13. November 2008 - 8:41 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Der Film Noir der 1940er und 1950er Jahre gehört zu den faszinierendsten Phasen nicht nur des amerikanischen Kinos. Mit "The Blue Dahlia", "The Big Clock - Spiel mit dem Tode" und "Black Angel - Schwarzer Engel" hat Koch Media drei weniger bekannte Werke dieser filmischen Richtung auf DVD herausgebracht.

Mit seinem Fatalismus, seinen gierigen Frauen und den hilflosen Männern auf der inhaltlichen Ebene und dem Spiel mit Rückblenden und Licht und Schatten auf der formalen Seite sowie in seiner Ambivalenz und Abgründigkeit faszinieren und beunruhigen die Meisterwerke des Film noir auch über ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung. Nicht zwingend einem Genre zuzuordnen sind die Werke dieser filmischen Richtung, Bindeglied sind vielmehr die pessimistische Weltsicht und wiederkehrende Charaktere.

Spannend an George Marshalls "The Blue Dahlia" (1946), zu dem Raymond Chandler das Drehbuch schrieb, ist vor allem die Verknüpfung der Handlung mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt stehen drei Soldaten, die teils physisch und psychisch lädiert in eine Gesellschaft zurückkehren, die sich gewandelt hat. Die Gattin hat eben nicht auf ihren Mann gewartet, sondern sich mit Partys und anderen Männern vergnügt und trägt sogar Mitschuld am Unfalltod des gemeinsamen Kindes. Die Exposition ist aufregend, doch leider entwickelt sich "The Blue Dahlia" mit Fortdauer zu einem klassischen "Whodonit", der vor allem über die knappen und präzisen Dialoge funktioniert, aber nur in wenigen Szenen wirklichen Stilwillen zeigt.

Faszinierender ist da schon John Farrells "The Big Clock" ("Spiel mit dem Tode", 1948), der sich sowohl der für den Film noir typischen Rückblendenstruktur bedient als auch auf vielfältige Weise mit dem schon im englischen Titel anklingenden Motiv der Zeit spielt. Wie in "The Blue Dahlia" muss auch hier ein Verdächtiger seine Unschuld beweisen, doch "The Big Clock" hat deutlich mehr Drive. Das liegt einerseits an der schnörkellosen und knappen Inszenierung Farrells, der das Netz um den unschuldigen Protagonisten, aber gleichzeitig auch um den wahren Täter geschickt immer enger spannt, andererseits an den mit Ray Milland und Charles Laughton stark besetzten Gegenspielern. Auch hier findet sich ein deutlicher und bitterer Reflex auf die amerikanische Gesellschaft, wenn der von Laughton gespielte Verleger als rücksichtsloser Kapitalist, der nur an Gewinnmaximierung interessiert ist, gezeichnet wird.

In dem von Cornell Woolrich geschriebenen und von Roy William Neill inszenierten "Black Angel" ("Schwarzer Engel", 1946) sitzt schließlich der Unschuldige schon wegen des Mordes an einer Sängerin zum Tode verurteilt im Gefängnis. Verzweifelt versucht nun seine Frau, unterstützt vom Ex-Mann der Toten den von Peter Lorre gespielten Nachtclubbesitzer als wahren Schuldigen zu überführen

Stilvoll und zu den Filmen passend ist das schwarzweiße Cover, spartanisch dafür das Bonusmaterial, das sich jeweils auf den originalen Kinotrailer und eine Bildergalerie beschränkt. Dafür ist andererseits in jede DVD-Hülle ein 12-seitiges Booklet eingeklebt, in dem Hintergrundinformationen zur Produktion des jeweiligen Films geliefert werden. Die Bildqualität der Filme lässt nichts zu wünschen übrig, ausbaufähig freilich ist die Sprachauswahl bzw. Untertitelung, denn zu der originalen und deutschen Version gibt es nur englische, aber keine deutschen Untertitel.



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The Blue Dahlia (George Marshall, 1946)
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The Big Clock (John Farrell, 1948)
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Black Angel (Roy William Neill, 1946)