze die stille, aber kraftvolle Protagonistin ist. Aus der unendlichen Fülle der Natur wurden 18 Speise-, Nutz- und Zierpflanzen ausgewählt. Anhand von mehr als 400 Exponaten wird ein sinnlicher, emotionaler und erkenntnisreicher Dialog zwischen Naturwissenschaft und Kunst gezeigt.
Flower Power
Eine Kulturgeschichte der Pflanzen
Bis 15. Februar 2026