Ernst Ludwig Kirchner als Kurator seines eigenen Werks

Das Kunstmuseum Bern zeigt rund 65 hochkarätige Werke von Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), die nur selten in der Schweiz zu sehen waren.

Der Künstler zählt zu den herausragendsten Protagonisten der Moderne. Mit dieser Ausstellung erinnert das Kunstmuseum Bern an die umfangreichste Retrospektive zu Lebzeiten des Künstlers, die 1933 in der Kunsthalle Bern stattfand und die er selbst kuratierte.

Die Schau stellt Kirchner erstmals als Kurator seines eigenen Werks ins Zentrum und zeigt, wie er durch gezielte Gegenüberstellungen und Überarbeitungen mancher Werke seinen künstlerischen Lebenslauf interpretierte und inszenierte. Kirchner versuchte nicht nur, seinen künstlerischen Werdegang (neu) zu formen, sondern schuf auch ein bewusst gestaltetes Raumerlebnis.

Ein zentrales Ereignis der Ausstellung ist die erstmalige Wiedervereinigung des monumentalen Werkpaares „Alpsonntag. Szene am Brunnen” (1923–24/um 1929, Kunstmuseum Bern) und „Sonntag der Bergbauern” (1923–24/1926, Kabinettssaal des Bundeskanzleramts, Berlin). Die beiden Gemälde eröffneten 1933 Kirchners Retrospektive in der Kunsthalle Bern, wo sie Seite an Seite präsentiert wurden. Mit diesen kraftvollen Bildern verlieh Kirchner seiner Vorstellung Ausdruck, wie Monumentalität und Raumgestaltung zusammenspielen können. Zugleich wollte er unter Beweis stellen, dass er in der Lage war, Werke von öffentlicher Strahlkraft zu schaffen, die über den Ausstellungsraum hinaus in den gesellschaftlichen Raum hineinwirken. Dies war ihm besonders wichtig, da sein langjähriges Projekt zur Ausmalung des Festsaals im Museum Folkwang in Essen 1933 endgültig gescheitert war.

Obwohl die beiden monumentalen Gemälde als Pendants konzipiert waren, waren sie seit 1933 nie wieder gemeinsam zu sehen. „Alpsonntag. Szene am Brunnen” wurde noch im selben Jahr direkt aus der Ausstellung vom Kunstmuseum Bern erworben. Ein symbolträchtiger Akt: Es war der erste und einzige Ankauf eines Gemäldes durch ein Schweizer Museum zu Lebzeiten des Künstlers. „Sonntag der Bergbauern” gelangte zunächst als Leihgabe und schließlich, im Jahr 1985, dauerhaft in die Bundeskunstsammlung der Bundesrepublik Deutschland. Die Ausleihe dieses im Kabinettssaal prominent und dauerhaft installierten Gemäldes durch das Deutsche Bundeskanzleramt stellt eine ebenso seltene wie bedeutende Ausnahme dar.

Zu den weiteren Höhepunkten der Ausstellung zählen Meisterwerke wie "Straße, Dresden" (1908/1919) aus dem Museum of Modern Art in New York, "Straße mit roter Kokotte" (1914/1925) aus dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid, "Berglandschaft von Clavadel" (1927) aus dem Museum of Fine Arts in Boston, "Farbentanz I" [Entwurf für Essen] (1932) aus dem Museum Folkwang Essen und "Esser" (1930) aus der Galerie Henze & Ketterer in Wichtrach/Bern.

Kirchner x Kirchner
12. September 2025 bis 11. Jänner 2026