14. Dezember 2020 - 10:26 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
12. Dezember 2020 14. Januar 2021

Unter dem Titel "Wo wir" finden drei unterschiedliche Projekte zusammen: Eine Ausstellung von Katalin Deér und Jiří Makovec, eine Installation von Caroline Ann Baur & Vanessà Heer, und das Archiv der Kunst Halle Sankt Gallen als Arbeitsstation.

Dabei werden der 'Genius Loci' (lat.: Geist des Ortes), sowie der institutionelle 'Modus Operandi' (lat.: Art des Handelns), ergründet und hinterfragt. Der sozialpolitische Kontext wird erprobt, in dem sich sowohl Künstler_innen als auch Institutionen bewegen. Das gleichzeitige Nebeneinander der fotografischen Arbeiten von Katalin Deér und Jiří Makovec im Hauptraum, der Installation von Caroline Ann Baur und Vanessà Heer, und der mit der Ausstellungsdauer wachsenden Untersuchung des Archivs der Kunst Halle Sankt Gallen, eröffnet hierbei einen vielfältigen Raum des bewussten Wahrnehmens und Erforschens subjektiver Realitäten. So können alle Projekte – auf ihre Weise – als Versuch gelesen werden, in der Annäherung, Distanzierung von und Befragung der Wirklichkeit deren Wirkungsmächten nachzuspüren.

Seit Jahren ergründen Katalin Deér und Jiří Makovec durch die Kameralinse ihre jeweilige Umgebung und loten die Möglichkeiten des Mediums sowie der vermittelten Wahrnehmung aus. Erstmals wird ihre Praxis parallel und im Dialog gezeigt, mit einem Fokus auf Arbeiten, die eine geographische Nähe zur Kunst Halle Sankt Gallen aufweisen. Diese Nähe kann aber auch emotionaler Natur sein, oder sich als konzeptionelles und ästhetisches Konstrukt erweisen. Nicht das unmittelbar Sichtbare sondern das unsichtbare Latente bildet den Fokus des zweiten Teils der Ausstellung, in dem Caroline Ann Baur und Vanessà Heer Möglichkeiten des aktiven Zuhörens und kollektiven Kreierens erproben. In der Vermischung verschiedener Kontexte, Kollaborationen und Räume schaffen sie dabei einen neuen Denkraum, in dem Fragen nach dem Verborgenen, Impliziten und Dazwischen erklingen.

Räumlich erfahrbar wird auch das Archiv der Kunst Halle Sankt Gallen, das deren 35-jährige Ausstellungspraxis dokumentiert und erstmals öffentlich zugänglich gemacht wird. In der Untersuchung des historischen Bewusstseins, soll die Möglichkeit geschaffen werden, Bewährtes einer neuen Unsicherheit auszusetzen. Nicht als gesetztes Archiv sondern als prozesshafte Neuordnung werden dabei während der Dauer der Ausstellung Änderungen sichtbar: Bildmaterial wird digitalisiert, Dokumente neu ausgelegt und Fragen öffentlich aufgeworfen. Ein Hinweis darauf, dass die Auslegeordnung nicht als Anspruch der Verständlichkeit und Linearität verstanden wird, sondern als Arbeitsstation und Ausgangspunkt, die institutionelle Identität zu erforschen und neu zu betrachten.

"Wo wir" wurzelt in einer historischen Zeit, in der Fragilitäten sichtbar, aber auch neue Kräfte befreit werden. Dieser Zustand hat einen direkten Einfluss auf die institutionelle Realität, aber auch auf die Produktion von Kunst. Mit "Wo Wir" will die Kunst Halle Sankt Gallen die Basis für eine anhaltende Diskussion über ihre Funktion und die künstlerischen sowie gesellschaftlichen Bedürfnisse, die gerade neu entstehen oder schon länger eingefordert werden, schaffen.

"Wo wir"
12. Dezember 2020 bis 14. Februar 2021

Kunst Halle St. Gallen
Davidstrasse 40
CH - 9000 St. Gallen

W: http://www.k9000.ch

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  •  12. Dezember 2020 14. Januar 2021 /
Katalin Deér, Plakat, 2018  © Katalin Deér
Katalin Deér, Plakat, 2018 © Katalin Deér
Jiří Makovec, Vonwilstrasse (Rainbow), 2011 © Jiří Makovec
Jiří Makovec, Vonwilstrasse (Rainbow), 2011 © Jiří Makovec
Caroline Ann Baur und Vanessà Heer, My Body is a Finger, 2019 © Caroline Ann Baur und Vanessà Heer, Photo: Kambiz Shafei
Caroline Ann Baur und Vanessà Heer, My Body is a Finger, 2019 © Caroline Ann Baur und Vanessà Heer, Photo: Kambiz Shafei
Archiv "Ostschweizer Kunstschaffen" in der Kunst Halle Sankt Gallen, 1994 © Kunst Halle Sankt Gallen. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, H.J. Bachmann
Archiv "Ostschweizer Kunstschaffen" in der Kunst Halle Sankt Gallen, 1994 © Kunst Halle Sankt Gallen. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, H.J. Bachmann