6. Januar 2011 - 4:00 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Mit "Der General starb im Morgengrauen" und "Du und Ich - You and Me" bringt Koch Media zwei weitere, eher unbekannte US-Filme auf DVD in der Reihe "Film Noir Collection" heraus. Die Etikettierung als Film noir erscheint allerdings sowohl für Lewis Milestones in China spielenden Abenteuerfilm als auch für Fritz Langs Mix aus Sozialdrama, Musical, Gangster- und Liebesfilm fragwürdig.

Im Frühjahr 2008 eröffnete Koch Media die Film noir Collection mit drei Filmen und setzte sie im Herbst 2009 mit Robert Siodmaks "Der schwarze Spiegel" und Lewis Allens "Desert Fury" fort. Jetzt aber Lewis Milestones "Der General starb im Morgengrauen" (1936) und Fritz Langs "You and Me" (1938) in dieser Reihe zu präsentieren, erscheint doch als äußerst fragwürdig. So erfreulich die Ausgrabungen auch sind, mit dem Film noir haben die beiden Produktionen aus den 1930er Jahren auch dann kaum etwas zu tun, wenn man den Begriff sehr weit fasst.

Milestones "Der General starb im Morgengrauen" ist trotz seines Alters und einer hanebüchenen Story ein immer noch recht unterhaltsamer, in China spielender Abenteuerfilm. Gary Cooper muss hier als Abenteurer, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, für die von einem Kriegsherrn unterdrückte und rebellierende Bevölkerung Geld für einen Waffenkauf nach Shanghai bringen, wird aber durch den Verrat einer jungen Amerikanerin gefasst. Er kann zwar entkommen, doch das Geld hinter dem nicht nur die Rebellen und der General her sind, bleibt vorerst verschwunden.

So ist das Geldpaket das Movens der Handlung, treibt das Geschehen voran, sorgt immer wieder für neue Wendungen, die das Interesse des Zuschauers aufrecht erhalten, während der zu Beginn herausgearbeitete pseudohistorische Hintergrund bald keine Rolle mehr spielt.

Mehr als die Handlung überzeugt die Figurenzeichnung, denn außer Coopers Abenteurer werden nicht nur der machtgierige General, sondern auch alle Amerikaner negativ gezeichnet. Am besten kommt da noch Madeleine Carrolls Judy weg, die nicht aus eigenem Interesse handelt, sondern von ihrem Vater emotional erpresst wird. Zu diesem schmierigen und egoistischen Opportunisten kommen auch noch ein alkoholsüchtiger Waffenhändler, dem egal ist, wem er seine Ware verkauft, ein mieser Erpresser und ein Journalist ohne jede moralische Überzeugung.

Hanebüchen ist auch die Story von "You and Me" (1938), mit dem Fritz Lang nach "Fury" und "You Only Live Once" seine "soziale Trilogie" abschloss. Ursprünglich war dieser Film als Brechtsches Lehrstück angelegt, entstanden ist letztlich eine Lobeshymne auf einen sozialen Kapitalismus. Böse Kritik am amerikanischen Wirtschaftssystem kann man noch in der Eröffnung sehen, bei der zum Song "You cannot have something for nothing" Luxusartikel und Registrierkassen gezeigt werden.

Verlockend sind diese Waren, doch stehlen bringt nichts. Deshalb hat Mr. Morris in seinem Kaufhaus zwecks Resozialisierung Ex-Häftlinge eingestellt. Rasch verliebt sich da der Ex-Gangster Joe (George Raft) in Helen (Sylvia Sydney), ohne zu wissen, dass sie auch mehrere Jahre hinter Gittern verbrachte. Heimlich wird geheiratet und ihr zuliebe will Joe sauber bleiben. Als er aber die Wahrheit über die Vergangenheit seiner Frau erfährt, fühlt er sich von ihr hintergangen und willigt ein mit seinen Kumpanen das Kaufhaus auszurauben.

Nie können freilich wirklich Zweifel aufkommen, dass in diesem dialoglastigen Mix aus Sozialdrama, Musical, Gangster- und Liebesfilm alles gut enden wird und in einer hochmoralischen Lehrstunde rechnet Helen der Gangsterbande auf einer Schultafel vor, dass sich Verbrechen rein finanziell nicht bezahlt macht. Belohnung kann bei Befolgung der weiblichen Lektion freilich nicht ausbleiben und so wirkt das Ende geradezu märchenhaft. – Oder ist das Ganze eine sarkastische Kritik an der amerikanischen Gesellschaft, in der die sozial Schwachen mit Almosen ruhig gestellt und eingelullt werden, während die Herren in den Chefetagen ein Luxusleben führen?

Erfreulich ist an dieser DVD, dass damit von Koch-Media ein auch im Fernsehen kaum zu sehender Fritz-Lang-Film ausgegraben wurde. Spärlich wie gewohnt bei diesem Label sind aber die Extras, die sich auf Trailer und Bildgalerie beschränken. An Sprachversionen bietet "Der General starb im Morgengrauen" zwar sowohl die englische als auch die deutsche Fassung, aber keine Untertitel, bei "You and Me" gibt es nur die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel dazugeschaltet werden können.



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