24. Dezember 2007 - 2:04 / Ausstellung / Archiv 
22. September 2007 6. Januar 2008

Die Aquarelle der "Brücke" gehören zu dem Kostbarsten, was die deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Das Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen zeigt vom 22. September 2007 bis 6. Januar 2008 anlässlich des 40jährigen Bestehens des Brücke-Museums Berlin einen großartigen Überblick über das Aquarell-Schaffen der "Brücke"-Maler.

Neue Wege des kreativen Ausdrucks zu finden – das stand im Mittelpunkt der 1905 gegründeten Künstlergruppe "Brücke". Ob Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel oder Karl Schmidt-Rottluff – das Aquarell als expressionistische Kunstform reflektiert wie kein anderes Medium die Faszination für Farbe. Wie viele andere Künstler ihrer Generation galt das Interesse der Dresdner Architekturstudenten zunächst einer atmosphärischen Wiedergabe des Gesehenen und Erlebten. Motive wie Landschaft oder Akte in der Natur wurden zum Ausdrucksträger für das innere Erleben der Welt und die subjektive Empfindung der Künstler.

Die Suche nach Mitteln spontaner Ausdruckskraft führte zum Bruch mit akademischen Traditionen und definierte zugleich die epochale Bedeutung des Expressionismus. Für die "Brücke" - Künstler mit jener Vorliebe für eine unvermittelte Arbeitsweise erwies sich die dickflüssige Ölfarbe häufig als zu schwerfällig und langsam. Mit Begeisterung widmeten sie sich daher dem Medium des Aquarells, das gleichsam eine Aufwertung zum autonomen Kunstwerk erfuhr und innerhalb der deutschen Kunst eine neue Bedeutung erhält. Der rasante Umgang mit den Wasserfarben ermöglichte den Expressionisten noch überzeugender als im Ölbild der Farbe ein selbständiges, kraftvolles und strahlendes Eigenleben zu geben und damit mit neuen, unorthodoxen Gestaltungsmitteln die Kunstwelt des 20. Jahrhunderts zu revolutionieren.

Mit ca. 130 Exponaten unterstreicht diese bedeutende Ausstellung nicht nur den Stellenwert des Aquarells innerhalb der "Brücke" - Zeit, sondern widmet sich auch intensiv der Entwicklung jedes einzelnen Künstlers. So gibt Ernst Ludwig Kirchner dem Aquarell nach impressionistischen Anfängen eine neue inhaltliche Farbdimension. Auch bei Max Pechstein trägt die Farbe eine herausragende Bedeutung; inspiriert durch den Fauvismus entwickelt er einen leidenschaftlich-expressiven Farbstil. Besonders beeindrucken allerdings bei Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff der erstaunliche Umfang, den das Aquarell-Schaffen innerhalb ihres Œvres einnimmt.

Die ausführliche Darstellung auch ihres Spätwerkes bis in die 1960er Jahre verdeutlicht die Kontinuität, mit der sie das Aquarell als künstlerisches Ausdrucksmittel nutzen. Ergänzt werden die Arbeiten durch Werke der befreundeten Künstler Max Kaus, Anton Kerschbaumer und Walter Gramatté, die in den 1920er Jahren die Arbeits- und Ideengemeinschaft der "Brücke" weiterleben ließen.

Anjalie Chaubal


Die Ausstellung entstand in enger Kooperation mit dem Brücke Museum Berlin. Der im Hirmer Verlag erschienene Katalog ist für EUR 18,- im Museumsshop erhältlich.

Erlebnis Farbe - Aquarelle aus dem Brücke Museum Berlin
22. September 2007 bis 6. Januar 2008
Eröffnung: Fr 21. September, 19 Uhr

Museum Moderner Kunst - Wörlen
Bräugasse 17 / Donaukai
D - 94032 Passau

T: 0049 (0)851 383879-0
F: 0049 (0)851 383879-79
E: info@mmk-passau.de
W: http://www.mmk-passau.de/

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Max Kaus: Liegender Akt, 1923. Aquarell, 28,5 x 43,5 cm; Brücke-Museum Berlin. © VG Bild-Kunst, Bonn, 2007
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Otto Müller: Zwei stehende Akte im Wald, 1923. Farbkreiden und Aquarell, 86,5 x 52 cm; Brücke Museum Berlin