Figurative Malerei von Dana Schutz

Das Werk der in New York lebenden amerikanischen Künstlerin Dana Schutz zählt zweifellos seit mehr als zwei Jahrzehnten international zu den beeindruckendsten Positionen der jüngeren figurativen Malerei.

Immer wieder gelingt es der Malerin, uns mit ihrer ausdrucksstarken Bildsprache in ihre kompositorisch dichten Gemälde hineinzulocken, in denen wir uns in fantastischen Welten voller Rätsel und Allegorien verlieren. Auf den ersten Blick wirken die Bildthemen weit entfernt von unserer Lebensrealität. Der Schein trügt jedoch, und genau darin liegt die subversive künstlerische Stärke. Mit ihrer spielerischen Leichtigkeit halten uns Dana Schutz’ Bildgeschichten den Spiegel unseres Daseins vor Augen. In den euphorischen Farbwirbeln ihrer Malerei präsentieren sich kleinere und größere Missgeschicke sowie Tragödien, die als moderne Mythen verkleidet sind. Sie werfen Fragen auf, die beantwortet werden wollen.

Parallel zu ihrem malerischen Werk reflektiert Dana Schutz (* 1976) ihre Bildgeschichten schon immer in druckgrafischen Serien. Ihr virtuoser und innovativer Umgang mit verschiedenen grafischen Techniken erlaubt es ihr, ein Bildmotiv in unterschiedlichen künstlerischen Medien durchzuspielen, die gefundene Bildlösung zu reflektieren und neue kompositorische Lösungen zu finden. Oftmals überdenkt sie das Motiv in der Druckgrafik und justiert es inhaltlich neu. Selten hat man die Gelegenheit, pulsierende künstlerische Innovationskraft so unmittelbar mitzuerleben. In ihren jüngsten großformatigen, delikaten Monotypien untersucht Dana Schutz menschliche und zwischenmenschliche Zustände des Seins. Dabei schweift ihr malerischer Gestus zuweilen so weit aus, dass sich die Bilderzählungen in abstrakte Farbexzesse auflösen.

Für ihr Münchner Debüt in der Staatlichen Graphischen Sammlung rückt Dana Schutz erstmals ihre Zeichnungen in den Fokus. Nie zuvor hat eine Ausstellung eine derart hohe Konzentration an Skizzen, Studien und Vorzeichnungen zu ihrem malerischen Werk präsentiert. Sicher ist, dass Dana Schutz sich mit ihren neuesten Werken auf Papier selbst übertroffen hat und dass wir einen seltenen Blick auf ihre Meisterzeichnungen werfen können. Ihre großformatigen Papierarbeiten, die ausschließlich mit Kohle gezeichnet wurden, erinnern nicht von ungefähr an die flächenfüllenden Wandbilder, die sogenannten Murals, der amerikanischen Avantgarde, allen voran der Abstrakten Expressionisten der New York School, in die man als Betrachter eintaucht. In München feiern Dana Schutz’ zeichnerische Murals ihre Weltpremiere.

Mit diesem Projekt erörtert die Staatliche Graphische Sammlung München erneut die Frage nach dem Stellenwert der Zeichenkunst im 21. Jahrhundert als Impulsgeberin innerhalb der Bildenden Künste und ihrer Rolle als existenzielle Ausdrucksform menschlichen Intellekts und seiner Schöpfungskraft. Auf das Schönste demonstrieren Dana Schutz’ Meisterblätter im Zusammenspiel mit ihrer Malerei, dass die Innovationskraft der Zeichenkunst nichts von ihrer Vitalität verloren hat.

Dana Schutz – Trouble and Appearance
Bis zum 04.10.2026