17. September 2020 - 13:29 / Ausstellung / Malerei 

Der in Köln lebende und arbeitende Künstler Leif Trenkler verknüpft in seinem Bilderkosmos häufig Natur- und Architekturdarstellungen mit Alltagsszenerien sowie Kindheits- und Jugenderinnerungen. Auch Wasser ist ein immer wiederkehrendes Element in seinen Kompositionen. Mit dem 1960 in Wiesbaden geborenen Maler präsentiert die von Leonie Hirn und Calvin Mechora geführte Feldkircher Galerie 60 in ihrer neuen Ausstellung einen renommierten Vertreter der Neuen Figuration.

Trenkler besuchte von 1984 bis 1990 die Städelschule Frankfurt, wobei er zwischendurch, 1986, ein Gastspiel an der Kunstakademie Düsseldorf einschob. In der Städelschule studierte Trenkler beim grossen deutschen Popart-Künstler Thomas Bayrle (geb. 1937 in Berlin), einem der ersten deutschen Künstler, die computergenerierte und animierte Kunst produzierten, sowie der Malerin und Zeichnerin Christa Näher (geb. 1947 in Lindau), deren üppige, sagenhafte Gemäldelandschaften häufig an die barocke und vor allem die klassische niederländische Bildsprache erinnern. Obwohl es damals verpönt war, begann Leif Trenkler während dieser Zeit in Frankfurt aller Kritik zum Trotz figurativ zu malen an.

Die ins Bild gesetzte Szenerien von Leif Trenkler erinnern inhaltlich vielfach an Sehnsuchtsorte, an Idyllen, an Plätze des Innehaltens. Etwa seine palmenumrahmten Pool-Landschaften, vom Mond beschienene Parkszenerien, die Alleen umrahmt von toskanischen Hügellandschaften, oder die fast dschungelhaft umwucherten Glasbungalows. Für den Normalsterblichen scheinen viele solcher Orte unerreichbar. Manche könnten einem Lifestyle-Katalog mit Wohn- oder Urlaubsvorschlägen für Reiche entstammen. Andere Szenerien wiederum wirken geheimnisvoll. Bei manchen Parklandschaften denkt man unweigerlich an Jurassic Park oder an die Melancholie der Romantik. Aber auch Dystopisches ist darunter. Etwa die Arbeit „Silence“. Hier treiben zwei Schwimmreifen verloren auf der Wasseroberfläche eines Pools. Die Liegestühle am Rande des Pools sind in rotgelbes Licht getaucht. Die Atmosphäre scheint zu glühen. Es sind denn auch keine Menschen sichtbar. Oder ist es einfach eine Morgenstimmung, in der das Licht der aufgehenden Sonne alles in Rot taucht und Schwimmreifen und zusammengerollte Handtücher einfach auf ihre Benützer warten? Ist es die Ruhe vor dem Sturm?

„Zuweilen wirken seine Landschaften wie unter einer Vakuumglocke seltsam entfremdet und entrückt, modellhaft distanziert, wenn er beispielsweise Rasenflächen zu einer einheitsgrünen Fläche reduziert oder gebaute Strukturen wie filigran konstruierte Architekturmodelle erscheinen lässt. Dann wiederum gerät durch seine mitunter verschleierte Malweise, in der das Blattwerk der Natur mehr angedeutet als präzise definiert wird, die Szenerie zu einem visualisierten Gesamteindruck, dem sich einzelne Beobachtungen unterordnen, wie man dies von leicht verblassten Erinnerungen und oder auch vagen Traumbildern her kennt,“ beschreibt der Kunsthistoriker Veit Ziegelmaier auf der Webseite der Galerie Wolfgang Jahn seine Eindrücke von Trenklers Methodik.

Trenkler reist viel. Das Reisen liefert ihm viele Impulse und inspiriert ihn. Er fotografiert alles, was bei ihm Erinnerungen auslöst, und verwendet die Fotografien als Ausgangspunkt farbintensiver Bildlösungen. Auch die Malerei früherer Epochen klingt bei ihm an, auch wenn er einen ganz eigenen, unverwechselbaren Malstil gefunden hat. An die alten Meister anknüpfend, malt er bevorzugt auf Birkenholz. Neuerdings ist aber auch Spiegelfolie als Bildträger wesentlich geworden, wodurch die Arbeiten eine zusätzliche Dynamik zu erhalten scheinen.

Leif Trenkler: Color Rush
Galerie 60, Feldkirch
19.9.-31.10.
Vernissage: 18.9., 20.00 Uhr
Do, Fr 16-19, Sa 12-16
www.galeriesechzig.com

Galerie Sechzig
Ardetzenbergstrasse 60
A - 6800 Feldkirch

weitere Beiträge zu dieser Adresse



Leif Trankler: Am atlantischen Ozean. 130 x 98 cm (© Leif Trenkler)
Leif Trenkler: Oh child of paradise, 150 x 75 cm (© Leif Trenkler)
Leif Trenkler: Oh child of paradise, 150 x 75 cm (© Leif Trenkler)
Leif Trenkler: Federpalmen. 80 x 60 cm (© Leif Trenkler)
Leif Trenkler: Federpalmen. 80 x 60 cm (© Leif Trenkler)
Leif Trenkler: Silence. 80 x 60 cm (© Leif Trenkler)