Eröffnung der Bregenzer Festspiele. Zwei Opern, zwei Welten

Die Bregenzer Festspiele feiern ihr 80-Jahr-Jubiläum. Mit Giuseppe Verdis „La Traviata“ auf der Seebühne und Leoš Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ im Festspielhaus präsentieren die Bregenzer Festspiele zwei völlig unterschiedliche Werke. Insgesamt stehen für 80 Veranstaltungen der diesjährigen Festspielsaison 228.000 Karten zur Verfügung. Bereits seit Ostern ist die neue Seebühnenproduktion „La Traviata“, die im Sommer 2026 an 28 Abenden zu erleben ist, ausverkauft.

Ein Spiel mit Nähe und Zerbrechlichkeit: Verdis „La Traviata“ ist erstmals in der Geschichte der Festspiele auf der Seebühne zu erleben, obwohl das Werk zu den meistgespielten Opern der Welt gehört. Regisseur Damiano Michieletto und Bühnenbildner Paolo Fantin verlegen die Handlung in die schillernden 1920er-Jahre. Für Michieletto spiegeln diese Jahre eine Gesellschaft wider, die sich dem Vergnügen hingibt und dabei den Blick für das Wesentliche verliert. Prägendes Element der Inszenierung ist ein monumentaler, 28 Meter hoher Spiegel, der sich aus dem Bodensee erhebt und zum Sinnbild von Violettas Schicksal wird. Wie in Zeitlupe zeigt das Bühnenbild den fragilen Augenblick, in dem der Spiegel zu Boden stürzt. Ein Spiegel geht zu Bruch, die Schicksalskugel schwebt über der unglücklichen Violetta, und im Pool steigt eine große Party. Die Herausforderung bestehe darin, Emotionen nicht zu vergrößern, sondern sichtbar zu machen – mit Bildern, die den Gefühlen der Figuren folgen. 

Mond, Mittelalter und ein Held wider Willen: Die Ausflüge des Herrn Brouček. Einen Tag nach der Premiere am See folgt im Festspielhaus Leoš Janáček satirisches Werk. Die 1920 uraufgeführte Oper gehört zu den originellsten und zugleich selten gespielten Werken des tschechischen Komponisten. Mit feinem Humor, skurrilen Figuren und scharfer Ironie hält Janáček einer Gesellschaft den Spiegel vor, deren Bequemlichkeit, Selbstzufriedenheit und mangelnde Offenheit für Neues heute frappierend aktuell erscheint. Im Mittelpunkt steht der selbstzufriedene Prager Hauseigentümer Matěj Brouček, der eigentlich nichts weiter möchte, als in Ruhe sein Bier zu trinken. Stattdessen wird er erst auf den Mond und anschließend ins Prag des 15. Jahrhunderts katapultiert. Seine fantastischen Reisen führen ihn in Gesellschaften, die ihn mit Kunst, Idealismus, Mut und Verantwortung konfrontieren – alles Dinge, denen Brouček lieber aus dem Weg geht. Für Regisseur Yuval Sharon erzählt Janáčeks Oper von einem Menschen, der sich in seiner eigenen Komfortzone eingerichtet hat und nicht bereit ist, aus seinen Erfahrungen zu lernen. Gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildner Jon Bausor hat Sharon eine Bildwelt entwickelt, die sich am Dadaismus und am absurden Theater orientiert. Traum und Wirklichkeit, Geschichte und Fantasie gehen dabei fließend ineinander über und schaffen einen Raum, in dem Janáčeks satirischer Blick auf die Gesellschaft seine volle Wirkung entfalten kann.

Eröffnung der Bregenzer Festspiele 2026 
am 22.07.26 um 10:30 Uhr 
Großer Saal, Festspielhaus
Live auf ORF2 ab 9.55 Uhr und ab 10.30 Uhr auf 3sat