30. November 2019 - 4:33 / Ausstellung 
1. Dezember 2019 1. Juni 2020

Die Ausstellung «Federn – wärmen, verführen, fliegen» inszeniert einen Parcours durch die verführerische Schönheit und Formenvielfalt eines Glanzstücks der Natur, der die geniale Multifunktionalität der Feder sowie ihre aktuelle Bedeutung in Kulturgeschichte, Design, Kunst und Popkultur beleuchtet.

Wer sich in eine wärmende Daunenjacke kuschelt oder in einem Federbett versinkt und wohlig einschläft, weiss: Federn sind herausragende Schöpfungen der Natur. Sie sind so alltäglich wie staunenswert. Tausende Federn bedecken die Körper der Vögel, hochspezialisiert, je nach ihrer Funktion im Vogelkleid. Federn wärmen und kühlen, halten trocken, schmücken und tarnen. Gleichzeitig ist gerade die Schwungfeder ein aerodynamisches Meisterwerk, das den Vögeln etwas ermöglicht, wovon wir Menschen seit Jahrtausenden träumen: das Fliegen. Die Ausstellung «Federn – wärmen, verführen, fliegen» verneigt sich vor diesem äusserst komplexen Gebilde aus Keratin und bietet einen Überblick über seine verführerische Schönheit und Formenvielfalt. Sie untersucht die zahlreichen Funktionen der Federn, ihren kulturgeschichtlichen Gebrauch sowie die aktuelle Bedeutung im Design, in der Kunst und in der Popkultur.

Ausgehend von Einzelfedern und Präparaten aus dem Tierreich wirft die Ausstellung einen Blick auf die funktionalen und ästhetischen Wesensunterschiede von Federn: Konturfedern, Daunen, Borstenfedern und viele andere können wärmen, kühlen, trocken halten, schmücken oder auch tarnen. Gleichzeitig wird anhand von ausgewählten Aspekten das Verhältnis zwischen Mensch und Vogel ergründet. So wirft «Federn – wärmen, verführen, fliegen» einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Biodiversität und hinterfragt das Geschäft mit Vogelfedern. In unserem Alltag treten die kommerziell gehandelten Federn vielerorts zu Tage: Beispiele dafür sind Federpinsel, Federbälle, Federboas, Daunendecken und -jacken, aber auch Katzenspielzeug oder die «Fliegen» zum sogenannten Fliegenfischen, wie sie die Schweizer Kunsthandwerkerin Daniela Misteli produziert.

Die lange Tradition des Gebrauchs von Federn in der Mode, in der Gestaltung von Designobjekten, Hüten, Schmuck und anderen Accessoires sowie in der Verarbeitung von Stoffen bringt auch heute bemerkenswerte Arbeiten hervor, die durch ihre Ästhetik und handwerkliche Exzellenz, ihre kritische Reflexion oder Neuinterpretation bestechen. Der Produktedesigner Glen Baghurst beispielsweise versieht Möbelstücke mit Leder und Federn, und die Designerin Heike Buchfelder kreiert kunstvolle Federlampen.

Mit gerade vier Designerinnen und Designern erhält die Metropole Paris eine starke Position in der Ausstellung: Betony Vernon interpretiert erotisches Spielzeug neu und besetzt es mit Straussen- und Hahnenfedern; auch die junge Schmuckdesignerin Marion Delarue kreiert bemerkenswerte Federpreziosen. Daneben führt der junge Designer Maxime Leroy das alte Handwerk des Plumassiers in einer neuen gestalterischen Sprache weiter und die Textilgestalterin Janaina Milheiro entwirft mit handwerklicher Präzision filigrane, federleichte Stoffe und Entwürfe, die sie mit Federn verarbeitet. Die Haute Couture der Belgier Modedesignerin Ann Demeulemeester wiederum betört mit moderner Sinnlichkeit, während der Stop-Racism-Look von Walter van Beirendoncks eine kritische Reflexion unserer Zeit und ein Zeichen gegen kulturelle Aneignung in der Mode ist.

In der Popkultur ist die Feder ein häufig eingesetztes Bild. In der Ausstellung findet sie sich als naturnahes und schwereloses Mittel der Inszenierung bei Sängerinnen wie Florence Welch, fotografiert von André Pinces, oder bei PJ Harvey, aufgenommen von Seamus Murphy; aber auch als aufsehenerregendes Accessoire in Fashionshows, etwa bei Victoria Secrets, oder in Musikvideos, unter anderem von Kat Frankie. In Abgrenzung dazu werden Federn auch als eindringliches Zeichen der eigenen kulturellen Identität genutzt, die gegen die kulturelle Vereinnahmung ankämpft. Der indigene US-Rapper und Fancydancer Supaman trägt seinen traditionellen Federschmuck als Zeichen seiner Herkunft und für den Kampf für die Rechte indigener Völker. Ebenso zeigen sich politische Aktivistinnen aus Südamerika mit Federkopfschmuck und geben ihm die Bedeutung eines Symbols des Widerstandes.

In Märchen, in schamanistischen und magischen Bräuchen, in Träumen und Erinnerungen entfaltet sich die kulturgeschichtliche Symbolik der Feder, der sich die Ausstellung ebenso widmet. Der menschliche Traum vom Fliegen, der sich an übergrossen Flügeln orientiert, zeigt sich etwa bei Gustav Mesmer und seinen unzähligen, nach dem Vorbild der Natur entworfenen und gezeichneten Flugobjekten. Der Impuls, schwebend in die Lüfte zu steigen, findet sich auch im schwerelosen Tanz, wie ihn Julie Nioche vollführt, oder im Spiel mit Drachen, wie sie Johann Hallin oder Anna Rubin entwerfen. Und auch wissenschaftliche Arbeiten erkunden das schwerelose Gleiten in den Lüften explizit: Sie zeigen mit Videos und Animationen, wie die Thermodynamik auf den Flug von Vögeln einwirkt, wie die Flugrouten von Störchen über das Jahr verlaufen und wie man sich die Sicht eines Adlers beim Flug über die Landschaft vorstellen kann.

Künstlerische Arbeiten zeigen eine stete Auseinandersetzung mit der Materialität, dem ästhetischen Ausdruck und den vielfältigen Bedeutungsebenen von Federn. Die Ausstellung «Federn – wärmen, verführen, fliegen» zeigt unterschiedliche zeitgenössische Ansätze und internationale Positionen als Installationen oder in Form fotografischer und zeichnerischer Arbeiten. So fängt zum Beispiel der Fotograf Stephen Gill mit seinen Schwarzweiss-Aufnahmen die flüchtige, nicht zu fassende Natur der Vögel ein. Kate MccGwire entwirft aus Federn organische Installationen, die zu pulsieren scheinen, während bei Ulrich Eller Bassmusik die Daunenfedern tatsächlich in Bewegung setzt. Lucy Glendinnings «Feather Child» erklärt die Federn zur menschlichen Haut, Ursula Palla übersetzt die Präsenz der Vögel mit ihrem Federkleid ins Digitale während Bethan Huws Federn «auf den Tisch stellt» und damit eine fundamentale Frage stellt: Jene nach der Beziehung von Kunst und Natur.

Federn - wärmen, verführen, fliegen
1. Dezember 2019 bis 1. Juni 2020
Vernissage: Sa 30. November 2019, 16 Uhr

Gewerbemuseum Winterthur
Kirchplatz 14
CH - 8400 Winterthur

T: 0041 (0)52 267 51 36
F: 0041 (0)52 267 68 20
E: gewerbemuseum@win.ch
W: http://www.gewerbemuseum.ch/

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  •  1. Dezember 2019 1. Juni 2020 /
Bethan Huws: «Table of Feathers», 2009, © Courtesy Galerie Tschudi, Zuoz & The Artist
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© Betony Vernon: «Cock Feather Tickler», 1995– 2018, Foto: Ali Mahdavi
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© Lucy Glendinning: «Feather Child 1», 2011
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© Walter Van Beirendonck: «Electric Eye», Frühjahr/Sommer 2016 Foto: Ronald Stoops
© Walter Van Beirendonck: «Electric Eye», Frühjahr/Sommer 2016 Foto: Ronald Stoops
© Seamus Murphy: «PJ Harvey», 2011, Foto: Seamus Murphy
© Seamus Murphy: «PJ Harvey», 2011, Foto: Seamus Murphy