2. August 2008 - 4:01 / Ausstellung / Archiv 
9. April 2008 10. August 2008

Vom Mittwoch, 9. April bis Sonntag, 10. August 2008 zeigt das Kunstmuseum Bern eine der wichtigsten und umfassendsten Hodler-Ausstellungen mit über 150 Hauptwerken aus allen Schaffensabschnitten. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum der Bildenden Künste Budapest. Im Zentrum steht Hodlers Vision einer grossen harmonischen Einheit von Mensch und Natur.

Ferdinand Hodler (* 14. März 1853 in Bern; † 19. Mai 1918 in Genf) wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater, der Schreiner Johannes Hodler, starb früh an Schwindsucht. Die Mutter, Margarete Hodler, in zweiter Ehe mit dem Dekorationsmaler Gottlieb Schüpbach verheiratet, folgte 1867 und liess acht Kinder zurück. Ferdinand war der Älteste. 1865, bereits vor dem Tod der Mutter, hatte Ferdinand Hodler als 12-Jähriger die Werkstatt des alkoholkranken Stiefvaters übernommen und ernährte nun die Familie.

Mit 18, inzwischen Lehrling des Vedutenmalers Ferdinand Sommer, ging er nach Genf, malt Firmenschilder und kopierte Bilder im Musée Rath, wo er schließlich von Barthélemy Menn entdeckt und zu dessen Schüler wurde. 1878/1879 unternahm er eine Reise nach Spanien, wo er sich u.a. mit den Werken Velázquez auseinandersetzte. 1881 arbeitete mit anderen Menn-Schülern am Bourbaki-Panorama des Historienmalers Edouard Castres.

Mitte der 1880er Jahre begann Hodler sich von den künstlerischen Vorbildern seiner frühen Jahre zu lösen, ab 1885 entstanden Bilder im von ihm entwickelten, Parallelismus genannten Stil. Im Dezember 1885 hatte er im Genfer Cercle des Beaux-Arts seine erste Einzelausstellung. Die zweite Soloschau wurde ihm 1887 im Kunstmuseum seiner Heimatstadt Bern ermöglicht.

Mit seinem Gemälde Die Nacht (1889) gelang Hodler der Durchbruch: Die Ausstellung des Bildes im Musée Rath in Genf, das sich mit Schlaf, Tod und Sexualität beschäftigte, wurde in letzter Minute verhindert und das Gemälde als sittenwidrig verurteilt. Eine daraufhin privat organisierte Ausstellung wurde zum großen Erfolg. Es folgten Ausstellungen und Ehrungen in Paris, München und Venedig.

1892 stellte er im Salon der Rosenkreuzer in Paris das Gemälde Die enttäuschten Seelen aus und schloss sich dieser Bewegung an. Bis 1900 beschickte Hodler über 200 Ausstellungen. Auf der Weltausstellung in Paris 1900 bekam Hodler die Goldmedaille für drei seiner ausgestellten Werke. Er war jetzt einer der führenden Maler in Europa, was auch seine bis dahin eher prekäre wirtschaftliche Lage verbesserte. Noch im gleichen Jahr wurde er Mitglied der Wiener und der Berliner Secession, 1904 auch der Münchner Sezession.

Hodlers späte, expressionistisch anmutende, einfache Landschaftsgemälde machten ihn auch zu einem der bedeutendsten Maler der Alpenlandschaft. In Deutschland wurde er 1914 aus fast allen Künstlervereinigungen ausgeschlossen, als er einen Protestbrief gegen den Beschuss der Kathedrale von Reims durch die deutsche Artillerie im Ersten Weltkrieg unterschrieb. In seiner Heimat aber wuchs seine Anerkennung: Schon 1911 wurden zwei Banknoten mit Motiven seiner Bilder bedruckt, 1913 wurde ihm der Ehrendoktor der Universität Basel verliehen. 1916 erhielt er eine Professur an der Ecole des Beaux-Arts in Genf. 1917 veranstaltete das Kunsthaus Zürich eine erste große Retrospektive.

Hodler hat seit seinen Anfängen die Wirklichkeitswiedergabe konsequent ins Symbolische gesteigert. Er hat mit seinem sehr persönlichen Schaffen einen wesentlichen Beitrag zur Avantgarde seiner Zeit geleistet. Erstmals werden verschiedene Fassungen der grossen symbolistischen Figurenkompositionen systematisch miteinander in Beziehung gesetzt und so neue Einblicke in Hodlers komplizierte Motiventwicklung ermöglicht. Auch die Landschaften, Porträts und Selbstbildnisse geben Aufschluss über seine Arbeitsweise und sein künstlerisches Credo.

Die Hodler-Ausstellung im Kunstmuseum Bern ist eines der kulturellen Hauptereignisse des Jahres. Sie wurde von Katharina Schmidt und Matthias Frehner konzipiert. Ein vielfältiges Rahmenprogramm (inkl. Symposium) und ein umfangreicher Katalog, herausgegeben von Katharina Schmidt mit Unterstützung von László Baán und Matthias Frehner, runden die Ausstellung ab. Der Katalog enthält eine Reihe wesentlicher neuer Forschungsbeiträge von internationalen Spezialistinnen und Spezialisten. Er wird nachhaltig zu einer Neupositionierung Hodlers beitragen.


Ferdinand Hodler - Eine symbolistische Vision
Mittwoch, 9. April bis Sonntag, 10. August 2008

Kunstmuseum Bern
Hodlerstrasse 8-12
CH - 3000 Bern

T: 0041 (0)31 32809-44
F: 0041 (0)31 32809-55
E: info@kunstmuseumbern.ch
W: http://www.kunstmuseumbern.ch/

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