Eva Ursprung – Wasser als Metapher für die Oberfläche

Mit der Ausstellung „The Art of Surfacing” präsentiert die Halle für Kunst Steiermark das vielschichtige Werk der österreichischen Künstlerin, Musikerin und Kuratorin Eva Ursprung. Sie wurde 2024 mit dem Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst ausgezeichnet. Der von einer Expert:innen-Jury vorgeschlagene Preis wird für ein herausragendes künstlerisches Lebenswerk verliehen und mit einer Ausstellung in der Halle für Kunst Steiermark begleitet.

Eva Ursprung verbindet in ihrem Schaffen medienübergreifende Ansätze mit feministischen, gesellschaftskritischen und kollaborativen Strategien. Seit rund vier Jahrzehnten arbeitet sie in den Bereichen Musik, Video, Performance, Installation und sozial engagierter Kunst. International bekannt wurde sie auch als eine der Pionierinnen des Cyberfeminismus in Österreich. In ihrem Werk stellt sie Fragen nach ökologischer Verantwortung, Transformation und gesellschaftlicher Solidarität in den Mittelpunkt. Hervorzuheben sind dabei stets auch ihre Fähigkeiten, nicht nur in Netzwerken zu arbeiten, sondern auch diese hervorzubringen.

Zentrales Thema der Ausstellung ist das Element Wasser – ein Stoff, der Ursprung seit Jahrzehnten in den unterschiedlichsten künstlerischen und politischen Kontexten beschäftigt. Es bildet die Grundlage allen Lebens, steht für Wandel und Transformation, birgt aber zugleich zerstörerische Kräfte. Wasser fließt, verbindet, trennt und formt – und wird in Ursprüngs Werk zur Metapher für ökologische, gesellschaftliche und geopolitische Prozesse. Wie der Titel der Ausstellung „The Art of Surfacing” bereits andeutet, wird Wasser hier als Metapher für die Oberfläche verstanden – eine Fläche, die ähnlich einem Gewässer, den Blick auf den Grund, also das Flussbett oder den Meeres- bzw. Seeboden, häufig verwehrt. Über diese Oberfläche lässt sich somit nicht erkennen, was sich darunter verbirgt. Dieses oberflächliche Wissen lässt sich mit dem vermeintlich sichtbaren Bewusstsein vergleichen. Unter diesem – folgt man der Allegorie des Eisbergs – besteht das Unsichtbare, das Unbewusste in weit größerem Ausmaß weiter und übertrifft das Bewusste in jeder Hinsicht. Ähnlich verhält es sich mit den Krisen unserer Zeit, deren tatsächliches Ausmaß wohl nur in Teilen sichtbar wird und allenfalls erahnt werden kann.

Zugleich spielt Ursprung auf einen weiteren Aspekt an: verdrängte Wahrheiten an die Oberfläche zu bringen und so gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen. In ihrem Video „Indigo Haven“ (2023) taucht die Künstlerin sinnbildlich aus dem Wasser auf und liefert damit eine Allegorie für ans Licht gebrachte Wahrheiten. Die filmische Arbeit „365 Tage im Erdbunker“ (2015) zeugt von Ursprungs intensiver Beschäftigung mit dem Widerstand während des Nationalsozialismus in der Steiermark. In Projekten wie „Survive” (2024) und „Mit der Post ans Meer” (2015) thematisiert sie Kommunikation, Beschleunigung, Fließen und den Austausch zwischen Räumen und Regionen. Mit „Garbage Patches” (2013–2017) macht sie auf die Fragilität des Ökosystems und dessen Verletzlichkeit durch Invasoren wie Plastik aufmerksam.

Eva Ursprung greift in mehreren Werken ökologische Fragestellungen auf – etwa in "Rettungsring für bedrohte Arten" (2011), wobei diese als künstlerische Markierungen für unter Druck stehende Ökosysteme stehen. Wasser wird dabei zum Symbol für die Krise des Anthropozäns, für den Klimawandel und seine Folgen wie steigende Meeresspiegel oder Naturkatastrophen. Die Künstlerin verweist dabei nicht nur auf ökologische, sondern auch auf politische Dimensionen und zieht Parallelen zwischen Klimawandelleugnung, autoritären Tendenzen und historischen Kontinuitäten. Ihre Videoarbeiten aus Indien, Indonesien, Serbien und Nigeria eröffnen einen globalen Blick auf das Element Wasser und seine Vielfalt. Hervorzuheben ist der am nigerianischen Fluss Òṣun gedrehte Film „Gewurl“ (2011), der Ursprungs Begegnung mit der zeitgleich in einer Ausstellung in der Halle für Kunst präsentierten österreichischen Künstlerin und Òrìṣà-Priesterin Susanne Wenger in ihrem „Heiligen Hain“ dokumentiert.

Eva Ursprung präsentiert sich darin als kritische, feministische Beobachterin, die drängenden Fragen nach Ökologie, Globalisierung und Faschismus in medialen Verfahren der Kunst ein eingängiges Narrativ verleiht. Begleitend zur Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Künstlerin ein Rahmenprogramm, das die thematischen Schwerpunkte – Wasser, Wandel und Widerstand – vertiefend beleuchtet.

Eva Ursprung (*1959) lebt in Wien.

Eva Ursprung
The Art of Surfacing
Kuratiert von Sandro Droschl und Caro Feistritzer
Bis 19.04.2026