13. September 2022 - 23:13 / Aktuell / Film / Köpfe 

Der französisch-schweizerische Filmregisseur und Drehbuchautor Luc Godard, der mit Kinoklassikern wie etwa "Außer Atem", "Die Verachtung" oder "Weekend" Filmgeschichte geschrieben hat, ist im Alter von 91 Jahren in Paris gestorben. "Wir haben einen nationalen Schatz verloren", konstatierte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einer ersten Reaktion. Godard wird von Kritikern zu den einflussreichsten Filmregisseuren der Filmgeschichte gezählt.

Mit innovativen, sehr gesellschaftskritischen Filmen prägte er insbesondere in den 1960er-Jahren nachhaltig das Kino.

Statt wie üblich im Studio zu drehen, fing Godard die Cafes und Straßen in Paris mit seiner Handkamera ein, vor der sich Jean-Paul Belmondo frei bewegte. Seine Schnitte folgten weder Regeln noch einem Rhythmus. Mit "Außer Atem" mit Jean Seberg und Belmondo schuf Godard ein Meisterwerk, das 1960 die Filmsprache revolutionierte. In der Folge experimentierte er unermüdlich mit Form, Inhalt und den Sehgewohnheiten der Zuschauer – bis hin zur kompletten Rätselhaftigkeit. In 1960ern brach er als Teil der "Nouvelle Vague" mit zahlreichen bis dato selbstverständlichen technischen und inhaltlichen Konventionen des Kinos.

Bis zum Ende der 1960er Jahre war Godard sehr produktiv, wobei Filme wie "Weekend", "La chinoise" oder "Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß" chronologisch schwer einzuordnen sind, da sie teilweise parallel gedreht wurden. Er bewegte sich in diesen Arbeiten immer weiter weg vom realistischen Erzählkino im Stil von Truffaut hin zu einem experimentellen Umgang mit Musik, Schrifttafeln und zum Beispiel Beiträgen zum Vietnamkrieg, der in fast allen Filmen dieser Zeit Erwähnung fand. "Weekend" beispielsweise enthält eine der längsten Kamerafahrten der Filmgeschichte, die viermal durch Schrifttafeln unterbrochen wird.

Godard war einer der führenden Vertreter der Nouvelle Vague und der Auteur-Theorie. Seine Filme gelten als richtungsweisend. Sie sind unter anderem gekennzeichnet durch ihre freie und experimentelle Form. Er widersetzte sich von Anfang an dem Stil des klassischen Hollywood-Kinos, indem er beispielsweise Dialoge nicht auf die herkömmliche Weise (Schuss und Gegenschuss) filmte, sondern mit Kamerabewegungen und Positionen experimentierte.

Der Filmemacher setzte sich in vielen seiner Filme auch mit dem Problem auseinander, in welcher Beziehung Sprache und Bild zueinander stehen und suggerierte damit einerseits, dass die Sprache zwar niemals akkurat eine bildliche Handlung wiedergeben könne, andererseits traute er der Poesie der Bilder nicht ("Wir versuchen, immer weniger Bilder zu zeigen und mehr Töne zu machen"). Er versuchte die Kontrolle über die Bilder mit Hilfe der Sprache zu gewinnen. Nach 1967 sprach Godard nicht mehr vom Film an sich, sondern nur noch von Bildern und Tönen.

Das Kino Godards lässt sich nicht auf eine Stilrichtung reduzieren, denn gerade seine qualitativ unterschiedlichen und zum Teil sich widersprechenden Haltungen machen sein Gesamtwerk mitunter schwer fassbar. Wie ein Wissenschaftler war Godard immer auf der Suche nach der Wahrheit, die seiner Meinung nach mit den klassischen Mitteln der Filmerzählung höchstens vorübergehender Natur sein kann. Ähnlich wie für Friedrich Schlegel ("Nur das Unvollendete kann begriffen werden.") waren für Godard neue Ziele wichtiger als der zurückgelegte Weg.
(Quelle: Wikipedia)