29. Januar 2008 - 0:52 / Ausstellung / Archiv 
9. November 2007 3. Februar 2008

Ab dem 9. November 2007 widmet sich die Ausstellung des Museum Bellerive, enstanden in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste, der Faszination des Klangs von Musikinstrumenten. Historische Klangerzeuger aus dem 16. bis 19. Jahrhundert bilden gemeinsam mit experimentellen und zeitgenössischen Instrumenten ein Spannungsfeld.

Instrumente geben der Musik einen Körper und somit dem nicht greifbaren Klang eine anschauliche Materialität und prägende Gestalt. Klänge können heute am Synthesizer nachgebildet und beliebig bearbeitet werden. Dennoch sind Instrumente für die Musik unersetzlich geblieben. Sie selbst zu spielen oder sie live zu hören sind sinnliche Erfahrungen, die keine Simulation einholen kann.

1962 gelangten – durch eine grosszügige Schenkung des Hauses Musik Hug – rund zweihundert Instrumente in die damalige Kunstgewerbliche Sammlung der Stadt Zürich, heute die Kunstgewerbesammlung des Museum für Gestaltung Zürich. Das Museum Bellerive, das als Haus des Museum für Gestaltung diese Sammlung beherbergt, nimmt zwei aktuelle Ereignisse zum Anlass, die Ausstellung auszurichten: das 200-jährige Jubiläum von Musik Hug und den im vergangenen August erfolgten Zusammenschluss der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich und der Hochschule für Musik und Theater Zürich zur Zürcher Hochschule der Künste.

Die Ausstellung unter dem Kuratorium von Martina Papiro und Tanja Trampe geht in acht Kapiteln dem Verhältnis von Material, Form und Klang bei Musikinstrumenten nach: Form-Experimente, Windungen, Geklapper, Interface, Repräsentation, Luxus und Moden, Jenseitige Klänge, Radikal Material, Original?. Anhand von wertvollen und selten gesehenen Musikinstrumenten sowie Kuriosa der Musikgeschichte wird das Spiel mit den Grenzen offensichtlich: Das Material, dem sich der besondere Klang verdankt, kann nicht beliebig gestaltet werden. Zugleich muss ein Instrument von Musikern gespielt und bedient werden können.

Den Kern der etwa 170 Exponate bilden die historischen Musikinstrumente aus der Kunstgewerbesammlung des Museum für Gestaltung Zürich (Schenkung Musik Hug). Ergänzt werden sie durch Objekte aus schweizerischen und deutschen Sammlungen (Basel, Genf, Zürich, Berlin) sowie von privaten LeihgeberInnen. Darunter befinden sich nicht nur weitere historische Instrumente, sondern auch experimentelle Klangerzeuger und zeitgenössische, teils jüngst entwickelte Musikinstrumente.

Jenseits einer systematischen Klassifikation bestimmen kulturelle, musikhistorische, technische und künstlerische Perspektiven die Präsentation. Historische, moderne und visionäre Musikinstrumente werden einerseits erfahrbar als ästhetische Objekte, andererseits als Erzeugnisse, deren Herstellung höchstes technisches Wissen und kunsthandwerkliches Können erfordert.

Dieses erste gemeinsame Projekt, getragen von den beiden ehemaligen Rektoren der HGKZ und der HMTZ, dem Gründungsrektor der ZHdK Hans-Peter Schwarz und dem Musiker Daniel Fueter, ist in Zusammenarbeit mit Studierenden und Professoren beider Hochschulen und in enger Kooperation mit Musik Hug entstanden. Nach einem internen Verfahren wurde die Ausstellungsgestaltung Sandra Schuchter und Max Korpiun (Scenographical Design FH) anvertraut. Der Wettbewerb für die Kommunikationsmittel gewann Sandro Wettstein (Student Visuelle Kommunikation ZHdK).

Das Rahmenprogramm sowie die Klanginstallationen innerhalb der Ausstellung erarbeiten die beiden Dozenten der ZHdK, Matthias Ziegler (Flötist) und Andres Bosshard (Departement Kunst und Medien, Klangarchitektur), gemeinsam mit Studierenden ihrer jeweiligen Klassen.


Saiten Tasten Sounds
9. November 07 bis 3. Februar 08

Museum Bellerive
Höschgasse 3
CH - 8008 Zürich

T: 0041 (0)43 4464-469
F: 0041 (0)43 4464-503
E: info@hgkz.ch
W: http://www.museum-bellerive.ch/

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Mauricio Kagel, Schellen- und Kettenschuhe für das Stück 'Staatstheater' (1970?71); Scabella/Klappersandale für 'Acustica' (1969?70). Historisches Museum Basel; Foto: HMB P. Portner
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midiGun, neu entwickeltes elektronisches Musikinstrument; Deutschland, 2007. WHITEvoid/Christopher Bauder, Berlin
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Serpent; C. Baudouin, Paris, 19. Jahrhundert. Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung; Foto: Marlen Perez
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Violine mit polygonalem Umriss, Hersteller unbekannt; vermutlich Frankreich, um 1850. Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung; Foto: Marlen Perez