22. Februar 2010 - 2:25 / Ausstellung / Design 
6. November 2009 28. Februar 2010

Schöne, praktische, preiswerte Möbel für alle! Diese Idee ist fast so alt wie die industrielle Produktion von Möbeln und Wohnungseinrichtungen. Auch das 1948 von Ingvar Kamprad gegründete Möbelhaus Ikea erhebt diesen Anspruch von Beginn an. Den großen Erfolg und die internationale Verbreitung der größten Möbelmarke der Welt nimmt das Museum für Kunst und Gewerbe zum Anlass für die Frage, inwieweit das südschwedische Unternehmen die Ideen von Deutschem Werkbund, Bauhaus und deren Nachfolgern, bezahlbare Möbel für alle zu schaffen, einlöst.

Die Ausstellung "Fenomen Ikea" zeigt rund 250 Ikea-Produkte aus sechs Jahrzehnten, über 30 Designklassiker von Thonet, Panton, Henningsen u.a., rund 25 Reaktionen von internationalen Künstlern wie Thomas Schütte, Jason Salavon, Morten Stehen Hebsgaard u.a. und Designern auf Ikea, eine originale Frankfurter Küche von 1926, das häufigste deutsche Wohnzimmer und wie es aussieht, wenn Ikea es einrichten würde, sowie Filme und Anzeigen, Re-Designs, Plakate, Broschüren und Fotografien, um dem Phänomen Ikea nachzuspüren.

Bietet Ikea gutes Design? Woher erhält Ikea seine Ideen? Ist Ikea typisch schwedisch? Ist Wohnen organisierbar? Verspricht gutes Wohnen auch ein gutes Leben? Gibt es ein kollektives Ikea-Erlebnis? Diesen und anderen Fragen geht die interaktiv angelegte Ausstellung Fenomen Ikea nach. Im Mittelpunkt stehen die frühen Ikea-Produkte der fünfziger und sechziger Jahre, die Klassiker aus den Siebzigern und Achtzigern und zahlreiche Objekte der experimentell und individualistisch angelegten "PS Kollektion", mit deren Designideen Ikea 1995 in Mailand ein Signal gegen exklusives und hochpreisiges Design setzte. Ihnen werden exemplarisch anerkannte Designklassiker von Thonet, Verner Panton, Poul Henningsen und anderen Designern gegenüber gestellt, die auf den ersten Blick vergleichbar und doch ganz anders sind. So werden Inspirationsquellen, Fortentwicklungen, Material- und Produktionsentscheidungen deutlich, die den einzelnen Entwürfen der Ikea-Produkte zu Grunde liegen.

Begleitet wird die Gegenüberstellung der Designobjekte von weiteren zentralen Aspekten, die die kollektive Erfahrung der Kult-Marke Ikea ausmachen: Die Unternehmenskommunikation – skandinavische Moderne und schwedische Folklore; die Vision vom organisierbaren Wohnen, vorgedacht vom Deutschen Werkbund, dem Bauhaus oder der Guten Form; der praktische Alltag – Systemdesign und Do-it-yourself; Leben mit Ikea – die Rolle von Kind und Familie als Kunden; Ikea und die Folgen für Design, Kunst und Humor und der Austausch mit anderen "Ikeanern". Jederzeit. Weltweit.

"Non Ikea" heißt die Sonderschau in der Ausstellung, in der rund 25 Kunst- und Designobjekte von internationalen Künstlern und Designern zu sehen sein werden. Sie nehmen Konzepte, Materialien und Produkte von Ikea auf und machen Neues daraus: Ästhetische Überhöhungen, neue Funktionen – Subversion und Provokation. Ein Beispiel sind Arbeiten des Amerikaners Jason Salavon, der in "Field Guide to Style & Color", 2007, und "374 Farben", 2007, den Ikea-Katalog dekonstruiert, indem er Texte und Produkte verschwinden lässt – übrig bleiben Farbarrangements, die an Mondrian und De Stijl erinnern.

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Neuen Sammlung - The International Design Museum Munich.

Fenomen Ikea
6. November 2009 bis 28. Februar 2010

Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
D - 20099 Hamburg

W: http://www.mkg-hamburg.de/

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  •  6. November 2009 28. Februar 2010 /
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Jason Salavon; 374 Farben, 2007. Umsetzung des IKEA-Katalogs in Farbfelder
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Kindermobiliar Mammut, 1994; Morten Kjelstrup, Allan Östgaard. Die Neue Sammlung ? The International Design Museum Munich. Foto: Die Neue Sammlung / A. Laurenzo
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Morten Steen Hebsgaard; Ontemporary Rt # 34, 2009. Paintings, modified IKEA furnitures, 74 x w: 68 cm / h: 29.1 x w: 26.8 in. Courtesy Galleri Christoffer Egelund. (Hebsgaard bildet aus zerlegten IKEA-Möbeln beru?hmte Kunstwerke nach)
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Gartenmöbel-Sitzgruppe Skopa, 1974; Olle Gjerlöv-Knudsen, Torben Lind. Die Neue Sammlung ? The International Design Museum Munich. Foto: Die Neue Sammlung / A. Laurenzo