Mo, 16.04.2018 / Walter Gasperi / Zoom
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Der 1998 verstorbene Akira Kurosawa ist für seine bildgewaltigen Epen vom Ende der japanischen Ritterzeit berühmt, doch sein 31 Filme umfassendes Werk beinhaltet auch bewegende realistische Alltagsgeschichten. Das Stadtkino Basel widmet dem japanischen Meisterregisseur, der von Fachleuten schon zu Lebzeiten voll Ehrfurcht Tenno genannt wurde, eine zweiteilige Hommage.

Als der junge Katsushiro am Ende von "Shichinin no samurai" ("Die sieben Samurai", 1954) angesichts der vier Grabhügel feststellt, dass die Samurai im Grunde verloren haben, erwidert der erfahrene Kambei: "Wir haben gesiegt, und trotzdem haben wir verloren. Gewonnen haben nur die Bauern und nicht die Samurai." - Immer wieder erzählen die Filme Akira Kurosawas von Niederlagen, aber immer wieder gibt es in diesen Niederlagen auch einen Sieg.

So stirbt der krebskranke Beamte am Ende von "Ikiru" ("Einmal wirklich leben", 1952) zwar, doch der Kinderspielplatz, für dessen Errichtung er sich in seinen letzten Lebenswochen vehement eingesetzt hat, wird gebaut. Und in "Rashomon" (1950), mit dem Kurosawa und mit ihm das japanische Kino im Westen schlagartig berühmt wurde, endet die Suche nach Wahrheit zwar in Resignation, denn jeder der vier Beteiligten an einem Verbrechen schildert den Tathergang aufgrund persönlicher Interessen anders, doch diese Suche erscheint am Ende angesichts der Tat, die ein Holzfäller mit der Aufnahme eines ausgesetzten Babys setzt, als nebensächlich.

Soziale Randfiguren, Verlierer und kleine Leute stellte dieser große Humanist des Kinos, nicht nur in diesen Filmen in den Mittelpunkt, sondern auch in "Yojimbo" ("Der Leibwächter", 1961), in dem ein herrenloser Samurai ein Bauerndorf gegen zwei rivalisierende Horden verteidigt, oder in "Dodes´kaden" ("Dodeskaden – Menschen im Abseits", 1970), in dem Kurosawa die Not der Bewohner eines Slumviertels in Tokio schildert.

Dem Blick auf die Unterschichten, der sich auch in seiner Verfilmung von Maxim Gorkis "Nachtasyl" ("Donzoko", 1957) zeigt, stehen andererseits Porträts von scheiternden Mächtigen gegenüber. Fasziniert von den Tragödien Shakespeares transferierte er mit "Kumonosu-jo" ("Das Schloß im Spinnwebwald", 1957) "Macbeth" und mit dem kolossalen apokalyptischen Schlachtengemälde "Ran" (1985) nach jahre-, wenn nicht jahrzehntelangen Vorbereitungen "King Lear" ins japanische Mittelalter.

Aber Kurosawa war nicht nur beeinflusst von der westlichen Kultur – seine Filmographie beinhaltet auch eine Adaption von Dostojewskijs "Der Idiot" ("Hakuchi", 1951) –, sondern er beeinflusste sie auch. John Sturges drehte mit "The Magnificent Seven" (1960) ein Western-Remake von "Die sieben Samurai", Martin Ritt machte aus "Rashomon" "The Outrage" ("Carrasco, der Schänder", 1964) und Sergio Leone begründete den Italo-Western mit seinem "Yojimbo"-Remake "Per un pugno di dollari" ("Für eine Handvoll Dollar", 1964).

Aber nicht nur inhaltlich, sondern auch formal hat Kurosawa das westliche Kino entscheidend beeinflusst. Mustergültig sind immer noch die Kampfszenen in "Die sieben Samurai": Die Perspektivenwechsel durch die Aufnahme mit mehreren Kameras, die Schnelligkeit der Schnittfolge sowie der Einsatz von Zeitlupe und Teleaufnahmen verleihen diesen Szenen nicht nur eine ungeheure Kraft und Rasanz, sondern ließen sie auch stilbildend wirken.

In Japan wurde Kurosawa dagegen weniger geschätzt. Nach den glanzvollen 50er Jahren konnte er zwischen 1963 und 1970 nur zwei Filme realisieren, der Misserfolg von "Dodeskaden" (1970) führte sogar zu einem Selbstmordversuch. Nur mit ausländischer Unterstützung konnte er seine Spätwerke realisieren.

Sein berückend schönes zivilisationskritisches Sibirien-Epos "Dersu Uzala" ("Uzala, der Kirgise", 1975) entstand in der Sowjetunion und seine beiden gewaltigen Schlachtenplatten "Kagemusha" (1980) und "Ran" (1985) verdanken ihre Verwirklichung dem Engagement der Amerikaner Francis Ford Coppola und George Lucas beziehungsweise des französischen Produzenten Serge Silberman. Die Hoffnung, die die früheren Filme noch kennzeichnete, ist hier freilich einem Pessimismus gewichen und in atemberaubenden Tableaus inszeniert der Japaner den Untergang einer Welt.

Das Genre des Samuraifilms ist bei Kurosawa wie das des Western bei John Ford, der als sein amerikanisches Pendant angesehen werden kann, dabei immer die äußere Hülle, um universelle Fragen zu diskutieren. Denn ob er nun mit seinem Lieblingsschauspieler Toshiro Mifune ein actionreiches Abenteuermärchen wie "Kakushi toride no san-akunin" ("Die verborgene Festung", 1958) inszenierte oder mit "Kimono no kiroku" ("Ein Leben in Furcht", 1955) ein engagiertes Gegenwartsdrama gegen die atomare Bedrohung, immer ging es diesem Meisterregisseur um ethische Fragen, um das verderbliche Streben nach Ruhm und Macht, um die Verantwortung des Individuums und um dessen Beziehung zur Gesellschaft.

Top 10 Kurosawa Films (12 min.)

Stadtkino Basel
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