Expressionismen

Auf Basis ihrer ersten bei der Sichtung der Museumssammlung gewonnenen Eindrücke hat die neu bestellte Kuratorin für Moderne, Beatrice von Bormann, eine Ausstellung über Expressionismus erarbeitet. Gezeigt werden Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken aus der Sammlung von rund 80 KünstlerInnen des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt liegt dabei auf österreichischen und deutschen "Expressionismen": vom frühen Expressionismus vor dem Ersten Weltkrieg über den Neoexpressionismus der 1960er- und 1970er-Jahre bis zu den Neuen Wilden.

Der bekannte französische Kunsthistoriker Jean Clair schrieb in seinem Buch "Die Verantwortung des Künstlers. Avantgarde zwischen Terror und Vernunft" (1998), der Expressionismus sei der Stil des 20. Jahrhunderts. Gemeint ist eine Malerei, für die der Gestus des Malens und der emotionale Ausdruck der Figuren und Objekte wichtiger sind als eine exakte Abbildung der Wirklichkeit. Franz Marc bezeichnete dieses Bestreben 1912 als "subjektive Umwandlung der Natur". Dabei führte das internationale Formexperiment dazu, dass Expressionismus von Anfang an abstrakte und figurative Kunst – im selben Bestreben, das "Geistige" darzustellen – vereinte. In dieser Ausstellung, die Werke von 1907 bis 2011 umfasst, wird Clairs Aussage auf den Prüfstand gestellt.

Das Museum der Moderne Salzburg verfügt über hervorragende Werke sowohl des frühen Expressionismus von Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde als auch über repräsentative Werke des Neoexpressionismus, etwa von Markus Lüpertz und Georg Baselitz, und der Neuen Wilden wie Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch und Gunter Damisch. Eine spezifisch österreichische Form des expressiven Realismus ist durch Künstler wie Georg Eisler, Alfred Hrdlicka, Rudolf Kortokraks und Karl Stark vertreten. Mehrere Werke werden erstmals ausgestellt, darunter zwei Schenkungen.


Expressionismen
Die Sammlung von Kokoschka bis Anzinger
7. März bis 21. Juni 2015