21. Januar 2010 - 4:05 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Nachdem Koch Media schon 2008 drei wenig bekanntere Werke des Film noir auf DVD herausgebracht hat, legt das Label nun mit "Desert Fury" und "Der schwarze Spiegel" nach. – Nicht nur zwei ganz unterschiedliche, sondern auch unterschiedlich gelungene Filme.

Im Frühjahr 2008 eröffnete Koch Media die Film noir Collection mit der Veröffentlichung von drei wenig bekannten, aber dennoch starken Filmen. Jetzt wird die Reihe fortgesetzt. Robert Siodmak gehörte zweifellos zu den Meistern des Film noir. Mit "Criss Cross – Gewagtes Alibi" schuf er einen Höhepunkt dieser Stilrichtung, 90 Minuten Hochspannung erzeugte er auch in seinem Thriller "The Spiral Staircase". Ganz mitzuhalten vermag damit der 1946 gedrehte "Der schwarze Spiegel" zwar nicht, aber packende Unterhaltung wird dennoch geboten.

Der Plot ist einfach: Ein Mord ist passiert und die Täterin scheint schon gefasst. Doch da tritt eine Zwillingsschwester auf und gegenseitig geben sie sich ein Alibi. Für den Zuschauer ist bald klar, welche der beiden von Olivia de Havilland gespielten Frauen die nette, welche die Mörderin ist. Die Polizei und auch der zu Rate gezogene Psychologe stehen aber vor einem Problem.

Die psychologischen Ausführungen mögen hanebüchen sein, die diversen Tests mit Lügendetektor, freien Assoziationen oder Rorschachtest arg simplifizierend, doch Siodmak inszeniert das Ganze so schnörkellos trocken und entwickelt die Handlung so stringent, dass man "Der schwarze Spielgel" sein Alter einerseits nicht ansieht, andererseits auch kein Leerlauf aufkommt. Ganz von den glänzenden Darstellern und den knappen Dialogen lebt der dichte Film dann auch, Innenszenen dominieren, klassische Film noir Momente wie die verregnete nächtliche Großstadt oder eine Femme fatale fehlen dagegen.

Weniger zu überzeugen vermag da Lewis Allens "Desert Fury". Da überrascht für einen als Film noir angekündigten Film zunächst schon mal die Farbfotografie und der Schauplatz: So beeindruckend auch die rotbraunen Sandsteinformationen und die Weite des Südwestens der USA sein mögen, so wenig hat dies doch mit einem Film noir zu tun. Licht statt Dunkelheit dominiert hier und statt zum Thriller entwickelt sich der Film eher zum Coming-of-Age-Melodram. Im Mittelpunkt steht die junge Paula, die gegen ihre dominante Mutter aufbegehrt, und sich in den zwielichtigen Spieler Eddie Bendix verliebt.

Wäre die dysfunktionale Mutter-Tochter-Beziehung und Paulas obsessive Beziehung zu Eddie, der wiederum von seinem offensichtlich homosexuellen Diener – ein Thema, das der 1947 gedrehte Film freilich noch nicht offen ansprechen durfte – von Paula abgebracht werden will, konsequent entwickelt worden, hätte das ein durchaus reizvolles und emotional packendes Melodram werden können.

Doch Allen erlaubt sich so viele Umschwünge im Verhalten und den Gefühlen seiner Figuren, dass diese nicht schillernd und facettenreich, sondern nur noch psychologisch unglaubwürdig wirken. Leidlich unterhaltsam ist das immer noch und schauspielerisch mag immerhin Mary Astor als Mutter voll zu überzeugen, aber ein wirklich dichter und überzeugender Film – oder gar ein großer Film noir – ist "Desert Fury" sicher nicht.

Die Extras sind mit Trailer und Bildergalerie eher spärlich, dafür soll es (bei den vorliegenden DVDs fehlte dies) wie gewohnt bei Koch-Media zu den beiden DVDs informative Booklets geben.



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Der schwarze Spiegel (Robert Siodmak, 1946)
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Der schwarze Spiegel (Robert Siodmak, 1946)
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