4. April 2013 - 4:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Nach drei Kurzfilmen drehte Stanley Kubrick 1953 im Alter von 25 Jahren seinen ersten langen Spielfilm – ein Kriegsfilm, den der perfektionistische Meisterregisseur selbst nicht schätzte und dessen Verbreitung er zu verhindern versuchte. Bei Schröder Media ist dieses Debüt nun erstmals auf DVD erschienen.

Der Krieg ist ein wiederkehrendes und zentrales Thema im Werk des 1999 verstorbenen Stanley Kubrick. Nicht nur "Paths of Glory", "Dr. Strangelove" und "Full Metal Jacket" erzählen davon, sondern im historischen Gewand auch "Spartacus" und "Barry Lyndon".

Grundgelegt ist dieses Thema schon in seinem Debüt, das laut Credits 68 Minuten lang sein sollte, auf der von Schröder Media herausgegebenen DVD aber nur 58 Minuten lang ist. Während 1953 andere Regisseure wie Sam Fuller konkret vom Koreakrieg erzählten, verschiebt Kubrick "Fear and Desire", bei dem er nicht nur für Buch und Regie, sondern auch für Produktion, Kamera und Schnitt verantwortlich zeichnet, von Beginn an ins Allegorische, enthebt den Film jedes konkreten Kontexts. Während die Kamera über einen Wald schwenkt, betont ein Erzähler, dass es um den Krieg im Allgemeinen, um Angst, Zweifel und Tod gehe.

Vier Soldaten, über deren persönliche Biographie man nichts erfährt, sind mit einem Flugzeug hinter den feindlichen Linien abgestürzt und wollen sich nun zu ihren Truppen durchkämpfen. An einem Fluss bauen sie ein Boot, verstecken sich dann aber, weil sie glauben, dass sie von einem Flugzeug entdeckt wurden, nehmen eine junge Frau gefangen und töten schließlich mit einer List in einem Stützpunkt jenseits des Flusses einen General und seinen Adjutanten.

Dass diese gegnerischen Offiziere von den gleichen Schauspielern wie zwei Angehörige des Trupps gespielt werden, verweist auf eine Austauschbarkeit. Jeder kann Täter oder Opfer sein, die Gewaltbereitschaft liegt in jedem Menschen – es gibt kein Gut und Böse. Der Wald ist hier weniger realer Ort als vielmehr Metapher für das Dunkle im Menschen, für Joseph Conrads "Herz der Finsternis".

Da wirkt der junge Sidney (der spätere Filmregisseur Paul Mazursky) zunächst wie ein netter Junge, doch als er allein die gefangene junge Frau bewachen muss, wächst seine Begierde und es treten auch immer stärker Züge von Wahnsinn zu Tage. In Panik erschießt er die Frau schließlich und flüchtet selbst, taucht aber am Ende wieder am Fluss auf.

Ein anderer wieder will sich opfern, sucht geradezu den Tod, um seinem sinnlosen Leben doch noch einen Sinn zu geben. Der ganze Pessimismus Kubricks kommt zum Ausdruck, wenn Waffenruhe als Enttäuschung und der Krieg als Warten auf den Tod bezeichnet wird.

Während spätere Filme Kubricks von der Inszenierung des Raums geprägt sind, fallen in diesem Debüt, das der Amerikaner mit 10.000 Dollar drehte, die er sich von Verwandten lieh, stilistisch vor allem die rasante von Montage von Großaufnahmen aus unterschiedlichen Kameraperspektiven auf. Hinter das menschliche Gesicht möchte der Film förmlich schauen, das Innere – die Titel gebenden Angst und Begierde, die im Menschen lauern – sichtbar machen. Reichlich prätentiös wirkt diese Absicht hier allerdings, denn die Handlung an sich und die Figuren sind zu wenig entwickelt, dienen nur dazu Gedanken zu transportieren, packen aber nicht durch das Geschehen.

Die bei Schröder Media erschienene DVD verfügt über die englische und deutsche Sprachspur, aber keine Untertitel. Die Extras beschränken sich leider auf eine Trailershow.

Ausschnitt aus "Fear and Desire"



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