10. August 2007 - 4:52 / Musiktheater
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(Innsbruck) Fest wo? Festwochen der Alten Musik, heuer vom 12. bis 26. August und zum 31. Mal − in Innsbruck allenthalben: auf historischem Pflaster, in hehren Gemäuern und Ope(r)n Air. Die heurigen VIPs: der geduldige Sokrates, der schöne Acis und die milchweiße Galathea.

Klar, wollte man diese treffen, man müsste in den örtlichen Kunsttempel gehen, das Landestheater, wo zu Beginn und Ende der Festwochen zwei unterschiedliche Barockopern über die Bühne gehen. Telemann und Festivalleiter René Jacobs sind für Sokrates, Händel und Concerto Copenhagen-Leiter Lars Ulrik Mortensen für Acis und Galathea zuständig. Jacobs will den unbekannten, aber begnadeten Musikdramatiker Telemann inszenieren, den Oratoriumskomponisten darüber hinaus, dessen feinfühlige Brockespassion deshalb zur Festivalmitte am 21. August im Congress-Saal aufgeführt wird. Mortensen seinerseits möchte Händels englisches Landidyll in den Grundzügen seiner Entstehungszeit wieder erstehen lassen, als intime Pastoraloper mit jungem Sängerensemble, welches das Maskenspiel der Genien tänzerisch-komödiantisch darbietet.

Die Festwochenkonzerte setzen den Opernschwerpunkt um Telemann und Händel fort. Wie die Komponisten des 18. Jahrhunderts sehen sich die Zuschauer zum einen vor die Wahl zwischen den beiden vorherrschenden Stilen gestellt − französische Gravität (umspielt von galant tändelnden Traversflöten) oder italienisches Feuer (wie in den rasenden Läufen konzertierender Violinen)? «Vive la France» heißt es zum andern dann aber doch eindeutig im Spanischen Saal des Schlosses Ambras, wenn die Franzosen von Claude Sermisy bis Jean- Marie Leclair dran sind, oder «Pas de deux». In der Jesuitenkirche wird der Raumklang an San Marco und der Elbe wieder entdeckt (Gabrieli, Schütz) und im Dom musizieren die Vokalsspezialisten des Huelgas Ensembles Liturgisches, Motetten und Chansons.

Neben den Opernaufführungen und Konzerten bieten die Innsbrucker Festwochen auch ein breites Rahmenprogramm mit unterschiedlichsten Veranstaltungsschienen. Die erste dieser Schienen ist «Festwochen in die Stadt» mit Gratis-Konzerten in Innsbruck. «Uns ist es ein Anliegen, dass die Bürger von Innsbruck, die keine Karte kaufen, aber trotzdem mit ihren Steuergeldern das Festival sehr stark unterstützten, auch Festwochen in ihren Alltag hineinbekommen», sagt Festival-Geschäftsführerin Sarah Wilson. Lunch-Konzerte gibt’s so im Musikpavillon des lauschigen Hofgartens, Opern-Workshops bringen Tuchfühlung mit Stars und Kulissen und das Renaissancefest wird wie jedes Jahre eine Attraktion für tausende BesucherInnen werden: «maschere, commedie, balli e nient’altro» also wie zu Zeiten des Habsburger Landesfürsten Ferdinand Karl, der Innsbruck um 1650 zur Opernmetropole in den Alpen gemacht hatte. (bs)


31. Innsbrucker Festwochen Der Alten Musik
12. bis 26. August 2007



  •  12. August 2007 26. August 2007 /
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Marini Consort Innsbruck
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Open Air
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Innsbrucker Festwochen 2007