21. Oktober 2020 - 13:54 / Aktuell / Kunst 

Zwei neue Stipendienformate ergänzen seit diesem Jahr das bestehende Angebot an Auslandsaufenthalten und -aktivitäten Vorarlbergs für Kunst- und Kulturschaffende. Eine Kooperation mit der spanischen Organisation Hangar.org in Barcelona soll nun als Nachfolgeprojekt der Bilbao-Zusammenarbeit den auf internationalen Austausch und Vernetzung abzielenden Schwerpunkt der Vorarlberger Kulturstrategie vertiefen, wie es in einer Aussendung dazu heisst. Das Comeback-Stipendium wiederum soll die temporäre Rückkehr von nicht mehr im Land wohnenden KünstlerInnen nach Vorarlberg fördern. Beide Stipendien sind Koproduktionen von Land Vorarlberg, Stadt Bregenz und der Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs.

Während die Vorarlberger Künstlerinnen Hanna Scheich und Sarah Rinderer ihren Barcelona-Aufenthalt Covid-19-bedingt auf 2021 verschieben mussten, haben die spanische Künstlerin Patricia Dauder und der gebürtige Chilene Francisco Navarrete Sitja in den beiden vergangenen Monaten im neu geschaffenen Atelier in der Remise des Bregenzer Künstlerhauses gearbeitet. "Heimkehrerin" Evamaria Müller hat ihre künstlerischen Zelte bereits im Frühjahr für drei Monate im Atelier aufgeschlagen. Die Ergebnisse der Arbeitsaufenthalte der drei Kunstschaffenden werden nun vom 21. bis 24. Oktober präsentiert.

Patricia Dauder (*1973) ist in verschiedenen Medien zuhause. Die in Barcelona lebende Künstlerin zeichnet, fotografiert, macht Filme und Objekte, forscht und experimentiert mit Form, Materie und Struktur. Ihre Werke drehen sich um flüchtige Phänomene und Wahrnehmungen, entstehen aber in langwierigen Prozessen des Wiederholens, des Hinzufügens und Wegnehmens. Während ihrer Zeit in Bregenz hat Dauder Zeichnungen und Fotos angefertigt, überarbeitet, mit Hilfe lithografischer Verfahren auf japanisches Papier und in sich überlappenden Schichten auf die Wand gebracht. Die Bilder zeigen Risse, Markierungen, Verletzungen in der Haut und werfen die Frage auf, wer oder was diese Spuren hinterlassen hat.

Francisco Navarrete Sitja (*1986) beschäftigt sich in seinem Werk mit Themen wie Territorium, Natur, Identität und Materialität. In seinen künstlerischen Forschungen untersucht er anhand des Konzepts der "Chilenischen Schweiz", mit dem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ausgehend von Begriff der "unberührten Natur" eine südchilenische Region neu definiert wurde, die Nationalisierung der Natur. In Bregenz hat der gebürtige Chilene an zwei Drehbüchern gearbeitet, aus denen Filme für eine Installation entstehen sollen sowie digitale Bild- und Tonaufnahmen aus der Schweizer, französischen und Vorarlberger Alpinlandschaft bearbeitet. Auch den Archiven der Landesbibliothek und der Inatura hat der Künstler Besuche abgestattet: Die Bilder fließen in ein Künstlerbuch und Videoanimationen ein.

In ihren multimedialen, meist ortsspezifischen Installationen beschäftigt sich Evamaria Müller (*1988) mit der Repräsentation und Mystifizierung von Natur und Technik, mit instrumentalisierten und regulierten Landschaften, mit Isolation und Simulation. Die seit 13 Jahren in Wien lebende Vorarlbergerin hat ihr Comeback-Stipendium genutzt um eine akustische Reise stromabwärts der Ill zu unternehmen. Stück für Stück hat sie sich den Fluss erwandert, Geräusche aufgezeichnet und fotografiert, bevor Corona ihr Projekt im März gestoppt hat. Die nun fertige, 15-minütige Video- und Soundinstallation zeigt sie im DWDS, in der Jahnstraße in Bregenz, wo auch die Arbeiten von Patricia Dauder zu sehen sind, während Francisco Navarrete Sitja seine Werke im Künstleratelier in der Gallusstraße ausstellt.

Wann & W0:
Patricia Dauder, Evamaria Müller:
DWDS, Jahnstraße 13–15, Bregenz

Francisco Navarrete Sitja:
Künstleratelier der Landeshauptstadt Bregenz, Gallusstraße 10a, Bregenz

Jeweils 21. bis 24. Oktober, täglich von 16:00 bis 19:00 Uhr