8. Januar 2020 - 4:53 / Ausstellung / Sonstige 
19. Januar 2020 10. Januar 2021

Die neue Sammlungsausstellung des Kunst(Zeug)Haus vereint Kunstwerke aus der Sammlung Bosshard, für die Texte eine wichtige Ausgangslage bilden. Ausgehend von den Begriffen «Literatur» und «Schrift» werden nicht nur Arbeiten gezeigt, welche sich augenscheinlich mit der Thematik befassen, sondern auch Werke, die sich mit Wort- und Textspielen auseinandersetzen, aus Büchern und Zeitungen bestehen oder von Literatur inspiriert wurden. Zudem gibt die Ausstellung einen Einblick in den kostbaren Bestand von Künstlerbüchern der Sammlung von Peter und Elisabeth Bosshard. Ex Libris (lat. aus Büchern) – eine vom Buch inspirierte Kunstausstellung.

Das Ausstellungsthema bildet zudem die ideale Ausgangslage für einen Brückenschlag zwischen dem Kunst(Zeug)Haus und der Stadtbibliothek Rapperswil-Jona. Die beiden Häuser sind während der Dauer der Ausstellung in der jeweils anderen Institution präsent: Die Stadtbibliothek ist mit einer Leseecke in der Sammlungsausstellung «Ex Libris» im Kunst(Zeug)Haus zu Gast und das Kunst(Zeug)Haus zeigt Kunstwerke und Künstlerbücher in der Stadtbibliothek.

Nach der Sammlungsausstellung 2019 mit dem Titel «Rhythmus, Reihe, Repetition» handelt es sich auch bei dem Fokus «Literatur» um ein charakteristisches Merkmal der Sammlung Bosshard, haben die Stifter doch beständig Künstlerbücher und Werke mit literarischen Bezügen gesammelt und teilweise sogar in Auftrag gegeben. Peter Bosshard war Sohn eines Buchhändlers und sammelte nicht nur Kunst, sondern auch Bücher. So liegt es nahe, dass in der Sammlung Bosshard Arbeiten in einer besonderen Dichte vorkommen, in denen KünstlerInnen sich mit Literatur, Text und Schrift auseinandersetzen. Zwei Beispiele:

Judit Villigers Zeichnung Höllentrichter_Himmelstorte, 2008, ist eine von von Dantes klassizistischem Werk «Die Göttliche Komödie», genauer der «Darstellung des Infernos» inspirierte Arbeit. Demnach stürzte Luzifer in die Erde, wodurch ein steiler Trichter Richtung Erdmittelpunkt entstand und auf der Südhalbkugel der Läuterungsberg aus dem Meer getrieben wurde. Villiger setzt sich in mehreren Zeichnungen mit dem «Höllentrichter» auseinander.

Niklaus Rüegg spielt mit der visuellen Sprache von Comic-Zeichnungen und dessen Rezipienten. In der Arbeit Rear window, 2001, eignet er sich die Bildsprache von Carl Barks berühmten Donald-Duck-Comics an und extrahiert die Texte, Sprechblasen und Figuren. So spielen Konstruktion und Dekonstruktion einer Erzählung zusammen.

In der Sammlung Bosshard befinden sich zahlreiche Künstlerbücher, welche oft als Geschenk an das Sammlerpaar Bosshard in die Sammlung eingingen. Künstlerbücher sind vielseitig und können Literatur, zeichnerische Narrationen, poetische Naturdarstellungen, Manifeste, Geschichten, Kochbücher oder politische Proklamationen sein. Die Definition «Künstlerbuch» stellt eine unspezifische Einteilung dar, die die Grenzen vom Format Buch und dessen Objekthaftigkeit stark in Frage stellen kann. Klar ist, es handelt sich um Bücher, die von Kunstschaffenden inhaltlich und visuell konzipiert und gestaltet sind und als eigenständige Werke betrachtet werden.

Die Sammlung Bosshard
Die Sammlung des Kunst(Zeug)Haus wurde von Peter und Elisabeth Bosshard zusammengetragen und umfasst heute rund 7‘000 Kunstwerke. Das Ehepaar begann 1971 Werke von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern zu sammeln. 2006 brachten sie die gesamte Sammlung in die Stiftung Kunst(Zeug)Haus ein. Für ihre Verdienste für Kunst und Kultur erhielten sie 1999 die goldene Ehrenmedaille des Kantons Zürich und 2009 den St. Galler Kulturpreis der St. Gallischen Kulturstiftung.

Ex Libris. Literatur und Schrift in der Sammlung Bosshard
19. Januar 2020 bis 10. Januar 2021
Vernissage: So 19. Januar 2020, 11.00 Uhr

Kunst(Zeug)Haus
Schönbodenstrasse 1
CH - 8640 Rapperswil

T: 0041 (0)55220 2080
W: http://www.kunstzeughaus.ch/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  19. Januar 2020 10. Januar 2021 /
Stefan Vollenweider, La vie est dure sans confiture, 2001. Plexiglas, Neon, 30 x 245 x 5 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Stefan Vollenweider, La vie est dure sans confiture, 2001. Plexiglas, Neon, 30 x 245 x 5 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Judith Villiger, Jardin des plantes II, 2009. Papier, Karton, Styropor, Acryl, Plattenspieler, 47 x 48 x 48 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Judith Villiger, Jardin des plantes II, 2009. Papier, Karton, Styropor, Acryl, Plattenspieler, 47 x 48 x 48 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Filib Schürmann, schreibknecht gottes, aus «die loorbeerblätter, ein berühmter», 2011. Acryl, Tinte und Farbstift auf Papier, 100 x 70 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Filib Schürmann, schreibknecht gottes, aus «die loorbeerblätter, ein berühmter», 2011. Acryl, Tinte und Farbstift auf Papier, 100 x 70 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Niklaus Rüegg, Leere Ode, 2011. Print, Scheerenschnitt, 34 x 48 x 4.5 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Niklaus Rüegg, Leere Ode, 2011. Print, Scheerenschnitt, 34 x 48 x 4.5 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Barbara Hee, Gesänge an den toten Tiger, 1983. Öl auf Papier, 75 x 110 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Barbara Hee, Gesänge an den toten Tiger, 1983. Öl auf Papier, 75 x 110 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Ian Anüll, Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, 2004. Siebdruck auf MDF, Blattgold, 25 x 25 x 7 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus
Ian Anüll, Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, 2004. Siebdruck auf MDF, Blattgold, 25 x 25 x 7 cm. © Sammlung Kunst(Zeug)Haus