Evi Kliemand ist Malerin, Schriftstellerin, Lyrikerin, Publizistin und Kulturvermittlerin. Mit der Einzelausstellung würdigt das Kunstmuseum Liechtenstein im Rahmen der Reihe „Im Kontext der Sammlung” nicht nur das Schaffen der Künstlerin und Schriftstellerin der letzten fünf Jahrzehnte, sondern auch eine zentrale Stimme bei der Aufarbeitung des künstlerischen Erbes des Landes.
In ihrem Werk finden Kliemands Schaffensorte Widerhall: Lavadina in Triesenberg (LI) mit Blick auf das Rheintal, Intragna im Tessin (CH) am Zusammenfluss der beiden Wildbäche Melezza und Isorno sowie Vaduz (LI), wo sie lebt. Der Ort, an dem Wasser und Land aufeinandertreffen, ist auch ein Ort der Malerei und der räumlichen Transparenz. Uferwelten und Übergangsbereiche bilden dabei nicht nur zentrale Motive, sondern spiegeln sich auch in Kliemands zyklischer und prozessualer Arbeitsweise wider.
Die unmittelbare Nähe zur Landschaft ist Bezugspunkt, Impuls und Anliegen zugleich. Sehend und horchend wahrnehmend deckt die Künstlerin Verborgenes oder Vergessenes auf und macht das Verschwindende sichtbar. Ihr Beweggrund ist es, mit ihrem bildnerischen und poetischen Werk Verlusten vorzubeugen, etwas zurückzugeben und für kommende Generationen in Erinnerung zu behalten.
Die Kuratorin Annett Höland hat die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Künstlerin in drei thematische Bereiche gegliedert: „Die Schättin”, „Der Schamane” und „Der Buddha”. Diese setzen nicht nur den inhaltlichen Rahmen, sondern sind in der Ausstellung auch als Werke mit dem gleichen Titel präsent.
«Man wird einem Bild nicht näher kommen, wenn man’s nicht ein wenig wie ein Lebewesen behandelt – und betrachtet.» (Evi Kliemand, Bl-VII / 12.11.1995)
Ausgangspunkt der Ausstellung sind Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums Liechtenstein, insbesondere aus der Schenkung des früh verstorbenen Kulturwissenschaftlers Ralph Kellenberger (1952–2002). Großformatige Leinwände aus der mittleren Schaffensphase treten in den Dialog mit Druckgrafiken aus den Anfängen der künstlerischen Tätigkeit sowie mit Malereien aus der jüngeren Vergangenheit. Erstmals gezeigte Skizzenbücher vermitteln einen Einblick in Kliemands umfangreiches zeichnerisches Werk. Ergänzt wird die Präsentation durch fotografische Bildzyklen. Die digitale Dokumentation „Wegmarken. Eine Doku. Die Frau und Künstlerin“ (2025/26) zeichnet wichtige Stationen von Kliemands Leben und Schaffen nach. Mit der Fotoreihe „Garden of Silence. Blüte, Blatt und Zeit” dokumentiert und ehrt sie ihren Garten. Ausgewählte Hörbücher aus der Reihe „Evi Kliemand liest Evi Kliemand” machen das schriftstellerische Werk erfahrbar und lassen Evi Kliemand auch in dieser Rolle entdecken.
Evi Kliemand wurde 1946 in Grabs (St. Gallen) geboren und hat ihren Wohnsitz in Vaduz. Sie ist schweizerisch-deutscher Herkunft und seit 2003 Liechtensteiner Bürgerin. Sie lebt als bildende Künstlerin, Schriftstellerin und Publizistin zurückgezogen in Vaduz und hat Ateliers in der Lavadina in Triesenberg und in Intragna. Sie absolvierte ihre Ausbildung in Genf, New York, Zürich (Kunstgewerbeschule, heutige Zürcher Hochschule der Künste) und St. Gallen (Kunstgewerbeschule, heutige Schule für Gestaltung). 1969 schloss sie ihr Studium ab, kehrte nach Liechtenstein zurück und richtete ihr erstes Atelier in Triesen ein. Sie war Mitbegründerin der ersten Vereinigung Bildender Künstler in Liechtenstein. Sie führte kunsthistorische Recherchen zu Ferdinand Nigg durch und publizierte zu diesem Thema. Sie ist Autorin und Herausgeberin von Monografien über das Schaffen von Hans Kliemand, Martin Frommelt, Robert Altmann, Paul Grass und Ermano Maggini. Seit 1992 ist sie Präsidentin der Fondazione Ermano Maggini in Intragna. Sie ist Mitglied verschiedener Künstlervereinigungen in Liechtenstein und seit 1986 Mitglied des P.E.N.
In den letzten 50 Jahren hat Evi Kliemand ihr künstlerisches Werk in Ausstellungshäusern im In- und Ausland präsentiert, darunter im Palais Thurn und Taxis in Bregenz (1989), in der Pinacoteca Communale Casa Rusca in Locarno (1994), im Museum Schloss Bonndorf (1998), im Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden (1999), im Kunstverein Konstanz (2004) und im Kunstraum Engländerbau in Vaduz (2008). Die Ausstellungen wurden stets von dichterischen Lesungen begleitet, die meist durch die Uraufführung eines musikalischen Werks von Ermano Maggini ergänzt wurden.
Seit 1971 veröffentlichte sie Gedichte und Texte in Kleinverlagen. Von 2008 bis 2011 erschien in der Edition Howeg Zürich mit Blätterwerk I, II und III eine umfangreiche Veröffentlichung von Gedichten, Texten und Sequenzen. In den letzten Jahren erschien ihre Hörbuchreihe Evi Kliemand liest Evi Kliemand mit 68 CDs bzw. USB-Sticks.
Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Anerkennungspreis des Kulturbeirats der Fürstlichen Regierung (1986), der Grazer Kulturpreis (1995), der Konstanzer Kunstpreis (2004), der Josef-Gabriel-Rheinberger-Preis der Gemeinde Vaduz (2007), die Ehrengabe der IG Wort – Autorenverband Liechtenstein (2016) und der Kulturpreis der Gesellschaft Schweiz-Liechtenstein (2018).
Im Kontext der Sammlung:
Evi Kliemand
Übers Wasser gehen
4. September 2026 – 10. Januar 2027
Vernissage mit Videoprojektion und dichterischer Lesung von Evi Kliemand:
Donnerstag, 3. September 2026, ab 18 Uhr