Esben Weile Kjaer – „Thousands of small explosions at the same time”

Der Salzburger Kunstverein präsentiert zwei neue Ausstellungen, die in einem spannungsvollen Dialog zueinander stehen: eine raumgreifende Installation des dänischen Künstlers Esben Weile Kjaer und die erste Einzelausstellung der im Jahr 2022 verstorbenen palästinensischen Künstlerin Laila Shawa in Österreich.

Im Großen Saal präsentiert Esben Weile Kjaer eine dichte, visuell überwältigende Ausstellung, die sich mit Ästhetiken der Selbstoptimierung, der Hyper-Sichtbarkeit und dem Spektakel des zeitgenössischen Lebens auseinandersetzt. Für diesen Kontext hat Kjær ein skulpturales Szenario geschaffen, in dem Rokoko-Dekadenz auf digitale Reizüberflutung trifft und eine unheimliche Landschaft entsteht, in der der Körper zur Ware und zum Avatar wird.

Begleitend zur Ausstellung inszeniert Esben Weile Kjaer die Performance „Deepfake”, in der historische Kostüme aus dem Archiv der Salzburger Festspiele zu animierten Trägern von Wiederholung und Meme-Kultur werden. Im Modus einer algorithmischen Traumlogik bewegt sich „Deepfake” zwischen Theater und Bildkultur und stellt die Frage: Was bedeutet es, im Zeitalter der Deepfakes Authentizität zu performen, wenn sogar unsere Überzeugungen in Endlosschleifen geraten?

In einem bewusst inszenierten Moment der Überlagerung treten die Arbeiten von Esben Weile Kjaer in einen Dialog mit den skulpturalen Objekten von Laila Shawa, insbesondere mit ihren „Breast Bombs”, die in verspiegelten Vitrinen als Teil der Ausstellung präsentiert werden. Diese Intervention erzeugt eine kaleidoskopartige Mehrfachbelichtung, eine Choreografie tausender kleiner Explosionen, die Fragen nach Geschlecht, Repräsentation und Kontrolle aus verschiedenen Perspektiven verhandelt.

Beide Künstler:innen arbeiten mit Körpern als unter Druck gesetzte Oberflächen: trainiert, geschmückt, fragmentiert, umfunktioniert. Und doch unterscheiden sich ihre zeitlichen und politischen Koordinaten radikal. Shawas Skulpturen tragen das Gewicht der politischen Geschichte Palästinas, ihre Haltung gegenüber religiösem Fundamentalismus und der Rolle des weiblichen Körpers in nationalistischen Konflikten. Weile Kjaer stellt sich dagegen der neoliberalen Gegenwart, in der das kommerzialisierte Selbst endlos optimiert, spektakulär inszeniert und konsumierbar gemacht wird.

Die Arbeit von Esben Weile Kjaer (geb. 1992 in Kopenhagen), die Skulptur, Video und Performance umfasst, greift die Geschichte der Popkultur und Popmusik auf, um Themen wie Nostalgie, Authentizität und generationenbedingte Ängste zu untersuchen. In einer aufmerksamen, jedoch unkonventionellen Bildsprache beleuchtet er die heutige Ereignisökonomie und konzentriert sich dabei häufig auf Marketingstrategien und die Ästhetik der Unterhaltungsindustrie – vor allem, um die Beziehung der Kunst zu den sie umgebenden Kulturindustrien zu hinterfragen. In diesem Sinne versucht seine Arbeit nicht nur, andere kulturelle Formen der Performance (wie z. B. Partys, Proteste, Pressekonferenzen oder Ballette) zu imitieren, sondern selbst zur performativen Popkultur zu werden – oft durch Interventionen im öffentlichen und kommerziellen Raum unter Verwendung von Requisiten wie Podien, Konfettikanonen, Zäunen und Party-Lasern.

Esben Weile Kjær
thousands of small explosions at the same time
Kuratiert von Mirela Baciak
Bis 14. September 2025